Hamburg

Lufthansa Technik fordert Flugzeugbauer Airbus heraus

Oliver Rodrigues, Produktmanager bei Lufthansa Technik, präsentiert bei der
Messe in Hamburg die platzsparende Bordküchenlösung

Oliver Rodrigues, Produktmanager bei Lufthansa Technik, präsentiert bei der Messe in Hamburg die platzsparende Bordküchenlösung

Foto: Michael Rauhe / HA

Der Hamburger Flugzeugwartungskonzern Lufthansa Technik stattet nun auch die Kabinen neuer Flugzeuge aus.

Hamburg.  Wenn es gelingt, das Gewicht eines Passagierjets um 150 Kilogramm zu senken, verbraucht das Flugzeug pro Jahr rund 13 Tonnen weniger Treibstoff als zuvor. Eine Kabinenlösung, die genau das schafft, stellt Lufthansa Technik auf der Messe Aircraft Interiors Expo jetzt in Hamburg in einer Weltpremiere vor: Durch die Integration der hinteren Küche und einer behindertengerechten Doppel-Toilettenanlage in ein einziges Kabinenelement wird das Flugzeug spürbar leichter.

Doch nicht nur das: Weil die Kombi-Lösung, die in Kooperation mit dem Luftfahrtzulieferer Diehl entwickelt wurde, auch Platz spart, können die Airlines bei unverändertem Sitzabstand sechs zusätzliche Fluggastsitze einbauen. Damit steigt die Kapazität eines Airbus A320 von 180 auf 186 Passagiere.

Immer stärker am Markt

Die Innovation ist ein Beispiel dafür, dass Lufthansa Technik immer stärker in einen Markt eindringt, den bisher Airbus weitgehend für sich allein hatte: Während sich die Hamburger Lufthansa-Tochter bislang um die Innenausstattung von VIP-Jets und um die Modernisierung der Kabinen gebrauchter Passagiermaschinen kümmerte, waren die Innenräume von Serien-Linienjets die Domäne des Flugzeugbauers.

Doch die sogenannte „High Density Solution“ wird von Lufthansa Technik explizit auch für den Einbau in fabrikneue Jets angeboten. „Der Airline-Kunde lässt sich das Flugzeug dann vom Hersteller ohne Innenausstattung liefern, wir organisieren ihre Montage“, erklärt Oliver Rodrigues, Produktmarketingmanager bei Lufthansa Technik.

Airbus steigt in Kabinenerneuerung ein

Gleich bei Airbus einbauen lassen kann man sich das neue Kabinenelement aber nicht, denn der Flugzeugbauer hat selbst eine ähnliche Lösung im Angebot und hat jetzt einen Konkurrenten. Die von Lufthansa Technik vorgestellte Neuheit kommt im Markt offenbar gut an: „Wir führen viele gute Gespräche mit interessierten Fluggesellschaften und planen die erste Installation für Februar oder März 2018“, so Rodrigues.

Nach seinen Angaben kostet das Kombi-Kabinenelement rund eine Million Euro. Das erscheint auf den ersten Blick nicht gerade günstig. Aber durch die zusätzlichen Passagierplätze dürfte eine Airline – je nach Auslastung und Marktsegment – die Mehrkosten schon nach sechs bis 18 Monaten wieder hereingeholt haben, sagt Rodrigues.

Nicht die einzige Messeneuheit

„Unser neues Produkt ist ,Made in Hamburg‘. und darauf sind wir stolz“, fügt er an. Denn nicht nur Lufthansa Technik ist in der Hansestadt beheimatet. Auch die Betriebe des Nürnberger Diehl-Konzerns, die Bordküchen und -Toiletten herstellen, haben ihren Sitz in Hamburg.

Die platzsparende Kombination aus Küche und Waschräumen ist nicht die einzige Messeneuheit, die von den beiden Unternehmen gemeinsam entwickelt wurde. Auf dem Stand von Diehl ist das Produkt „Galley-Bar-Module“ zu sehen: Mit wenigen Handgriffen lässt sich eine Bordküchenzeile in einen Tresen für eine Bar oder den Duty-Free-Verkauf verwandeln. Das Bar-Modul gehört zu den Finalisten für den internationalen Innovationspreis „Crystal Cabin Award“, der alljährlich im Rahmen der Hamburger Messe in sieben Kategorien vergeben wird.

Gespräche mit mehreren potenziellen Kunden

Während Lufthansa Technik verstärkt um Aufträge für die Ausstattung der Kabinen von Neuflugzeugen wirbt, hat umgekehrt Airbus gerade eine neue Tochterfirma gegründet, die sich intensiv um den Markt für Kabinenerneuerungen älterer Jets kümmern soll. Im Programm hat sie ein Angebot, das ebenfalls mehr Platz an Bord für Passagiere schafft: „Ohne Einschränkung des Komforts gewinnen wir in einem A380 bis zu 78 zusätzliche Sitze“, sagte Ingo Wuggetzer, der bei Airbus für das Kabinenmarketing verantwortlich ist.

Damit lasse sich die Kapazität des doppelstöckigen Jets von aktuell durchschnittlich 497 auf 575 Fluggastplätze in vier Klassen steigern, so Wuggetzer. Dies erreiche man unter anderem durch den Einbau veränderter Treppen und den Verzicht auf Staufächer an den Seitenwänden. Airbus führe Gespräche mit mehreren potenziellen Kunden – sowohl für die Erstausstattung neuer Jets als auch für die Nachrüstung bereits ausgelieferter Maschinen.

Mehr als 20.000 Fachbesucher erwartet

Die am Dienstag eröffnete Aircraft Interiors Expo ist die Weltleitmesse für Flugzeugkabinenausstattung. An den drei Messetagen werden mehr als 20.000 Fachbesucher in Hamburg erwartet. In diesem Jahr ist die Veranstaltung, die bereits zum 16. Mal in der Hansestadt stattfindet, abermals um zehn Prozent gewachsen: Auf gut 25.000 Quadratmetern präsentieren knapp 600 Aussteller aus mehr als 30 Ländern ihre Produktneuheiten,

So zeigt Diehl eine neuartige Methode, durch ein Druckverfahren individuelle Farben und Muster auf die Kabinenwände aufzubringen, ohne dass diese zuvor mühsam ausgebaut werden müssen. Das US-Unternehmen GermFalcon präsentiert ein Reinigungsgerät für Kabinen, das mit ultraviolettem Licht, also ohne chemische Mittel, Bakterien und Viren von Sitzen und anderen Oberflächen entfernen soll – und ist damit auch für den Award nominiert.

Echtsteinboden mit integrierter Heizung

Nur Passagiere in den teureren Buchungsklassen dürften mit einer Innovation der erstmals mit einem eigenen Stand auf der Messe vertretenen österreichischen Firma F/List in Berührung kommen: Das Unternehmen zeigt in Hamburg den nach eigenen Angaben einzigen Echtsteinboden mit integrierter Heizung für die Flugzeugkabine.