Flüchtlinge

Hat Hamburger Fußball-Trainer für Islamisten geworben?

Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD, r.) und Torsten Voß, Amtsleiter des Landesamtes für Verfassungsschutz, bei der Vorstellung des  Verfassungsschutzberichts

Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD, r.) und Torsten Voß, Amtsleiter des Landesamtes für Verfassungsschutz, bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichts

Foto: Picture Alliance

Verfassungsschutz: Mustafa H. soll versucht haben, Flüchtlinge zu indoktrinieren. Er arbeitete bei einem bekannten Amateurverein.

Hamburg. Seit gut einem Jahr trainiert Mustafa H. beim Fußballverein Germania Schnelsen ein Flüchtlingsteam. Auch Männer aus Flüchtlingsunterkünften, etwa aus der Unterkunft am Flagentwiet, profitieren von seinem fußballerischen Wissen. „Sie werden von Trainer Mustafa H., der seit vielen Jahren mit seiner Familie in Deutschland lebt, auf hohem Niveau betreut“, ist auf der Internetseite von Germania zu lesen. Offenbar trainierte H. nicht ohne Hintergedanken: Nach Erkenntnissen des Hamburger Landesamts für Verfassungsschutz (LfV), die am Donnerstag öffentlich wurden, versuchte Mustafa H., seine Schützlinge mit islamistischem Gedankengut zu indoktrinieren.

Demnach handele es sich bei dem Trainer um einen hochrangigen Funktionär der verbotenen Organisation Hizb ut-Tahrir (HuT). Die islamistische Gruppierung ruft zur Zerstörung von Israel auf und hat als Ziel ähnlich wie der „Islamische Staat“ (IS) die Errichtung eines Kalifats mit der Scharia als rechtlicher und gesellschaftlicher Grundlage. In Hamburg gibt es laut LfV rund 140 meist aus Afghanistan oder der Türkei stammende Mitglieder der HuT. Mustafa H. sei dort „Ansprechpartner für die sportlichen Aktivitäten“. Dem Abendblatt sagte H., er bitte um Verständnis, wenn er sich derzeit nicht äußern wolle – die Sache werde sich klären.

Verfassungsschutz: H. beeinflusste junge Flüchtlinge

Sicher ist sich hingegen der Nachrichtendienst – in seiner Bewertung der Aktivitäten und versuchten Einflussnahme des Mannes. In seiner Funktion als Trainer habe er junge, überwiegend afghanische Flüchtlinge für die islamistische Ideologie interessieren wollen. Zudem sei er sporadisch auch als Dolmetscher tätig gewesen. Der Verein und die betroffenen Flüchtlingseinrichtungen seien von der Behörde informiert worden und wollten sich von dem Trainer trennen.

Wie aus Kreisen des Schnelsener Vereins verlautet, ist darüber aber noch nicht entschieden: Man beschäftige sich mit dem Fall und werde mit Mustafa H. über die Anschuldigungen sprechen. Vor allem wolle man den Trainer nicht vorverurteilen.

Germania Schnelsen von Enttarnung überrascht

In der Vorstandsetage von Germania Schnelsen schlug der Vorwurf ein wie eine Bombe. „Wir waren völlig überrascht“, sagte Vereinschef Jörg Wohl­gemuth. Zu keinem Zeitpunkt habe Mustafa H. den Eindruck erweckt, Islamisten und ihren hetzerischen Parolen nahezustehen. Der Mann sei im Verein vielmehr sehr beliebt, als „ausgesprochen höflich und sehr zuvorkommend“ bekannt.

Für den Hamburger Fußball-Verband (HFV) ist es der erste Fall dieser Art. Spieler, Trainer und Verantwort­liche seien für das Thema aus dem Alltag sensibilisiert, sagte ein HFV-Verantwortlicher. Man werde jetzt im Verband auf Führungsebene beraten, wie damit umzugehen sei. In Hamburg spielen etwa 120.000 Kinder und Erwachsene Fußball, weitere 60.000 sind Mitglieder.