Markenstreit

Jägermeister will Hamburger Firma den Hirsch verbieten

André Wilkens hat mit seiner Marke „Wildhüters“ Ärger mit Jägermeister, weil
er selbst Spirituosen vertreibt und auch einen Hirsch im Logo hat

André Wilkens hat mit seiner Marke „Wildhüters“ Ärger mit Jägermeister, weil er selbst Spirituosen vertreibt und auch einen Hirsch im Logo hat

Foto: Michael Rauhe / HA

Das Hamburger Start-up Wildhüters streitet mit der bekannten Spirituosenfirma um sein Markenzeichen.

Hamburg.  Als André Wilkens vor einem Jahr seinen sicheren Job im Vertrieb eines bekannten Süßwaren­herstellers aufgab, um sich mit dem Onlineverkauf­ von Geschenkekisten unter anderem mit Wildspezialitäten und Spirituosen seinen Traum von der Selbstständigkeit zu erfüllen, wusste er noch eines nicht: dass der Spirituosenhersteller Jägermeister eine zu große Ähnlichkeit mit dem eigenen Logo sieht und juristisch gegen Wilkens Unternehmen Wildhüters vorgeht.

Mehrere Klagen

Es ist der klassische Kampf Klein gegen Groß, David gegen Goliath, und wie lange André Wilkens diesen finanziell noch durchhält, weiß er nicht. Denn Jägermeister komme mit immer neuen Einwänden, sagt er. Zuerst monierte der Spirituosenhersteller aus dem niedersächsischen Wolfenbüttel, dass Wilkens seine Marke „Wildhüters“, die im Logo neben anderen Wildmotiven wie Reh, Wildschwein oder Hasen, einen stilisierten Hirschkopf zeigt, auch für alkoholische Getränke angemeldet hat. Das Weltunternehmen fürchtet unter anderem Verwechslungsgefahr. „Wildhüters“ sei „Jägermeister“ zu ähnlich, und der Hirschkopf, den Herr Wilkens nutzt, ähnele dem Hirschkopf von Jägermeister ebenfalls zu sehr.

Wilkens macht in seinem Betrieb alles selbst

Es gefiel Jägermeister auch nicht, dass Wilkens auf der Kiste, in denen er Rotwildsalami mit dem Kräuterlikör „Hirschrudel“ verschickt, ein Piktogramm mit Hirsch samt Geweih zeigt.

„Ich würde auf das Piktogramm verzichten“, sagt Wilkens, „aber sie wollen auch noch, dass ich meine Marke gar nicht mehr auf den Verpackungen benutze, wenn darin neben dem Wildfleisch auch ein Kräuterlikör ist.“ Doch das sei Teil seines Geschäfts.

Er vertreibt seine Produkte allein, macht alles selbst: vom Einkauf, über das Einpacken bis zum Versand. Er wickelt die Rotwildsalami eigenhändig in Speckpapier, legt das dazugehörige Messer in eine Zigarrenkiste und verschickt es. Die Wildspezialitäten stammen aus Mecklenburg-Vorpommern und dem Harz. Von Mai an, wenn die Saison beginnt, bietet Wilkens auch frisches Wildfleisch an. Er hat vor sieben Jahren den Jagdschein gemacht und „hatte schon immer Lust auf Wildbret“, sagt er. „Ich bin ja noch am Anfang, aber die Resonanz ist sehr gut. Die Leute mögen das Hochwertige“, sagt der Eimsbütteler.

„Markenrecht kennt keinen Motivschutz“

Juristisch, sagt Wilkens Anwältin Dr. Birte Lorenzen, sei das Vorgehen von Jägermeister fragwürdig. „Markenrecht kennt keinen Motivschutz.“ Jägermeister könne Dritten nicht jede Verwendung von Hirschmotiven oder Berufsbezeichnungen im Zusammenhang mit der Jagd verbieten. Erst wenn eine solche Ähnlichkeit bestehe, dass die Zeichen verwechselt werden könnten, bestünden Ansprüche, so die Anwältin.

In Wolfenbüttel gibt man sich zahm. Jägermeister-Sprecher Andreas Lehmann: „Der Name Wildhüters steht nicht zur Diskussion. Die Benutzung des Hirschkopfes als Logo auch nicht, aber eben in Verbindung mit Spirituosen.“ Man verständige sich außer­gerichtlich, wann das Logo genutzt werden kann und wann nicht. „Wir wollen niemandem schaden, aber unser Ziel ist es, unsere Marke zu schützen.“