Beschneidungen

Auch in Hamburg werden kleine Mädchen gequält

Ein kleines Mädchen aus dem Senegal versteckt sich unter der Tracht ihrer Mutter während einer Veranstaltung gegen die Genitalverstümmelung (Archivaufnahme). Auch in Hamburg werden kleinen Mädchen die Geschlechtsorgane entfernt oder beschädigt

Ein kleines Mädchen aus dem Senegal versteckt sich unter der Tracht ihrer Mutter während einer Veranstaltung gegen die Genitalverstümmelung (Archivaufnahme). Auch in Hamburg werden kleinen Mädchen die Geschlechtsorgane entfernt oder beschädigt

Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Senat dokumentiert Fälle von Genitalverstümmelung in Wandsbek. Linkspartei fordert mehr Aufklärung und Prävention.

Hamburg.  Auch in Hamburg sind Fälle von Genitalverstümmelung bei Mädchen festgestellt bzw. durch intensive Beratung der Eltern erst im letzten Moment verhindert worden. Das ergibt sich aus der Antwort des Senats auf eine Kleine Anfrage der Linkspartei.

Demnach wurde im Bezirk Wandsbek im vergangenen Jahr bei einem acht Jahre alten Mädchen eine bereits im Sudan vorgenommene Genitalverstümmelung diagnostiziert. Im Bezirk Altona gab es drei Fälle „von drohender Genitalverstümmelung an Säuglingen von unter einem Jahr“, in denen die Sorgeberechtigten „durch intensive Beratung des Jugendamts dazu gebracht werden konnten, die Eingriffe nicht durchzuführen“. Im UKE wurden vier Fälle von Verstümmelung dokumentiert. Allgemein wird zudem von einer hohen Dunkelziffer nicht festgestellter Fälle ausgegangen.

Als Genitalbeschneidung bzw. -verstümmelung wird die teilweise oder auch vollständige Entfernung beziehungsweise Beschädigung der äußeren weiblichen Geschlechtsorgane bezeichnet. Diese wird oft mit einer Tradition begründet und ist nach Studien vor allem in Afrika und in einigen arabischen Staaten verbreitet.

Bis zu 30.000 Frauen sind betroffen

Laut Linksfraktion geht aus Untersuchungen hervor, dass in Deutschland bis zu 30.000 Betroffene leben. Deswegen fordert die Linke auch in Hamburg ein Präventionsprogramm gegen die Genitalverstümmelung. Dazu hat die Fraktion jetzt einen Bürgerschaftsantrag eingereicht. Dieser besteht aus zwei Teilen.

Im ersten Teil wird festgestellt, dass die Genitalverstümmelung „eine Menschenrechtsverletzung mit massiven psychischen und physischen Auswirkungen für die Betroffenen“ ist und dagegen mit Strafen aber vor allem auch durch Aufklärung vorgegangen werden müsse.

Runder Tisch gefordert

Im zweiten Teil wird der rot-grüne Senat aufgefordert, „seine Anstrengungen zur Verhinderung weiblicher Genitalverstümmelung zu erhöhen“ und zusammen mit Experten aus den betroffenen Gemeinschaften und dem „Runden Tisch gegen Genitalverstümmelung“ ein Präventionspogramm zu entwickeln. Bis Ende des Jahres soll der Senat demnach über das Konzept berichten.

,,Jede weibliche Genitalverstümmelung ist eine zu viel“, sagte Linken-Fraktionschefin Cansu Özdemir dem Abendblatt. Zur Vorbeugung solle der Senat intensiver mit Einwanderer-Gemeinschaf-ten kooperieren. „Die Communities leisten wichtige Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit. Diese Arbeit muss vom Senat gewürdigt und gestärkt werden.“ Der Antrag steht am 31. Mai auf der Tagesordnung der Bürgerschaft.