Theater

Mörderischer Spaß auf Platt im Ohnsorg-Theater

Manfred Bettinger, Uta Stammer und Edda Loges  in Arsen und Spitzenhäubchen im Ohnsorg Theater

Manfred Bettinger, Uta Stammer und Edda Loges in Arsen und Spitzenhäubchen im Ohnsorg Theater

Foto: Jutta Schwoebel / Jutta Schwöbel

Ziemlich lustig: Frank Thannhäuser inszeniert den beliebten Krimi-Klassiker „Arsenik un ole Spitzen“ im Ohnsorg-Theater.

Hamburg.  In der ehrwürdigen Altonaer Bauernstube der beiden altjüngferlichen Tanten Martha und Abelke geht es nur auf den ersten Blick kommodig zu. Die liebenswürdigen Damen haben gleich mehrere Leichen im Keller. Als ihr Neffe, Theaterkritiker Martin, dahinterkommt, ist der Schock gewaltig.

Mit einem Leichenfund in der Fenstertruhe konfrontiert, zeigen die Damen keinerlei Unrechtsbewusstsein. Vielmehr haben sie gleich ein Dutzend unglücklicher, alleinstehender Herren auf Zimmersuche in ihr Haus gelockt und mit einem vergifteten Fliederbeerwein von den Leiden ihres einsamen Lebens erlöst. „Arsen und Spitzenhäubchen“ von Joseph Kesselring ist spätestens seit der berühmten Frank-Capra-Verfilmung 1944 ein Klassiker der Kriminalkomödie.

Plattdeutsche Fassung von Konrad Hansen

Unter dem Titel „Arsenik un ole Spitzen“ hat nun Frank Thannhäuser, Intendant der Kiez-Krimibühne Imperial Theater und somit Schauerexperte, den Stoff in einer plattdeutschen Fassung von Konrad Hansen für die Bühne des Ohnsorg-Theaters inszeniert. Ka­trin Reimers’ raumgreifendes Landhaus erinnert an die historisierenden Edgar-Wallace-Bauten des Imperial Theaters. Das Gemäuer ist innen mit viel Liebe zum norddeutschen Dekor ausgestattet, inklusive Spitzendeckchen und Teekannensammlung.

Kritiker Martin, bei Erkki Hopf ein etwas blässlicher Neffe, fürchtet, dass die ganze Familie Brauer – inklusive er selbst – einen Schatten hat. Sein Bruder Wilhelm, furios gespielt von Wolfgang Sommer, hält sich für Kaiser Wilhelm I. und geistert in Uniform samt stilechtem Backenbart ins Horn blasend und die Nachbarn verärgernd durchs Haus. Die giftmischenden Tanten lassen ihn im Keller Gräber ausheben im Glauben, den „Kaiser-Wilhelm-Kanal“ zu bauen.

Martins Versuche, den Bruder in eine Heilanstalt einzuweisen, nehmen Gestalt an, da steht der lang verschollene Bruder Jonas vor der Tür. Der hat inzwischen eine weltweite Karriere als Serienmörder hingelegt. Sein Begleiter Dr. Hermann Einstein, Robert Eder als saufender medizinischer Hochstapler, hat ihm daher unlängst eine (un)ansehnliche Frankenstein-Visage verpasst. Till Huster stattet Jonas mit eher eindimensionalen Attributen des Fürchtens aus.

Uta Stammer als galante Martha begeistert

Unklar bleibt, warum Thannhäuser, der auch für die Kostüme verantwortlich zeichnet, ihn auf derart klobigen Plateauschuhen herumlaufen lässt. Jonas ist nicht der nette Psychopath von nebenan, sondern ein echter Kotz­brocken. Von Bruderliebe keine Spur. Als Tanten mit einem ganz besonderen Helfersyndrom und einer Sucht nach Trauerzeremonien begeistern Uta Stammer als galante Martha und Edda Loges als etwas sprödere Abelke.

Das Stück lief natürlich auch schon am Imperial Theater, Frank Thannhäuser übernahm seinerzeit die Ausstattung. Am Ohnsorg-Theater lässt er die Geschichte mit ihren sicheren, häufig bittersüßen Gags abschnurren. Mehrere durch die Gegend getragene Leichen sorgen für Stimmung in der ehrwürdigen Bude. Die immer wieder wegen Bagatellen aufkreuzenden Polizisten erweisen sich als bestürzend dämlich.

Martin Brauer muss sich, mittlerweile von Jonas geknebelt und ernsthaft bedroht, ein ganzes Theaterstück von Möchtegerndramatiker Polizist Klein (Dieter Schmitt) anhören. Und immer wieder muss er außerdem seine hartnäckige Verlobte Ellen (Birthe Gerken) abwimmeln. Wie durch ein Wunder will sich bis zum Schluss niemand von der Existenz der Kellergräber überzeugen.

Nach feurigem Start geht der Inszenierung zum Ende ein wenig die Luft aus. Dabei reihen sich hier die Pointen aneinander. Bis die beiden reizenden Damen, bevor sie mit Neffe Wilhelm in eine Heilanstalt umziehen, in dem Heimleiter womöglich noch ein letztes Opfer finden.

„Arsenik un ole Spitzen“ bis 27.5., Ohnsorg-Theater, Heidi-Kabel-Platz 1, Karten 13,- bis 60,- unter T. 35 08 03 51; www.ohnsorg.de