Hamburg

Timo Kraus: Witwe bezweifelt Unfalltod

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Melanie Wassink

Wurde der HSV-Manager Opfer eines Verbrechens? „Er wäre nie ohne Jacke gegangen“

Hamburg.  75 Tage lang hatte jede Spur gefehlt. Am vergangenen Donnerstag dann die traurige Gewissheit: HSV-Manager Timo Kraus ist tot. Seine Leiche wurde nahe der „Cap San Diego“ aus der Elbe geborgen. Aber noch immer ist unklar: Wie starb der Familienvater? Und vor allem: warum?

Im Hamburger Magazin „Spiegel“ äußert sich nun seine Frau Corinna Kraus. Am 7. Januar, dem Tag seines Verschwindens, herrschte Eisglätte. Sie habe ihrem Mann die Fahrt aus Buchholz in der Nordheide nach Hamburg noch auszureden versucht. Der nahm schließlich die Bahn, um zur verspäteten Weihnachtsfeier mit seinen Mitarbeitern im Block Bräu an den St.-Pauli-Landungsbrücken zu kommen.

Gegen 23.30 Uhr brachen die Kollegen auf, auch Timo Kraus verlässt das Lokal. An den Taxi-Ständen findet er kein Fahrzeug, er hält ein Taxi an. Hier sehen ihn die Kollegen zum letzten Mal. Es heißt, sie hätten ihn in den Wagen gesetzt. Corinna Kraus hält derweil über die App „Find My iPhone“ Kontakt zum Handy ihres Mannes. Sie kann verfolgen, wie er sich vom Hafen entfernt. Dann stellt sie laut „Spiegel“ fest, dass er sich wieder zurückbewegt und der Akku des Smartphones fast leer ist. Die letzte Spur von Timo Kraus führte zum Hafenrand, eine Treppe hinauf. Sie verliert sich am Museumsschiff „Rickmer Rickmers“, dann ist das Handy stumm.

Noch am Vortag buchte Kraus einen Südafrika-Urlaub

Zeugen hatten ausgesagt, Timo Kraus sei stark alkoholisiert gewesen. Das wiederum könnte dazu geführt haben, dass der Taxifahrer den Fahrgast nicht weiter befördern wollte. Die Witwe des Merchandising-Chefs beim HSV bezweifelt diese Spekulation.

„Ich habe meinen Mann noch nie stockbetrunken erlebt. Dass er sich als Chef vor seinen Mitarbeitern volllaufen lässt, kann ich mir nicht vorstellen“, sagt Corinna Kraus dem Magazin. Auch einen Selbstmord schließt die Witwe aus: „Mein Mann hat das Leben geliebt“, sagt sie. Auch an Depressionen habe er nicht gelitten. Noch am Tag vor seinem Verschwinden habe er einen Südafrika-Urlaub für die Familie gebucht.

Rätselhaft bleibt auch, dass Timo Kraus an dem Abend zunächst eine beigefarbene Adidas-Jacke mit Fellkragen getragen hat, aber später an den Landungsbrücken ohne Jacke gesehen wurde. „Mein Mann wäre bei dieser Kälte niemals freiwillig ohne Jacke umhergelaufen“, wundert sich Corinna Kraus. „Dazu war er viel zu verfroren.“

Auch der wichtigste Zeuge, der Taxifahrer, hat bisher nichts zur Aufklärung beigetragen. Polizeikreise gehen davon aus, dass der offenbar aus Afrika stammende Fahrer keine Lizenz oder Aufenthaltserlaubnis hat und sich deshalb nicht bei der Polizei meldet.

Noch immer ist ungeklärt, ob es ein Verbrechen, ein Selbstmord oder ein Unfall war. Die Schilderungen von Corinna Kraus machen deutlich, dass sie an eine Straftat glaubt. Die Rechtsmediziner hoffen, in den kommenden Tagen die Todesursache klären zu können.

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