Steilshoop

Giftalarm – Feuerwehr evakuiert Supermarkt

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Daniel Herder

Rund ein Liter Kältemittel bei Famila ausgetreten. Sechs Mitarbeiter leicht verletzt. Hunderte Kilogramm Frischware vernichtet

Steilshoop. Mit einem Schlag war es mit dem entspannten Einkaufen im 2000 Quadratmeter großen Famila-Supermarkt am Eichenlohweg vorbei. Es war gegen 10 Uhr am Montagmorgen, als eine Lautsprecherdurchsage erklang: Alle Kunden und Mitarbeiter, hieß es, sollten bitte „umgehend“ und zügig den Markt verlassen. Während rund 100 Kunden und 50 Angestellte ruhig und geordnet aus dem Gebäude mit der riesigen Glasfront ins Freie traten, drängten Feuerwehrleute hinein – in Spezialanzügen und unter Atemschutz.

Öliges Gemisch setzte sich auf der Frischware ab

Was war passiert? Am Morgen, gegen 10 Uhr, hatte ein Bauarbeiter bei Abbrucharbeiten nahe der Fleischtheke versehentlich eine Kältemittel-Leitung angesägt. Aus dem Leck trat rund ein Liter der ätzenden Flüssigkeit aus. Weil die Substanz außerhalb des geschlossenen, unter Druck stehenden Systems praktisch sofort in den gasförmigen Zustand übergeht, verteilte sie sich in der Luft. Das Gas riss dabei noch einige Tröpfchen Öl aus dem Kühlkreislauf mit in die Höhe. Schließlich setzte sich das Gemisch auf den offen gelagerten Waren im Frischebereich als öliger Film ab.

Der Markt alarmierte umgehend die Feuerwehr, die mit einem „Großaufgebot an Spezialkräften für einen Gefahrstoffunfall zur Einsatzstelle ausrückte und das Gebäude umgehend evakuierte“, sagte Feuerwehrsprecher Jan Ole Unger.

Das ausgetretene Kältemittel sei mit einem Bindemittel aufgenommen und in ein Fass verpackt worden. Insgesamt seien rund 30 Feuerwehrleute im Einsatz gewesen, darunter auch Kräfte vom Umweltdienst und dem ABC-Zug der Technik- und Umweltschutzwache.

Unterdessen meldeten sich sechs Famila-Angestellte bei der Feuerwehr, sie klagten über brennende Augen und gereizte Atemwege. Notfallsanitäter versorgten die Betroffenen noch am Supermarkt und brachten sie dann zur weiteren Behandlung in Krankenhäuser in Barmbek und Eilbek. Zudem verhängte die Feuerwehr ein Verkaufsverbot für die offen gelagerten Waren.

Das verwendete Kältemittel sei indes „nicht per se gesundheitsschädlich“, sagte Bärbel Hammer, Sprecherin der Supermarktkette Famila mit Sitz in Kiel. Innerhalb eines geschlossenen Kühlsystems sei es unschädlich. Trete es in kleinen, geschlossenen Räumen aus, könne es unter Umständen zu Atemnot kommen. Die beschädigte Leitung habe sich allerdings in einem weitläufigen Bereich befunden. Die sechs betroffenen Mitarbeiter seien bereits kurz nach der Untersuchung im Krankenhaus wieder an ihre Arbeitsplätze zurückgekehrt.

Ein zur Risikobewertung hinzugezogener Lebensmittelkontrolleur vom Bezirksamt Nord verfügte am Montag, dass alle „nicht industriell verpackten Produkte und auch vom Markt selbst verpackten Waren aus dem Selbstbedienungsbereich“ aus dem Verkauf gezogen und vernichtet werden müssen. Selbstverständlich müsse der gesamte Markt gereinigt werden.

Hunderte Kilogramm Obst, Fleisch und Gemüse vernichtet

Familia-Mitarbeiter räumten die kontaminierte Frischeware daraufhin aus den Auslagen. Hunderte Kilogramm Obst, Gemüse, Fleisch und Backwaren landeten im Müll. Die Regale hätten am Montag allerdings zum Teil wieder aufgefüllt werden können, zumal das Lager neben dem Markt von dem Kältemittelaustritt nicht betroffen gewesen sei, so Hammer weiter.

Nach guter Durchlüftung sei die Famila-Filiale gegen 12 Uhr wieder geöffnet worden. In Hamburg hat die Kette nur einen Supermarkt, in ganz Norddeutschland sind es nach Unternehmensangaben 86.

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