Vereinssport

Neuer Streit um Lärmschutz – Teutonia 05 schlägt Alarm

Im September 2016 demonstrierten Mitglieder und Freunde von Teutonia 05 gegen die Auflagen für den Trainingsplatz. Jetzt flammt der Streit wieder auf

Im September 2016 demonstrierten Mitglieder und Freunde von Teutonia 05 gegen die Auflagen für den Trainingsplatz. Jetzt flammt der Streit wieder auf

Foto: Roland Magunia

Amt für Verbraucherschutz will neue Lärmanlagenverordnung noch nicht umsetzen. Müssen Fußball-Mannschaften abgemeldet werden?

Hamburg. Über Monate hielt der Streit um den Lärmschutz ihrer Sportanlagen viele Hamburger Vereine in Atem. Als im April der Bundesrat die Novelle zur Sportanlagenlärmschutzverordnung (SALVO) beschloss, schien das Problem mit protestierenden Anwohnern endlich vom Tisch. Vereine wie Verbände waren sicher, dass die Aufhebung aller Einschränkungen des Trainingsbetriebs nur noch eine Formsache sei.

Offenbar ein Irrtum. Als Diddo Ramm, Präsident von Teutonia 05 (Ottensen) nunmehr via Mail das in Altona zuständige Amt für Verbraucherschutz um Aufklärung bat („Ich würde gern erfahren, wenn die neuen Zeiten, die im SALVO beschlossen wurden, nun auch gelten“), erhielt er am Montag eine Antwort, die ihn völlig irritierte.

Verordnung gilt erst drei Monate nach Verkündung

In der Mail, die dem Abendblatt vorliegt, heißt es: „Dem Fachamt liegen leider zur Zeit keine weiteren Informationen über den Zeitpunkt des Inkrafttretens der geänderten SALVO vor. Soweit aus dem Internet ersichtlich, wurde im Bundesrat eine weitere Änderung beschlossen, die eine erneute Beteiligung des Bundestages erfordert. Die Verordnung tritt dann 3 Monate nach Verkündung (dies ist bisher nicht erfolgt) in Kraft.“

Teutonia 05, so die Botschaft, soll also weiter mit den Einschränkungen leben. Für Ramm ein Unding: „Wir sind mitten in den Planungen für die neue Saison. Wir brauchen jetzt Klarheit, sonst kann es passieren, dass wir Mannschaften abmelden müssen.“

Teutonia 05 wird Opfer des eigenen Erfolgs

Der Ottensener Verein ist mehr denn je Opfer seines eigenes Erfolgs. Die Anmeldezahlen boomen, derzeit kicken allein sechs D-Jugendmannschaften auf dem traditionsreichen Platz an der Kreuzkirche. Und anders als früher haben die meisten Kinder auch noch als Jugendliche Spaß am Kicken im Verein, derzeit meldet Teutonia auch drei C-Jugendteams und zwei B-Jugendteams.

Entsprechend eng sind die Trainingszeiten getaktet, mitunter trainieren vier Mannschaften gleichzeitig auf dem Platz. Der Aufstieg der ersten Herrenmannschaft in die Oberliga verschärft das Problem. Der Verband schreibt vor, dass in der Oberliga der Platz 75 Minuten vor Spielbeginn für die Vorbereitung der Mannschaften frei sein muss. Da Teutonia grundsätzlich sonntags spielt, hatte Ramm gehofft, dass mit Beginn der neuen Saison zumindest die noch vorgeschriebene Mittagsruhe von 13 bis 15 Uhr entfällt – offenbar genauso vergebens wie auf die Rückkehr zum früher üblichen Trainingsschluss um 22 Uhr.

Schulbetrieb und Oberliga-Aufstieg verschärfen das Problem

Der jetzt geltende vorgeschriebene 21-Uhr-Feierabend kann nun dafür sorgen, dass Mannschaften abgemeldet werden müssen, zumal die umliegenden Schulen den Platz bis 16 Uhr nutzen dürfen. „Durch den Schulbetrieb sowie den Oberliga-Aufstieg stehen wir in Sachen Trainings- und Spielbetrieb von zwei Seiten unter Druck“, sagt Ramm.

Der Teutonia-Präsident kann das Hickhack um die SALVO nicht verstehen. „Für mich ist das so, dass eine 30-km/h-Geschwindigkeitsbegrenzung zugunsten einer 50-km/h-Grenze aufgehoben wird, man aber weiter bei 40 km/h geblitzt wird.“ Sein bitteres Fazit: „So wird einem das Ehrenamt verleidet.“