Bürger machen Weltpolitik

G20-Experiment beim Abendblatt – der Gipfel vor dem Gipfel

Chefvisite 72: G20-Gipfel beim Abendblatt

Das Hamburger Abendblatt hat Vertreter der G20-Staaten eingeladen, um mit mit ihnen die wichtigsten aktuellen Themen zu diskutieren.

Video: abendblatt.tv
Beschreibung anzeigen

Hunger, Kriege, Plastikmüll: Auf Einladung des Abendblatts diskutierten Vertreter aus den wichtigsten Industrie- und Schwellenländern.

Hamburg. Die Entscheidung fiel einstimmig: Die G20-Staaten werden innerhalb weniger Tage mindestens eine Milliarde Euro für die Bekämpfung der Hungersnot in Teilen Afrikas und dem Jemen zur Verfügung stellen. Sollte die Summe am Ende höher sein – auch gut.

Italien hatte auf den aus Deutschland stammenden Vorschlag hin gefragt, ob eine Milliarde Euro überhaupt reichen würden. Großbritannien wiederum verwies darauf, dass das Welternährungsprogramm insgesamt vier Milliarden Euro veranschlagt habe, um die Hungerkrise zu lösen. Auch Kanada meinte, eine Milliarde Euro seien vielleicht zu wenig. Schließlich sterbe alle sechs Sekunden ein Kind den Hungertod. Die Runde nickte, und als der deutsche Versammlungsleiter den Beschlussvorschlag mit dem Satz „Es ist ein Haus, das jetzt brennt!“ zur Abstimmung stellte, zögerte niemand der Anwesenden, und ein jeder stimmte der Bereitstellung der Hilfsgelder zu.

Politik könnte so einfach sein. Im 7. Stock des Verlagsgebäudes der Funkemedien-Gruppe am Großen Burstah war sie so einfach. Das Hamburger Abendblatt hatte zu (s)einem eigenen G20-Gipfel geladen: 19 in Hamburg lebende Menschen, die aus den G20-Staaten stammen oder seit Jahrzehnten engstens mit ihnen verbunden sind, waren gekommen und diskutierten gut eineinhalb Stunden über die Sicherung des Weltfriedens und den Schutz der Umwelt.

In Hamburg leben 310.000 Ausländer aus 40 Nationen

Zugegeben: Am Anfang klang die Idee, einen Gipfel vor dem Gipfel zu organisieren, schon ein wenig gewagt. Zumal eines von Anbeginn klar war: Es sollten keine Berufspolitiker sein, die sich an dem großen Tisch zusammensetzen. Wir wollten einfache Menschen wie du und ich, deren Stimme auf einem Treffen der Staats- und Regierungschefs, wie es Hamburg am 7. und 8. Juli ins Haus steht, eher selten gehört wird. Die aber sehr wohl wissen, was wichtig ist im Leben. Daher erhofften wir uns, dass diese Menschen frei von der Leben weg über ihre Sicht der Dinge reden würden. Dabei ging es nicht darum, dass sie die Haltung ihres Landes vertreten. Gefragt waren ihre persönliche Meinung, ihre Gedanken – und ihre Ideen, wie man die Probleme in der Welt angehen könnte.

19 Nationen gesucht

Doch wie so oft war so eine Gipfelidee leichter entwickelt als umgesetzt. Rasch erkannten wir, dass es auch in einer Stadt wie Hamburg eine Herausforderung ist, Menschen aus den 19 Nationen zu finden. G20 bedeutet ja das Zusammentreffen von Vertretern aus den 19 wichtigsten Industrie- und Schwellenländern sowie der Europäischen Union. Offiziellen Angaben zufolge lebten Ende vergangenen Jahres rund 310.000 Ausländer aus mehr als 40 Nationen in der Hansestadt. Die meisten – mehr als 45.000 – stammten demnach aus der Türkei. Aus Russland kommen immerhin fast 9000, aus den USA rund 3700. So suchten und fanden wir also Frauen und Männer, die aus dem jeweiligen G20-Land stammten oder über Jahrzehnte dort gelebt hatten und damit wissen, wo den Menschen der Schuh drückt. Am Ende waren bis auf eines alle Länder vertreten – und auch das nur, weil der Vertreter Saudi-Arabiens kurzfristig aus persönlichen Gründen absagen musste.

