Altstadt

Commerzbank-Hochhaus darf abgerissen werden

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Ulrich Gaßdorf
Das Commerzbank-Hochhaus
(r.) ist
mit dem Altbau verbunden

Das Commerzbank-Hochhaus (r.) ist mit dem Altbau verbunden

Foto: Klaus Bodig / HA

Denkmalschutzamt erteilt Genehmigung. Büros, Wohnungen, Einzelhandel und ein Luxushotel sind geplant.

Hamburg.  Der Streit zwischen dem Denkmalschutzamt und dem Hamburger Projektentwickler Procom um das Commerzbank-Hochhaus am Neß ist beendet. Das denkmalgeschützte Gebäude darf abgerissen werden: „Nach umfangreichen Untersuchungen mussten wir feststellen, dass eine denkmalgerechte Sanierung wirtschaftlich nicht darstellbar ist, insbesondere wegen neuer Erkenntnisse zum erforderlichen Aufwand bei der hier aufgrund des hohen Grundwasserstands sehr speziellen Gründungskonstruktion“, sagte Enno Isermann, Sprecher der Kulturbehörde, dem Abendblatt.

Procom-Geschäftsführer Dennis Barth zeigte sich zufrieden mit der Entscheidung der Stadt: „Das Resultat ist einem langwierigen, aber fairen Diskussionsprozess geschuldet.“ Barth kündigte an: „Wir wollen die historisch bedeutungsvolle Fläche zu einem Schmuckstück der City entwickeln.“

Neues Quartier geplant

Das Unternehmen plant auf dem Filetgrundstück ein neues Quartier mit einer Mischung aus Wohnungen, Büros, Einzelhandel und Gastronomie. Außerdem könnte hier ein Luxushotel entstehen. Jetzt sollen die Vorbereitungen für einen Architektenwettbewerb „in enger Abstimmung mit dem Bezirk Mitte, der Politik und dem Denkmalschutz beginnen“, sagte Barth.

Wie berichtet, hatte die Commerzbank das Grundstück bereits im Februar vergangenen Jahres an die Procom verkauft. Doch seitdem gab es Auseinandersetzungen mit der Stadt. Denn das Denkmalschutzamt weigerte sich, den Denkmalschutz für das Hochhaus aufzuheben und eine Abrissgenehmigung zu erteilen. Im März drohte Barth sogar mit einer Klage gegen die Stadt. Sein Argument: „Zwei von uns in Auftrag gegebene Gutachten kommen zu der Erkenntnis, dass der Erhalt wirtschaftlich nicht zumutbar ist.“

Politik unterstützt die Planungen

Mit dem Hochhaus ist der mehr als 140 Jahre bestehende Altbau verbunden, der nicht unter Denkmalschutz steht. Auch dieses Gebäude soll weitgehend abgerissen werden: „Wir prüfen aber, inwiefern wir einzelne Fassadenelemente des Altbaus in einen Neubau integrieren können“, sagte Barth.

Die Politik unterstützt die Planungen für den Standort: „Es ergibt sich nun eine große Chance durch eine Neubebauung, die es zu nutzen gilt. Die Schaffung von Wohnraum an dieser Stelle sowie die Möglichkeit, die Umgebung neu zu gestalten, halten wir für wichtig und notwendig“, sagte Grünen-Fraktionschef Michael Osterburg. Der SPD-Stadtentwicklungsexperte Dirk Kienscherf sagte: „Es ist aus städtebaulicher Sicht zu begrüßen, dass hier ein neues Quartier entsteht und dabei Teile der Altbaufassade erhalten bleiben.“

Kritik vom Denkmalverein

Kritik kommt von Kristina Sassenscheidt, Vorsitzende des Denkmalvereins: „Der geplante Abriss ist sowohl aus kultureller als auch aus ökologischer Sicht sehr zu bedauern. Mit dem Commerzbank-Hochhaus verschwindet ein weiteres Baudenkmal der Nachkriegszeit.“

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