Hamburg

Frau mit heißem Öl übergossen – lange Haftstrafe für Ehemann

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Bettina Mittelacher

Der Fall musste neu verhandelt werden. Doch die Richter wollten auch diesmal keine mildernde Umstände erkennen.

Hamburg.  Er verfolgte eifersüchtig jeden Schritt seiner Frau. Er überwachte sie bei der Arbeit, schimpfte misstrauisch über jeden Mann, der auch nur zufällig mit ihr im Bus fuhr. Und als sie, für ihr Aussehen vorteilhaft, einige Kilo an Gewicht abnahm, glaubte er sofort, ein Nebenbuhler könnte dahinterstecken. Das war mehr, als Mohamad B. ertragen wollte. Der 50-Jährige erhitzte drei Liter Öl und übergoss damit seine ahnungslos in der Dusche stehende Frau. Er habe sie damit für andere Männer unattraktiv machen wollen, begründete er vor dem Schwurgericht seine Tat. Jetzt wurde der Angeklagte für sein Verbrechen vom 8. September 2015 zu neuneinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

Das Gericht wertete die Tat als versuchten heimtückischen Mord, begangen aus niedrigen Beweggründen. Sein Motiv, die Ehefrau entstellen und damit „gewaltsam seine Besitzansprüche durchsetzen und sie disziplinieren zu wollen“, so der Kammervorsitzende im Urteil, stehe auf „sittlich niedrigster Stufe“ und sei „verachtenswert“. Nach seiner Attacke mit dem siedend heißen Öl war Mohamad B. zur Polizei gegangen und hatte dort gesagt, er habe „Frau totgemacht“. Doch Homa B. überlebte knapp.

Tagelang schwebte die Frau in Lebensgefahr

44 Prozent ihrer Haut waren verbrannt, tagelang war die 49-Jährige in Lebensgefahr, litt lange unter quälenden Schmerzen. Auch heute noch sind die Leiden nicht vorbei, das Opfer empfindet Ängste und hat Schlafstörungen. Mittlerweile hat sich die Frau scheiden lassen. Fast die gesamte Zeit über, seit die Familie 1996 aus Afghanistan nach Hamburg geflüchtet war, hatte die Ehefrau als Küchenhilfe das Geld verdient; Mohamad B. hatte schon seit Jahren nicht mehr gearbeitet, hatte den Haushalt versorgt und ansonsten seine Zeit in Spielhallen verbracht – und mit der Überwachung seiner Frau.

Früher hatte er sie zudem misshandelt und mit dem Tode bedroht. Und nun also empfand er es als Kränkung, dass er sich nicht mehr wirklich als unantastbares Familienoberhaupt fühlte. Als er eines Tages auch Erektionsprobleme hatte, entschloss er sich zu dem brutalen Übergriff auf seine Frau. Schon einmal war der Fall vom Hamburger Landgericht verhandelt worden. Im April 2016 hatte eine andere Kammer zehn Jahre Haft verhängt. Das Urteil wurde jedoch vom Bundesgerichtshof teilweise aufgehoben und zur neuen Verhandlung an eine andere Kammer zurückverwiesen. Im neuen Prozess sollte darüber befunden werden, ob bei der Tat wirklich, wie im ersten Prozess festgestellt wurde, niedrige Beweggründe eine Rolle gespielt haben.

Auch im neuen Prozess wurden keine mildernde Umstände gefunden

Mit dem neuen Urteil erhält Mohamad B. gerade sechs Monate weniger Haft als zuvor – aber nicht, weil sich neue mildernde Umstände gefunden hätten, wie der Vorsitzende betonte, sondern weil der Angeklagte etliche Monate länger in Untersuchungshaft hat sitzen müssen. Er stehe mit seinem Leben „vor einem Scherbenhaufen“, hatte Mohamad B. in seinem letzten Wort gesagt. Dies sei wohl richtig, betonte der Vorsitzende Richter. Diesen Scherbenhaufen habe der Angeklagte jedoch in erster Linie selber zu verantworten. Vor allem sei es die Familie des Angeklagten, „die sehr zu leiden gehabt hat“.

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