Schifffahrt

Vorstandschef der insolventen Reederei Rickmers vor dem Aus

Vorstandschef
Ignace van
Meenen verlässt
die Reederei
Rickmers

Vorstandschef Ignace van Meenen verlässt die Reederei Rickmers

Foto: Joost

Ignace van Meenen soll gehen. Anleihegläubiger prüfen derweil Schadenersatzansprüche gegen Firmengründer Bertram Rickmers.

Hamburg.  Die insolvente Hamburger Reederei Rickmers steht vor einem weiteren Personalwechsel: Nachdem Firmengründer und Eigentümer ­Bertram Rickmers den Rückzug vom Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden angekündigt hat, ist nun auch für den Vorstandschef der Rickmers Holding, Ignace van Meenen, offenbar Schluss. Van Meenen werde das Unternehmen verlassen, erfuhr das Abendblatt aus Kreisen. Das Unternehmen äußerte sich dazu nicht. Van Meenen hatte den Chefposten erst im Jahr 2014 übernommen, damals hatte das Schifffahrtsunternehmen noch den Börsengang als Ziel.

Die lang anhaltende Schifffahrtskrise hat diesem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wie berichtet, hat das Unternehmen wegen nicht auskömmlicher Geschäfte im vergangenen Jahr nach Steuern einen Verlust von 341 Millionen Euro gemacht. Weil ausstehende Kredite nicht ausreichend umgeschuldet werden konnten und die Liquidität zur Bedienung einer Anleihe fehlte, hat die Rickmers Holding am 2. Juni beim Amtsgericht Hamburg Insolvenzantrag gestellt.

Vorläufige Sanierung in Eigenregie

Das Gericht hat einer vorläufigen Sanierung in Eigenregie zugestimmt, Zugleich hat es der Firma mit den Hamburger Anwälten Christoph Morgen von der Kanzlei Brinkmann & Partner als weiteres Vorstandsmitglied und Jens-Sören Schröder von der Sanierungskanzlei Johlke, Niethammer & Partner zwei Insolvenzexperten zur Seite gestellt. Sie sollen jetzt die Sanierung durchführen.

Unterdessen droht dem Firmeneigner Bertram Rickmers Ärger von den Gläubigern, der Anleihe über 275 Millionen Euro, die Rickmers im Jahr 2013 ausgegeben hat. Mehr als 100 von ihnen haben sich Hilfe suchend an die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) gewandt. Die Anleger werfen Rickmers vor, sie nicht ausreichend über die Risiken aufgeklärt zu haben, die mit der Anleihe verbunden waren. Die Schutzgemeinschaft hat die Berliner Anwaltskanzlei Späth & Partner beauftragt, etwaige Schadenersatzansprüche gegen Rickmers festzustellen.

Mögliche Schadenersatzansprüche

„Wir prüfen, ob Herr Rickmers als Verantwortlicher für den Prospekt haftet, und inwieweit dieser Prospekt fehlerhaft ist“, sagte der zuständige Anwalt, Marc Liebscher, dem Abendblatt. „Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass der Prospekt nicht ausreichend auf die Risiken der Anleihe hingewiesen hat, und Anleger damit beim Kauf falsch informiert wurden.“ Die Kanzlei prüft zudem, ob die im Prospekt dargestellten Schiffsbewertungen richtig waren. „Auch hier gibt es Hinweise auf Unregelmäßigkeiten“, so Liebscher.

Sollte sich der Verdacht erhärten, wird die SdK ihren Anlegern raten Schadenersatzansprüche gegen Rickmers geltend zu machen. „Wir gehen davon aus, dass Herr Rickmers über ausreichend Vermögen verfügt. Schließlich war er im Rahmen des gescheiterten Sanierungskonzepts dazu bereit, zweistellige Millionenbeträge aus seinem Privatvermögen zur Rettung der Firma zu investieren“, sagt Liebscher.