Aktion

Die Veddel wird vergoldet – Kunst oder Steuerverschwendung?

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Am Dienstagmittag begann der Künstler Boran Burchhardt sein umstrittenes Projekt. Sein wichtigstes Ziel sieht er bereits erreicht.

Hamburg. Die „Vergoldung der Veddel“ hat begonnen. Künstler Boran Burchhardt hat von einer Hebebühne aus am Dienstag hauchdünnes Blattgold mit einem Spezialkleber auf die Klinkerfassade eines Mehrfamilienhauses aufgetragen. Ein bis zwei Monate soll es dauern, bis die rund 300 Quadratmeter große Hauswand an der Veddeler Brückenstraße mit dem edlen Material verziert ist.

Die Kunstkommission der Kulturbehörde fördert das Projekt mit 85.622 Euro. Bereits im Vorfeld wurde viel über die „Vergoldung der Veddel“ diskutiert. Der Stadtteibeirat lehnte das Projekt ab und auch die Bezirkspolitik übte Kritik.

Bund der Steuerzahler bezeichnet die Aktion als "beschämendes Kapitel"

Der Bund der Steuerzahler (BdSt.) Hamburg verteilte am Dienstag goldene Schokoladentaler an die zahlreichen Schaulustigen, die die ersten Goldstriche verfolgten: „Wir erkennen den Stellenwert von Kunst an. Kunst darf, ja Kunst soll vielleicht auch provozieren. Mit der Vergoldung der Hauswand auf der Veddel wird aber höchstens der Steuerzahler provoziert, der früh morgens aufsteht, arbeiten geht und Steuern zahlt“, sagte BdSt. Hamburg-Vorstandsmitglied Sabine Glawe. Es werde ein weiteres beschämendes Kapitel von Steuergeldverschwendung geschrieben“, so Glawe weiter.

Halten Sie die Verwendung von Steuergeldern für die Kunstaktion mit der goldenen Wand auf der Veddel für angemessen?

Es wurden bisher 3476 Stimmen abgegeben.

Auch die Nachbarn sehen es kritisch: Dieses Kunstprojekt sei negativ für den Stadtteil. Dem Künstler gehe es nur darum, die Aufmerksamkeit auf seine Person zu lenken, deshalb vergolde er auch eine Hauswand in einem eher armen Stadtteil wie der Veddel. Aber davon hätten die Menschen nichts, sagte André Gesche, der seit zwölf Jahren in der Nachbarschaft lebt. In Blankenese hätte das doch keinen interessiert, so Gesche weiter. Auch Phoebe Arns, die Mitglied im Stadtteilbeirat ist und in der Nähe wohnt, ist eine Gegnerin der Vergoldung: „Was hier passiert, ist zynisch, und es wurde über den Kopf der Menschen hinweg entschieden. Der Künstler hätte ein Projekt umsetzen müssen, bei dem die Veddeler beteiligt werden. Doch daran hatte er offensichtlich kein Interesse, obwohl man das von einem Quartierskünstler erwarten könnte.“

Burchhardt ist Quartierskünstler auf der Veddel, gefördert von der Saga

Noch bis Ende 2017 ist Burchhardt Quartierskünstler auf der Veddel, gefördert von einer Stiftung der Saga Unternehmensgruppe. Dem städtischen Wohnungsunternehmen gehört auch das Haus, das nun vergoldet wird. Wenige Meter neben der ersten vergoldeten Fläche ist unterhalb eines Fensters ein eingerolltes Transparent zu sehen, angeblich soll es sich gegen die Vergoldung gewendet haben.

Auch vor Ort ist Klaus Lübke. Der SPD-Vizefraktionschef in der Bezirksversammlung Mitte spricht von einer „absurden Kunstaktion, die von vielen Menschen im Stadtteil abgelehnt wird. Denn diese Vergoldung sorgt sicherlich nicht für ein positives Image.“ Die mehr als 85.000 Euro hätten dafür verwendet werden können, dass der Künstler ein Projekt umsetzt, von dem die Menschen vor Ort profitieren.

Das Abendblatt hatte Burchhardt mehrfach um eine Stellungnahme gebeten. Doch der Künstler reagierte nicht. Am Dienstag erklärte er vor Ort, er werde dem Abendblatt kein Interview geben. Der Deutschen Presse Agentur sagte Burchhardt: „Unser Ziel, die Aufmerksamkeit auf die Veddel zu lenken, hat bereits funktioniert.“

( ug )

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