Waffenexporte verringern? Dafür gab es keine Mehrheit

Die Zusammensetzung der Runde erwies sich als außerordentlich spannend. Obwohl eine Reihe der Frauen und Männer schon über viele Jahre in Hamburg lebt, fühlen sie sich doch noch immer mit ihrer Heimat verbunden. Zugleich sind einige von ihnen inzwischen „echte“ Hamburgerinnen und Hamburger geworden. Sie stehen für die Vielfalt, die Weltoffenheit und die Zugewandtheit zum anderen, die die Elbmetropole seit Jahrhunderten auszeichnen.

Unser Ziel war, den Abendblatt-G20-Gipfel möglichst wirklichkeitsgetreu umzusetzen. Dazu gehörte, dass Deutschland – es wurde von Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider vertreten – die Versammlung leitete und darauf achtete, dass jeder ausreichend zu Wort kam. Dazu gehörte ebenso, zwischen den Positionen der einzelnen Ländervertreter zu vermitteln, damit am Ende eine gemeinsame Abschlusserklärung zustande kommen konnte.

Dass das auch bei „normalen“ Bürgern nicht so einfach ist, war eine der spannendsten Erfahrungen dieses Abends. Ein Beispiel: Die meisten Deutschen dürften wohl die Forderung nach einem Verbot oder einer Reduzierung von Waffenexporten unterstützen. Ein entsprechender Vorschlag fand auf dem Abendblatt-G20-Gipfel allerdings keine Mehrheit, was die Vertreterin Brasiliens, Betina Sachsse, bedauerte. Es sei doch nur allzu menschlich, gegen Waffen­exporte zu sein.

Umweltfrevler solltenhärter bestraft werden

„Wir haben unsere eigene Meinung vertreten“, sagte Nico Aprile, der für Italien am Tisch saß. Das zeigte sich ebenfalls in der Debatte darüber, wie man der Verschmutzung der Weltmeere durch Plastikflaschen und -tüten Herr werden könnte. In diesem Punkt scheint es für viele Europäer selbstverständlich zu sein, auf Plastiktüten zu verzichten und sie durch Papier zu ersetzen.

In anderen Teilen der Welt hingegen sind Plastikverpackungen aus hygienischen Gründen durchaus sinnvoll, weshalb ein weltweites Verbot möglicherweise kontraproduktiv sein könnte. Am Ende einigte sich die Runde darauf, vor allem auf Plastikflaschen zu verzichten und mehr in das Recycling derartiger Produkte zu investieren. Auch sollten Umweltfrevler forciert bestraft werden.

Das Verstehenwollen des anderen gepaart mit dem Fehlen jeglicher Eitelkeiten: Das waren die prägenden Elemente dieser gut 90-minütigen Diskussionsrunde – selbst in den Momenten, in denen sich Uneinigkeit abzeichnete.

Dennoch verständigte man sich am Ende auf eine Abschlusserklärung. In Sachen Umweltschutz sollten zwei Fonds aufgelegt werden: einer für mehr länderübergreifende Aufklärungsarbeit und einer für ein internationales Gericht. Um das friedliche Zusammenleben der Menschen zu fördern, plädierte die Runde für ein spezielles G20-Erasmus-Programm: Reisen bildet nicht nur, sondern hilft einem auch beim Abbau von Vorurteilen.

Einer Studie zufolge gelangen jedes Jahr bis zu 13 Millionen Tonnen Plastikmüll in die Meere. Er wird von Fischen statt oder mit der üblichen Nahrung aufgenommen, und so können giftige Chemikalien am Ende sogar in unserem Essen landen.

Wir dokumentieren hier die Diskussion über Natur- und Umweltschutz auf dem Abendblatt-G20-Gipfel:

Russland: Ich möchte gern das Thema „Plastikmüll in den Ozeanen“ diskutieren. Viele Menschen verwenden achtlos Plastikflaschen oder Plastiktüten und werfen sie dann in den Müll. Ich halte das für ein großes Problem.

Türkei: Nur 42 Prozent der Plastikflaschen sind Mehrwegflaschen. Mit anderen Worten: 58 Prozent werden geschreddert. Ein großer Teil davon landet im Müll. Es wäre daher gut, würden Einweg- durch wiederverwendbare Flaschen ersetzt. Allerdings ist es für die Getränkehersteller wohl günstiger, die Flaschen zu schreddern.

Mexiko: In Mexiko ist der Aufwand erheblich gestiegen, die 10.000 Kilometer langen Strände zu säubern. Es wird zu wenig gegen die Verschmutzung der Meere unternommen.

