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Langzeitarbeitslose in Hamburg werden Berufskraftfahrer

Michal Bitner ist jetzt bei Otto Dörner
Berufskraftfahrer

Michal Bitner ist jetzt bei Otto Dörner Berufskraftfahrer

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Großer Personalengpass in der Branche. Jobcenter macht Schnell-Ausbildungen mit Hamburger Unternehmen.

Hamburg.  Michal Bitner hat gerade seinen Arbeitsvertrag bekommen. Er ist einer von zehn Langzeitarbeitslosen, die in den vergangenen fünf Monaten bei der SVG Fahrschule eine Ausbildung zum Berufskraftfahrer absolviert haben. „Es war nicht einfach, aber wenn man es will, schafft man das auch“, sagt Bitner, der nach zwei Jahren wieder froh ist, einen Arbeitsplatz zu haben.

Gefördert wird die Ausbildung vom Jobcenter Hamburg. In die Ausbildung müssen rund 12.000 Euro pro Teilnehmer investiert werden. „Gemeinsam mit Unternehmen erstellen wir passgenaue Qualifizierungsmaßnahmen, an deren Ende eine konkrete Einstellungszusage steht“, sagt Dirk Heyden, Geschäftsführer des Jobcenters Hamburg.

„Besonders motivierte Mitarbeiter“

In diesem Fall stehen die Arbeitsplätze beim Hamburger Entsorgungs- und Recyclingunternehmen Otto Dörner zur Verfügung. „Wir suchen laufend motivierte Fahrer“, sagt Oliver Dörner, Geschäftsführender Gesellschafter des Familienunternehmens. Das Einstiegsgehalt liegt bei rund 2500 Euro. „Wir geben auch Kandidaten mit ungewöhnlichem Lebenslauf und Langzeitarbeitslosen eine Chance und gewinnen so häufig besonders motivierte Mitarbeiter.“

Bitner musste sein selbstständiges Gewerk als Bodenleger aufgeben und war danach zwei Jahre arbeitslos. „Jetzt freue ich mich, auf meine Arbeit als Berufskraftfahrer“, sagt der 35-Jährige. Sein Kollege Sascha Karwacki hat durch seine bisherige Arbeit bei DHL schon Erfahrung in der Logistikbranche. Doch dort hatte er nur einen befristeten Arbeitsvertrag, der nicht verlängert wurde. Auch er ist inzwischen bei Otto Dörner als Berufskraftfahrer angestellt.

Häufig fehlt es an der Qualifizierung

Bei der Arbeitsagentur sind allein rund 280 freie Stellen für Kraftfahrer im Güterverkehr gemeldet. Doch bei den Arbeitslosen fehlt es häufig an der entsprechenden Qualifizierung. Von den insgesamt 22.000 Langzeitarbeitslosen in Hamburg, die also schon länger als ein Jahr auf Jobsuche sind, haben mehr als die Hälfte keinen Berufsabschluss.

„Wir haben keine Obergrenze bei solchen Qualifizierungsmaßnahmen, bei denen am Ende ein Arbeitsvertrag steht“, sagt Heyden. So wie mit Otto Dörner könne man sich Kooperationen auch mit anderen Unternehmen vorstellen. Von den ursprünglich zwölf Teilnehmern haben zwei die Qualifizierung nicht durchgehalten. In den vergangenen drei Jahren wurden 120 Arbeitslose zum Kraftfahrer qualifiziert.

Ausbildung ist anspruchsvoll

Die Ausbildung ist anspruchsvoll. „Neben der Führerscheinklasse C/CE werden auch eine Reihe Zertifikate für Ladungssicherung oder Gefahrgut erworben“, sagt Peter Michaelis von SVG Fahrschule. Bis 2032 geht jeder dritte Hamburger Fahrer in Rente.