Festnahme

Vom Vorzeige-Praktikanten zum Kinderschänder

Missbrauchsfälle in Kitas gibt es immer wieder (Symbolfoto)

Missbrauchsfälle in Kitas gibt es immer wieder (Symbolfoto)

Foto: picture alliance / ZB

19-Jähriger nach sexuellem Missbrauch in Harburger Kita festgenommen. Zuvor zeigte er keine pädophile Neigung.

Hamburg.  Max B.* (19, Name geändert) lächelt brav auf seinem Profilfoto. Bei Facebook hat er viele gleichaltrige Freunde, ihm gefallen Wissenschaftsseiten, seit einiger Zeit macht er eine schulische Ausbildung zu einem Erzieher, zuletzt ein Praktikum. Am vergangenen Mittwoch wird Max B. in seinem Zuhause in Neu Wulmstorf (Kreis Harburg) von Polizisten abgeführt – er soll zwei vier und sechs Jahre alte Mädchen in der Kita Rehrstieg in Hausbruch sexuell missbraucht haben. Ein Kapitalverbrechen. Dem 19-Jährigen droht eine Verurteilung nach Jugendstrafrecht.

Bei der Durchsuchung seiner Wohnung stellten die Beamten Beweismittel sicher – offenbar wurden aber keine eindeutigen Indizien wie kinderpornografische Videos gefunden. Nach anfänglichem Leugnen räumte Max B. gegenüber der Polizei aber die Taten ein. Er sei „neugierig“ gewesen.

Im polizeilichen Führungszeugnis gab es keine Einträge

Zuvor habe es keine Hinweise auf eine pädophile Neigung des Praktikanten gegeben, heißt es vom Betreiber der Kita, dem städtischen Träger „Elbkinder“. Wie bei allen möglichen Praktikanten, die von den ausbildenden Schulen an die Kitas vermittelt werden, ließ sich der Betreiber auch bei Max B. das erweiterte polizeiliche Führungszeugnis vorlegen. Darin gab es keine Einträge.

Der 19-Jährige gehörte als Praktikant offenbar bereits fest zur Gruppe der Betreuer. „In welchem Umfang die Praktikanten eingesetzt werden, hängt von vielen Faktoren ab“, teilte die Leitung des Trägers auf Anfrage mit. „Es gibt keine Regelung, die das im Detail beschreiben könnte, denn eine Kita würde nicht funktionieren, wenn es nicht möglich wäre, Praktikanten (und damit künftige Erzieher) nach einer Einarbeitungszeit auch im Dienst einzusetzen“.

Auch Praktikanten dürfen mit Kinder allein sein

Im Falle von Max B. hieß das wie bei anderen Praktikanten, dass man ihnen auch zutraute, allein mit einzelnen Kindern in den Umkleideraum zu gehen. Diese Gelegenheit nutzte Max B. am 23. Mai gegen 11 Uhr offenbar aus. Bereits zuvor soll er sich nach der Aussage eines Mädchens an ihm vergangen haben.

Sexuelle Übergriffe durch Erzieher wie in dem Fall in Hausbruch ereignen sich in der Hansestadt immer wieder (siehe Kasten unten). Unter den Trägern ist es Usus, verdächtigte Betreuer sofort zu suspendieren. Eine spezielle Persönlichkeitsüberprüfung der Bewerber auf pädophile Neigungen gibt es in der Regel nicht. „Wir gehen von einem angemessenen und professionellen Umgang aus“, so die „Elbkinder“-Leitung.

Spezialisten betreuen Kinder und Eltern in Hausbruch

Die Elternschaft der Kita Rehrstieg wurde direkt nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Max B. informiert. Es soll in der kommenden Woche einen außerplanmäßigen Elternabend geben, zusätzlich wurde eine spezialisierte Beratungsstelle eingeschaltet. Die Taten eines einzelnen Praktikanten dürften das Vertrauen nicht erschüttern, so der Träger: „Die Reaktion der Eltern der Kita stimmt uns hoffnungsvoll.“