Europäische Union: Die Europäische Union hat Initiativen gestartet, Plastikflaschen abzuschaffen. Wir wollen aber weitergehen und überlegen, wie man dagegen angehen kann, dass auch Gemüse in Plastiktüten verpackt wird.

"Eine Tüte aus Kartoffelstärke"

Russland: Denkbar wäre die Verwendung von Karton- oder Plastiktüten aus Kartoffelstärke: Die bauen sich selbstständig ab. Das Problem besteht darin, dass eine Kartontüte am teuersten ist. Etwa zehn Cent günstiger wäre eine Tüte aus Kartoffelstärke. Die Plastiktüte ist allerdings noch einmal zehn Cent billiger, was dazu führt, dass die Unternehmen vor allem diese einsetzen.

Großbritannien: Wir sollten möglichst rasch mit Aufklärung anfangen und den Menschen beibringen, was wichtig für Klimaschutz ist. So wäre es eine gute Idee, dass jeder Schüler in Deutschland spätestens bis zur achten Klasse das Klimahaus Bremerhaven besucht hat. Um ihrer Vorbildfunktion gerecht zu werden, müssen die Industrieländer die Energiewende schneller umsetzen.

China: Aufklärung ist in der Tat sehr wichtig. Vor allem in den bevölkerungsreichen Ländern Asiens ist das Bewusstsein, sorgsam mit unserer Umwelt umzugehen, noch nicht angekommen. Einwegplastiktüten gelten beispielsweise als eher einfach zu handhaben. Zudem symbolisiert es Wohlstand, Sachen nur einmal zu benutzen.

Hygienisch frisch

USA: Warum schaffen wir nicht einen Standard, dass nur noch wiederverwendbare Plastikverpackungen eingesetzt werden? In Asien und Südamerika sind Plastiktüten schwer zu ersetzen – sie schützen und halten Lebensmittel hygienisch frisch.

Indien: Wir sollten nicht nur auf Plastik achten. Wir brauchen Maßnahmen, um den „geplanten Verschleiß“ von Produkten zu reduzieren. Unternehmen sollten sich bei der Entwicklung von Produkten mehr an Bedürfnissen von Konsumenten orientieren müssen und die Lebensdauer von vielen Produkten verlängern.

Derzeit wird mit Werbung der Ersatz von noch funktionsfähigen Produkten forciert. Allein in Deutschland werden jährlich mehr als 100 Milliarden Euro für den Kauf neuer Produkte ausgegeben, der nicht notwendig ist. Außerdem sollten wir beim Konsum bescheidener werden.

Südkorea:Länder, die sich gerade wirtschaftlich entwickeln, suchen zunächst die günstigsten Lösungen. Insofern ist Verständnis für die geringer entwickelten Ländern notwendig. Das schließt nicht aus, dass wir auch dort die Frage stellen, wie mit dem anfallenden Müll umgegangen werden soll. Was den Umgang mit Plastikmüll angeht: Wenn es so wie bisher weitergeht, hat im Jahr 2050 jeder Vogel Plastik im Magen, hat eine Studie ergeben. Wir sollten daher früh mit Umweltbildung anfangen und ein stärkeres Umweltbewusstsein bei den zukünftigen Generationen entwickeln. Sinnvoll wäre es, in Verträgen zwischen den Staaten festzuzurren, dass nachhaltig in Bildung investiert wird. Zudem plädiere ich dafür, nachhaltige Maßnahmen zu treffen, um den Verbrauch von Plastik zu verringern. Dazu gehören die Kontrolle und die Bestrafung von Umweltsündern.

Australien: Unternehmen achten darauf, Profit zu erwirtschaften. Deshalb wäre es ein Idee, durch Steuererleichterungen dafür zu sorgen, dass Produkte umweltverträglicher werden.

Südafrika: Entwicklungsländer haben wirtschaftlich großen Nachholbedarf. Deshalb müssen für sie Lösungen gefunden werden, nachhaltig zu wachsen und eine entwickelte Industrie aufzubauen. Zudem bitte ich darum, daran zu denken, dass es Länder gibt, in denen die Menschen weitaus ärmer sind als in Europa. Dort können verstärkte Anstrengungen beim Umweltschutz rasch das Gegenteil dessen erreichen, das beabsichtigt ist.

