Glosse

Ein Zusammenbruch in der Nacht

Sie kennen diese Tage, oder? Sie sind lang, anstrengend und am späten Arbeitsabend freut man sich so sehr aufs Bett. Es war natürlich genau an einem solchen Tag, als es passierte. Das Licht war aus, ich hatte mich schön eingekuschelt und war schon fast weg – als es krachte. Ein kurzer Schreck, schon lag ich eine Etage tiefer. Super, das Bett war unter mir zusammengebrochen. Wer baut so etwas? Warum kündigt sich das nicht an? Muss das gerade jetzt passieren. Wobei: Gibt es dafür wirklich einen passenden Moment? Aber vor allem: Warum ist die Bettseite von meinem Mann nicht betroffen? Kurzum, es hat mich erschüttert.

Ich beschließe noch in der Nacht, dass mein Mann Schuld hat und er etwas unternehmen muss. Außerdem will ich die Scheidung – also von dem untreuen Bett. Ich kann mit ihm so nicht weiter­leben, wenn es mich nachts einfach im Stich lässt. Es muss ein neues Bett her. Allerdings habe ich da noch nicht gewusst, was es heutzutage bedeutet, ein neues Bett zu kaufen. Eine Lebensentscheidung – wie die für den Mann.

Erste Internetrecherchen ergeben, dass es beispielsweise Vier-Lagen-Schlafsysteme gibt. Ich kannte bislang nur das eine System: hinlegen und Augen zu. Zudem hat die Federkernmatratze ausgedient. Heute heißen sie kurz Tonnentaschenfederkern-Matratze. Mir gefällt die Vorstellung überhaupt nicht, auf Tonnen zu schlummern. Aber zahlreiche Tests attestierten ihnen einen hohen Liegekomfort und eine optimale Stützung der Lenden. Latexmatratzen sind dagegen einfacher zu reinigen und geräuschfrei – wer hätte das gedacht?

Am schwierigsten gestaltet sich aber die Auswahl des Modells. Knapp drei Stunden dauert die Suche im Möbel­geschäft, hinzu kommt noch der Schlafmangel – das schlaucht. Eine Verkäuferin gibt der Sache die entscheidende Wendung. Sie empfiehlt uns die Abteilung Junges Wohnen. Na bitte: Auch wenn das Bett nachgibt, sind wir wenigstens jung geblieben.