Eimsbüttel

Hundestreit: Bürger begehren gegen Bürgerentscheid auf

Auf dieser Wiese im Park an der Bogenstraße dürfen Kai Kaufmann und Julia Bischof ihre Hunde Bo,  Nemo und Zorro nicht mehr frei laufen lassen

Auf dieser Wiese im Park an der Bogenstraße dürfen Kai Kaufmann und Julia Bischof ihre Hunde Bo, Nemo und Zorro nicht mehr frei laufen lassen

Foto: Marcelo Hernandez

Hundehalter in Eimsbüttel wollen die Auslauffläche am Isebekkanal zurück. Warum der Kompromissvorschlag der Politiker keiner ist.

Eimsbüttel.  Auf Eimsbüttel kommt ein Bürgerbegehren zu: Schon am Wochenende wollen Hundehalter beginnen, die dafür erforderlichen 6000 Unterschriften zu sammeln. Sie setzen sich für den Erhalt der Auslaufzone für ihre Tiere ein. Den Vorschlag der Bezirkspolitiker, an anderer Stelle Alternativflächen für freilaufende Hunde einzurichten, lehnen die Hundehalter ab.

Der Kerngebietsausschuss Eimsbüttel hatte seinen Vorschlag als Kompromiss am Montagabend beschlossen. Dieser sieht vor, am Weidenstieg und an der Bogenstraße jeweils eine Fläche auszuweisen, auf der nach dem Hamburgischen Hundegesetz von der Anleinpflicht befreite Hunde frei laufen dürfen. Eine dort ursprünglich geplante Langgraswiese wird dafür im Mansteinpark (offiziell: Parkanlage Bogenstraße) angelegt – also dort, wo Hunde bis Anfang des Jahres noch auf der gesamten Fläche frei laufen durften. Bereits seit Jahresbeginn gilt die Ausnahmeregelung schon nicht mehr und Hunde dürfen nur auf den Wegen ohne Leine laufen, nicht aber auf Wiesen, in Gebüschen und am Ufer.

Hundehalter fühlen sich von der Politik nicht ernst genommen

„Wir sehen uns an den Bürgerentscheid zur naturnahen Gestaltung des Isebek-Parks gebunden, wollen aber auch eine faire Lösung für alle Bürger. Deshalb haben wir uns für eine Kompromisslösung entschieden, auf denen geprüfte Hunde künftig wieder frei laufen dürfen“, sagt Anne Schum, Sprecherin der SPD-Fraktion im Kerngebietsausschuss. Dieser Beschluss soll am 27. April umgesetzt werden.

Die Hundehalter dagegen fühlen sich von der Politik nicht ernst genommen. In den öffentlichen Bürgerfragestunden zu Beginn der Ausschusssitzung habe man lediglich Fragen stellen dürfen, zu Diskussionen sei es nie gekommen. Als Kompromiss sehen sie diesen Beschluss daher nicht. Heike Krüger von der Kaifudogs-Initiative: „Eine Kommunikation mit uns hat die Politik verweigert. Wir sind eine große Interessensgruppe, aber haben niemanden in der Bezirkspolitik, der uns vertritt.“ An ein Bürgerbegehren führe nun kein Weg vorbei.

Im Bürgerentscheid wurde eine naturnahe Umgestaltung gefordert

Es ist damit ein Bürgerbegehren gegen einen Bürgerentscheid. Hintergrund: Die Anleinpflicht hatte der Runde Tisch „Isebek-Grünzug“ beschlossen. Dieses Gremium war 2013 eingerichtet worden, um den erfolgreichen Bürgerentscheid gegen die Umgestaltung des Kaifu-Ufers, umzusetzen.

Die Hundehalter kritisieren, dass damals niemand ahnen konnte, dass es bei einer Umgestaltung auch um eine Anleinpflicht für Hunde gehen würde. „Der damalige Bezirksamtsleiter Sevecke hatte gegenüber einer Hundehalterin klar gemacht, dass sich für Hunde nichts ändern wird“, so die Initiative.

Im erfolgreichen Bürgerentscheid wurde eine naturnahe Umgestaltung der Grünflächen gefordert. Naturnah bedeutet unter anderem, dass das Ufergehölz geschützt werden soll und Langgraswiesen gepflanzt werden. Außerdem sollen Rad- und Fußwege entlang des Kanals saniert werden. Spielflächen und Liegewiesen, so die Bezirkspolitiker, blieben bestehen, werden aber in Zukunft durch Hecken vom Radweg getrennt. Anne Schum: „Es war ein langer Weg vom Bürgerentscheid bis zu den endgültigen Planungen für den Grünzug. Mit diesen letzten Korrekturen steht nun aber ein Konzept, welches die Bedürfnisse aller Nutzer berücksichtigt.“

Das sehen die Hundehalter anders. Sie fordern in ihrem Bürgerbegehren unter anderem, dass die bisherigen Freilaufflächen für Hunde bestehen bleiben und dass keine Langgraswiesen gepflanzt werden und die Rasenflächen weiterhin allen zur Freizeitgestaltung zur Verfügung steht. Denn: Die Langgraswiesen, die vor allem Insekten und Bienen Nahrung und Lebensraum bieten sollen, sollen gar nicht betreten werden. „Das soll möglichst vermieden werden“, sagt Hartmut Schulz, Leiter der Abteilung Stadtgrün im Bezirksamt Eimsbüttel. Offizielle Verbote oder Kontrollen werden es aber nicht geben.