Indonesien: Ausländische Firmen sollten verpflichtet werden, mit den gleichen Umweltstandards in Indonesien zu arbeiten wie in ihren Heimatländern. Nur weil Indonesien als Entwicklungsland diese Standards noch nicht hat, haben ausländische Firmen nicht das Recht, die Lebensgrundlage der Inselbewohner zu zerstören.

Kanada: Wenn Müll entsteht, ist das nicht das Ende, sondern eigentlich erst der Anfang. Die Lösung heißt: Ausbau des Recyclings. Was die Verschmutzung der Meere angeht, so sind mehr Gesetze und eine schärfere Kontrolle vonnöten.

EU: Aus meiner Sicht hat die bisherige Diskussion die Grundlage für einen Drei-Punkte-Plan ergeben: Erstens Aufklärung und Bildung, zweitens Vermeidung von Müll, drittens Umweltprobleme angehen.

Südkorea: Mir scheint die Vorbildfunktion Einzelner eine wichtige Rolle zu spielen. In den Niederlanden hat ein Mann eine Technologie entwickelt, mit der er das Meer reinigen kann. Vielleicht brauchen wir solche Helden.

Russland: Wenn es gelingt, Lebensmittel in abbaubaren Hüllen zu lagern und zu verkaufen, hätten wir 60 Prozent des Problems beseitigt. Es gilt, Bedingungen für Unternehmen zu schaffen, damit diese sich für den Wechsel zu solchen Produkten entscheiden.

Italien: Von Deutschland habe ich den Zusammenhang zwischen Zuckerbrot und Peitsche gelernt. Deshalb plädiere ich dafür, mit der Aufklärung sofort zu beginnen. Dafür sollte ein Finanzfonds eingerichtet werden. Einen zweiten Finanzfonds sollte es für den Aufbau eines internationalen Gerichts geben, das die Umweltsünder hart bestraft.

Südkorea: Ich habe die Sorge, dass so eine Einrichtung bürokratisch aufgebläht wird, sich zwischen den Interessen der einzelnen Länder aufreibt und am Ende nichts entscheiden kann.

Wird die Welt ohne der Export von Waffen friedlicher?

In der Diskussion über das friedlichen Zusammenleben der Völker zeigte sich rasch, dass die Menschen sich selbst bei scheinbar einfachen Fragen nicht so ohne Weiteres auf eine gemeinsame Position verständigen können. In unserem Fall stimmte lediglich Hälfte der Teilnehmer für ein Verbot der Waffenexporte.

Andererseits war sich die Runde rasch darüber einig, dass Reisen hilft, Vorurteile abzubauen. Die Idee, das Kennenlernen anderer Kulturen und Lebensweisen nicht nur den Möglichkeiten des privaten Geldbeutels zu überlassen, bildete den Ausgangspunkt für den Vorschlag, eine Art G20-Austauschprogramm zu entwickeln, das im Bereich der Wissenschaft bereits erfolgreich ist. Hier die wichtigsten Wortbeiträge:

Frankreich: Ich halte es für besonders wichtig, den Menschen die Möglichkeit zu verschaffen, andere Länder und Kulturen kennenzulernen. Das scheint mir der beste Weg, Vorurteile anderen Völkern gegenüber abzubauen. In Europa wäre es beispielsweise denkbar, dass Bürger bei Erreichen der Volljährigkeit eine kostenlose Fahrkarte für eine Vier-Wochen-Reise durch die Europäische Union bekommen.

Südkorea: Der Austausch von Kultur fördert gegenseitiges Verständnis, Toleranz und Handel. Das sollte weiter unterstützt werden. Daneben halte ich Bedingungen für notwendig, die es jungen Familien ermöglichen, emotional stabile und soziale Menschen zu erziehen. Mütter brauchen mehr Zeit, sich der Erziehung ihrer Kinder zu widmen. Bei der Ausbildung dürfen nicht nur Wirtschaftsinteressen, sondern muss verstärkt eine humanistische Bildung eine Rolle spielen.

Indonesien: Wir müssen einen Weg finden, wie verschiedene Kulturen und Religionen friedlich zusammenleben können. In Indonesien setzt man angesichts der zunehmenden Radikalisierung des Islam auf die Durchsetzung der sogenannte Pancasila, was so viel wie Einheit in der Vielfalt bedeutet und unter anderem die Gleichwertigkeit von sechs anerkannten Religionen beinhaltet. Dieses Modell könnte man gegebenenfalls auf internationale Konflikte anwenden.

