Bundesweite Studie

Wo man am längsten für eine Wohnung arbeiten muss

Eine große Wohnung in der  Gneisenaustraße im Generalsviertel zu ergattern, ist ein teurer Spaß (Symbolbild)

Eine große Wohnung in der Gneisenaustraße im Generalsviertel zu ergattern, ist ein teurer Spaß (Symbolbild)

Foto: HA / Klaus Bodig

Spitzenreiter ist der Landkreis Nordfriesland. Aber auch in Hamburg steigen die Wohnungspreise deutlich schneller als die Einkommen.

Hamburg. In den deutschen Metropolen, aber auch in manchen Landkreisen haben die Immobilienpreise in den vergangenen Jahren deutlich stärker zugelegt als die Einkommen. Zu diesem Ergebnis kommt jetzt eine Studie vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI). Analysiert wurden dabei im Auftrag der Postbank für den "Wohnatlas 2017" insgesamt 402 Landkreise und Städte, wobei die Forscher die Entwicklung der Kaufpreise in Relation zur regionalen Einkommensentwicklung verglichen haben.

Spitzenreiter ist der Landkreis Nordfriesland

Die Studie betrachtet also, wie viele durchschnittliche Jahresgehälter man vor Ort für eine 100-Quadratmeter-Wohnung ausgeben muss. Bei sonst üblichen absoluten Preisvergleichen von Immobilien wird hingegen meist nicht berücksichtigt, dass die Kaufkraft je nach Region auch sehr verschieden sein kann.

Das Ergebnis dieser Studie überrascht – aber nur auf erstem Blick. Spitzenreiter ist eben nicht eine der großen, reichen Städte, sondern der Landkreis Nordfriesland in Schleswig-Holstein. Dort muss man der Studie zufolge 23,3 durchschnittliche Jahreseinkommen für eine solche Wohnung auf den Tisch legen. Dahinter steckt allerdings eine Besonderheit: Zu dem Kreis gehört eben auch Sylt, wo exklusive Ferienwohnungen die Preise hochtreiben. Vor Ort selbst lassen sich solche Immobilienpreise wohl kaum verdienen.

Hamburg gehört zu den teueren Lagen

Auf Platz 2 in diesem Vergleich kommt dann erwartungsgemäß München, wo 21 durchschnittliche Jahreseinkommen für eine 100-Quadratmeter-Wohnung zu bezahlen sind. Es folgen das wohlhabende Freiburg im Breisgau und der Landkreis Miesbach am Tegernsee, der schon immer zu den teuersten Pflastern der Republik zählt. Dann kommt im Ranking der teuren Wohnlagen aber auch schon Hamburg, wo man knapp 16 Jahresgehälter sparen müsste, um sich eine solche Vergleichswohnung leisten zu können. Geringfügig weniger Jahreseinkommen (15,8) muss man in Berlin bezahlen.

Besonders günstig – gemessen an der örtlichen Kaufkraft – sind aber Immobilien im Harz: Im Landkreis Osterode etwa muss man nur 2,8 der dort durchschnittlichen Jahreseinkommen für eine 100-Quadratmeter-Wohnung bezahlen – was dann schon eher eine überschaubare Finanzierung ermöglichen dürfte.

Preise in Hamburg um 26,3 Prozent gestiegen

Wie sehr sich Kaufkraft und Immobilienpreise in Deutschland mittlerweile entkoppelt haben, zeigt ein anderer Vergleich im neuen Postbank-Wohnatlas: In Hamburg beispielsweise sind die durchschnittlichen Einkommen von 2012 bis 2016 demnach um 2,8 Prozent gestiegen – die Immobilienpreise aber im selben Zeitraum um immerhin 26,3 Prozent.

Eine Erklärung für diese Entwicklung liefert die Postbank auch: Wegen der niedrigen Zinsen seien andere Geldanlagen "vielfach unattraktiv" geworden, während sie eine Immobilien-Finanzierung erleichtern würden. Anleger setzten eben weiter auf "Betongold", so die Bank. Diese gestiegene Nachfrage treibe dann die Preise für Immobilien nach oben. Jedenfalls dort, wo es noch genügend Käufer und Mieter gibt, die solche Preise zu zahlen bereit sind.