Hamburg

Roboter bringt jetzt auch Burger und Pommes ins Haus

Premiere in Hamburg: Henry Baden vom Restaurant The Burger Lab belädt den Starship-Lieferroboter 6D88

Premiere in Hamburg: Henry Baden vom Restaurant The Burger Lab belädt den Starship-Lieferroboter 6D88

Foto: Klaus Bodig / Klaus Bodig / HA

Erstmals wird warmes Essen in Deutschland autonom ausgeliefert. Foodora und Domino's starten Testbetrieb in Altona.

Hamburg.  Kurz vor 15 Uhr fährt Roboter 6D88 vor. Henry Baden, Mitarbeiter des Restaurants The Burger Lab, tritt vor die Tür, klappt die Ladeklappe auf und stellt eine Papiertüte mit Burger und Pommes in die Warmhaltebox im Innenraum, dazu noch eine Flasche Wasser. Die Bestellung war eine halbe Stunde zuvor über den Online-Lieferdienst Foodora in der Burger­braterei in Altona eingegangen. 6D88 dreht noch eine elegante Runde, dann startet die erste Essensauslieferung per Roboter in Deutschland.

Ein Blick in die Zukunft? Foodora ist nach dem Paketdienst Hermes der zweite Partner, mit dem Roboterhersteller Starship Technologies die autonome Auslieferung in Deutschland testet. „Hamburg steht für uns als Teststandort im Fokus“, sagt Helen Kaarlep, die von London aus den Aufbau des Europa-Geschäfts steuert.

Zunächst drei Liefergebiete

Und das Unternehmen will den Betrieb in der Elbmetropole weiter ausbauen. Pilotprogamme mit weiteren Partnern sind geplant. So testet der Pizzaservice Domino's den Roboter seit Mittwoch im Stadtteil Ottensen. Nach Informationen des Abendblatts hat der zuständige Landesbetrieb Verkehr Starship Mitte April eine Ausnahmegenehmigung bis Ende Dezember 2017 erteilt. Diese gilt für drei Liefergebiete und deckt weite Teile der Stadt ab. Einzige Bedingung: Die GPS-gesteuerten Roboter müssen von einem Menschen begleitet werden.

Bislang sind die Fahrradkuriere mit den würfelförmigen Rucksäcken in knalligem Pink das Erkennungszeichen von Foodora. Wenn Lieferroboter 6D88 für den Lieferservice mit maximal sechs Kilometern in der Stunde durch die Stadt rollt, ist davon nur noch ein kleines pinkfarbenes Fähnchen über. „Es ist für uns eine Möglichkeit auszuprobieren, wie wir auf große Bestellmengen reagieren können, gerade bei schlechtem Wetter“, sagt Foodora-Sprecher Vincent Pfeifer.

Ziel sei es aber nicht, die Fahrradkuriere zu ersetzen. Derzeit sind nach seinen Angaben in Deutschland 2500 sogenannte Rider unterwegs, die für einen Stundenlohn zwischen 9 und 11 Euro Essen ausliefern.

Ob Pizza, Sushi oder gleich ein ganzes Menü – wenn der Magen knurrt, wird das Lieblingsessen immer häufiger per Mausklick geordert. Bereits etwa 22 Millionen Menschen bestellen in Deutschland laut Verbrauchs- und Medienanalyse VuMA jeden Monat einmal oder mehrmals Essen bei einem Lieferservice. Die Gründe sind vor allem Bequemlichkeit und Zeitmangel. Nur 25 Prozent der Deutschen nutzen demnach gar keine Lieferdienste.

Auf der Suche nach neuen Ideen

Der Markt ist hart umkämpft. Neben Onlineportalen wie Lieferando.de., Pizza.de oder Lieferheld.de, die Bestellungen über das Internet an Restaurants vermitteln, gibt es inzwischen Anbieter wie Foodora und den Konkurrenten Deliveroo, die auch die gesamte Logistik drumherum übernehmen: von der digitalen Speisekarte über den Auftragseingang bis zur Auslieferung.

Dafür berechnen sie eine Provision, die Berichten zufolge bis zu 30 Prozent betragen kann. Selbst die Fast-Food-Kette Mc Donald’s lässt inzwischen Burger & Co. von Foodora nach Hause bringen. Bis Ende des Jahres soll der Service in 20 Städten angeboten werden.

Das Geschäft scheint aufzugehen. Foodora, eine Tochter des nach eigenen Angaben weltweit führenden Online-Marktplatzes für Essenslieferungen Delivery Hero, zu dem auch Pizza.de und Lieferheld.de gehören, wächst. Die Gruppe mit Sitz in Berlin ist in 40 Ländern aktiv und hat einen Börsengang angekündigt.

Im Geschäftsjahr 2016 setzte Delivery Hero knapp 300 Millionen Euro um. „Wir sind immer auf der Suche nach innovativen Wegen, um die Bedürfnisse unserer Kunden zu erfüllen“, sagt Delivery-Hero-Chef Niklas Östberg zu der Kooperation mit Star­ship. In den kommenden Wochen soll das Pilotprojekt in weiteren europä­ischen Städten anlaufen.

Pizza vom elektronischem Boten

Auch der Paketdienst Hermes, der zum Otto-Konzern gehört, will die Zustellroboter weiter einsetzen. Das Modell 6D9, Vorgänger des technisch verbesserten aktuellen Typs, war in einer sechsmonatigen Projektphase in Hamburg unterwegs. Dabei absolvierten die Roboter in den Stadtteilen Ottensen und Grindel bis Ende März rund 600 Fahrten und legten über 3500 Kilometer zurück. Weitere Anwendungsfälle werden laut Projektmanager Roger Hillen-Pasedag geprüft. Aktuell testet Hermes die autonome Zustellung in London.

Auch der Lieferdienst Domino’s will seine Pizzen künftig mit elektronischen Boten bringen lassen. Ende März hatte das Unternehmen, das 2015 den deutschen Marktführer Joey’s Pizza übernommen hatte und in Hamburg etwa 20 Filialen betreibt, vom Mai an eine Pilotphase in der Hansestadt angekündigt. Ein Probelauf in Amsterdam sei positiv verlaufen, erklärte eine Sprecherin, ohne weitere Details zu nennen.

Foodora startet Ende der Woche in die Testphase. Der Einsatz der Zustellroboter ist zunächst allerdings nur in Kooperation mit dem Restaurant The Burger Lab in einem Ein-Kilometer-Radius vorgesehen und auf zwei Wochen begrenzt. „Die Gäste werden vorher gefragt, ob sie einverstanden sind“, verspricht Inhaber Benjamin Pfeifer.

Reibungslose Auslieferung

Die erste Auslieferung verläuft reibungslos. Etwa eine Viertelstunde nach dem Start ist Roboter 6D88 mit Burger und Pommes an seinem Ziel angekommen. Bestellerin Teelke Meyer wartet schon an der Tür, nachdem sie vorher per SMS informiert worden war. Mit einem Code öffnet die 29-Jährige die Ladeklappe. Der Burger ist noch warm.