Europäische Union: Wir sprechen von Austausch in Vielfalt, indem wir jungen Menschen ermöglichen, andere Teile der Welt kennenzulernen. Je früher, desto besser.

Mexiko: Ein freier Welthandel ist die Grundlage für den Wohlstand in den Nationen und die Bekämpfung von Armut. Für Mexiko kommt der gemeinsame Kampf gegen Drogenkriminalität hinzu. Ferner könnte das in Deutschland so erfolgreiche duale Ausbildungssystem Vorbild für die Ausbildung junger Menschen auch in anderen Ländern sein.

Kanada: Ich halte ein Verbot von Waffenexporten für unabdingbar. Militärische Auseinandersetzungen kosten die Welt jährlich bis zu 500 Milliarden Euro. Ich glaube, dass viele Krisen verschwinden würden, wenn der Waffenexport aufhört. Abgesehen davon, dass dann auch keine Kinder mehr in kriegerischen Auseinandersetzungen sterben würden.

USA: Ich möchte die Aufmerksamkeit darauf lenken, dass durch Automatisierung und Digitalisierung vermehrt einfache Jobs wegfallen werden. Davon werden Millionen Menschen weltweit betroffen sein. So haben Studien ergeben, dass in den USA und Großbritannien in den kommenden Jahren zwischen 35 und 45 Prozent der gering qualifizierten Jobs verschwinden könnten. Wer keinen Job hat, hat auch keine Zukunft. Abgesehen davon, dass bei hoher Arbeitslosigkeit die Inte­gration von Zuwanderern schwierig wird.

Türkei: Ich halte es deshalb für besonders wichtig, die Bildung von Gettos zu verhindern. Eine multikulturelle Gesellschaft, gerade in den Vierteln, schafft die Voraussetzung dafür, dass jeder vom anderen lernen kann. Um zu verhindern, dass neue Technologien zu Arbeitslosigkeit führen, müssen wir die Menschen durch Ausbildung intelligenter machen.

Argentinien: Nur Bildung kann helfen, dass Menschen nicht vermehrt Populisten auf den Leim gehen. Viele Menschen aus Lateinamerika gehen nach Europa oder Amerika, um dort zu studieren. Unter den lateinamerikanischen Staaten findet hingegen weniger Austausch statt. Viele Südamerikaner schauen eher auf Europa als auf den eigenen Kontinent. Ich fände ein Programm gut, das, ähnlich wie das europäische Erasmus-Programm, Aufenthalte an ausländischen Universitäten fördert und weltweit angelegt ist – ein G20-Erasmus sozusagen.

Italien: Eine Intensivierung der Austauschprogramme wie Erasmus, Auslandssemester oder Schüleraustausch ist eine gute Idee. Ich unterstütze das.

Brasilien: Ich möchte zwei Anträge zur Abstimmung stellen. Erstens: Die G20 setzen sich für ein Waffenembargo ein. Zweitens: ein weltweites Förderprogramm, das Menschen das Reisen in andere Länder ermöglicht.

Südkorea: Beim Waffenembargo kann ich angesichts der schwierigen Lage auf unserem Kontinent und der Bedrohung durch Nordkorea nicht zustimmen. Was den kulturellen Austausch angeht, so stimme ich zu. In Hamburg-Steilshoop gibt es ein Projekt, das sozial benachteiligten Kindern eine Reise nach Südkorea und dort den Aufenthalt in wohlhabenden Familien ermöglicht. Die Kinder erleben, was man alles aus seinem Leben machen kann. Es geht also nicht nur um den Austausch zwischen den Ländern, sondern auch zwischen den Schichten.

Indien: Ich unterstütze ein Waffenembargo. Allerdings gibt es auch Nationen, die von anderen Ländern bedroht werden. Wenn es zu einem weltweiten Verbot von Waffenexporten käme, müsste die Uno eine Garantie abgeben, dass sie die territoriale Integrität eines jeden Landes gewährleisten werde.

Die Abstimmung über ein weltweites Verbot von Waffenexporten führte zu einem Patt: Die eine Hälfte war dafür, die andere dagegen. Auch der Vorschlag, auf ein Waffenembargo hinzuarbeiten, fand keine Mehrheit. Zum Schluss gab es ebenso für das Angebot von Deutschland, in einer Region fünf Jahre ein bedingungsloses Grundeinkommen zu finanzieren, keine Mehrheit.