Für iOS und Android

Hamburger NS-Täter suchen – gratis per Handy

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Jens Meyer-Wellmann
Das Erscheinungsbild der App

Das Erscheinungsbild der App

Foto: Landeszentrale für politische Bildung

"Die Dabeigewesenen" beinhaltet eine Datenbank mit mehr als 500 Personenprofilen – inklusive Karten und Umkreissuche.

Hamburg. Es ist ein neues Angebot, das nicht nur für Schüler im Geschichtsunterricht interessant sein dürfte: Die Landeszentrale für politische Bildung stellt jetzt eine Smartphone-App kostenlos zur Verfügung, mit der sich die Namen und Hintergründe zu mehr als 500 Hamburgern recherchieren lassen, die "auf unterschiedliche Art und Weise Anteil an den NS-Gewaltverbrechen in der Hansestadt hatten". Neben den Haupttätern finden sich dort auch Menschen, die in Hamburg umfassend von der Gewaltherrschaft der Nazis profitierten.

Zusätzlich zu den Personenprofilen gibt es auch Informationen zu NSDAP-Organisationen. Die Suche ist laut Schulbehörde über die Eingabe von Namen, Straßen und Stadtteilen möglich. Praktisch: Nach einer Umkreissuche, ausgehend vom aktuellen Standort des Smartphonebesitzers, werden die Treffer in einer Kartenansicht im Umkreis angezeigt.

Datenbank führt bislang 759 Einträge

Für iOS und Android kann die App mit dem Namen "NS-Dabeigewesene Hamburg" kostenlos heruntergeladen und genutzt werden.

Die Datenbank umfasst laut Senat bislang 759 Einträge und kann stetig erweitert werden. „Vollständig und abgeschlossen wird diese Übersicht aber nie werden können; zu viele Akten und Hinweise wurden nach dem Krieg vernichtet“, so die Schulbehörde.

Die erfassten Menschen seien auf unterschiedlichste Weise zu „Dabeigewesenen“ geworden. „Als Karrieristen, Profiteure, Befehlsempfänger, Denunzianten, Mitläufer und Täter stützten sie das System“, scheibt die Behörde. „Auch Menschen, die nach durchlittener Gestapo-Folter zum Spitzel wurden, zählen zu diesem Personenkreis.“

"Normen des NS-Staates übernommen"

Die Lebensgeschichten der NS-Anhänger zeigten deutlich, welchen „Enthusiasmus“ viele Deutsche für den Nationalsozialismus hegten, wie sie dessen Wirtschafts- und Sozialpolitik, seine Architektur oder die NS-Weltanschauung bejubelten. „Menschen stützten das NS-System, indem sie bereitwillig moralische und soziale Normen des NS-Staates übernahmen; ohne darüber nachzudenken oder die Gegebenheiten zu hinterfragen“, so die Behörde. „Mit Schaffung der ‚Ausgrenzungsgesellschaft’ war es für die ‚Mehrheitsgesellschaft’ möglich, zum Beispiel die NS-Rassentheorien praktisch umzusetzen.“

Die App kann in den jeweiligen App-Stores von iOS und Android gratis heruntergeladen werden. In der Datenbank lässt sich aber auch direkt im Netz recherchieren - unter www.hamburg.de/ns-dabeigewesene.

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