Hamburg Airport

Wie sich die Flughafenfeuerwehr für den Ernstfall rüstet

Sicherheitslandung eines Urlauber-Fliegers der Condor auf dem Hamburger Flughafen

Sicherheitslandung eines Urlauber-Fliegers der Condor auf dem Hamburger Flughafen

Foto: Michael Arning

Seit 2016 gibt es einen Erweiterungsbau und einen eigenen Brandsimulator. Das 80-köpfige Team hat 3000 Einsätze pro Jahr.

Hamburg.  Überall im Büro von Thomas Barke stehen Miniatur­flugzeuge und kleine Modelle von Feuerwehrautos. Der A380 ist dort ebenso vertreten wie der Ziegler 8, ein Feuerwehrauto, das man sich mit seiner gigantischen Frontscheibe und futuristischen Optik ebenso auf einer Mars-Erkundungsmission vorstellen könnte.

Thomas Barke hat das große Glück, die real existierenden Vorbilder der kleinen Modelle von seinem Büro aus zu sehen, in echt und in groß. Barke ist Chef der Feuerwehr am Hamburger Flughafen. Obwohl der 52-Jährige den Job seit 25 Jahren macht – zehn Jahre als Leiter – , gerät er bei den Boliden der Lüfte und der Straße noch immer ins Schwärmen: „Die Maschinen jeden Tag vor der Nase zu haben, das ist schon ein echtes Privileg“, sagt Thomas Barke und lächelt.

Platz für bis zu 30 Feuerwehrleute

Um sich zu begeistern, braucht Barke den Blick noch nicht einmal auf das wenige Hundert Meter entfernte Rollfeld zu richten. Denn aktuell wird das Gebäude der Flughafenfeuerwehr im Sicherheitsbereich­ des Airports um­gebaut und erweitert – es wird größer, moderner, vielseitiger.

Die Bauarbeiten am 1988 errichteten Altgebäude werden voraussichtlich im April abgeschlossen sein. Der Erweiterungsbau ist seit September 2016 fertig. Die neue Feuer­wache bietet dann bis zu 30 Feuerwehrleuten pro Schicht Platz, zurzeit ar­beiten 21 Mitarbeiter pro Schicht. Mehr Feuerwehrleute werden es in Zukunft aber auf jeden Fall sein – schon allein, weil der Flughafen wächst und wächst.

Ohne die volle Einsatzbereitschaft der Werksfeuerwehr jedenfalls steht der Airport still, wie der Reizgas-Alarm vor vier Wochen gezeigt hat. Im Bereich der Sicherheitsschleusen war Pfefferspray ausgetreten, die Terminals mussten geräumt und 68 Menschen untersucht werden.

3000 Einsätze im Jahr

Weil Barkes Team zu einem großen Teil in die Versorgung der Verletzten eingebunden war, stand nicht mehr genug Personal zur Verfügung, um die Sicherheit im 570 Hektar großen Start- und Landebereich zu gewährleisten. Folge: Der Flugbetrieb wurde für mehr als eine Stunde eingestellt. Nur wenige Tage später beschäftigte dann schon die nächste Großlage das „Fire & Rescue“-Team – ein Schlepper auf dem Rollfeld stand in Flammen.

Derart dramatische Szenen sind selten. Rund 3000 Einsätze absolviert das 80 Mann starke Team pro Jahr, 1100 davon sind Rettungseinsätze. Mal müssen Fluggäste nach Schwächeanfällen versorgt, mal Öl- oder Kerosinlachen vom Rollfeld entfernt werden. Zum eher alltäglichen Geschäft gehören aber auch die sogenannten Sicherheitslandungen. Meldet ein Pilot etwa Probleme mit den Landeklappen, geht Barkes Team sofort in Bereitschaft. „Wenn sich der Bremsweg verlängert und die Bremsen heiß laufen, kann im schlimmsten Fall ein Reifen platzen“, sagt Barke. 22 derartige „Local Standby“-Vorfälle gab es 2016.

Auch für schwere Flugunfälle zuständig

Deutlich aufwendiger sind „Full Emergency“-Alarme. Sie werden beispielsweise ausgelöst, wenn ein Pilot Rauch im Cockpit meldet. Die höchste Alarmstufe „Aircraft Accident“ hat Barke auf dem Flughafengelände noch nicht erlebt – außerhalb aber schon. Als im April 1998 eine Cessna in ein Niendorfer Wohnhaus krachte und im März 2002 ein Bundeswehr-Hubschrauber über Langenhorn abstürzte, war die Flughafenfeuerwehr zur Stelle. Barke: „Wir sind auch für schwere Flugunfälle in einem Radius von etwa zehn Kilometern um den Flughafen zuständig.“

Regelmäßig üben die Feuerwehrleute deshalb den Ernstfall, seit Mai 2016 sogar in einem eigenen Brandsimulator. Die 500.000 Euro teure Anlage befindet sich einige Hundert Meter von der Feuerwache entfernt und besteht aus zwei jeweils rund sechs Meter hohen Containern, die einem Flugzeug nachempfunden sind. Dazu gehören Flugzeugtüren, Gepäckfächer, Sitzreihen, Bordküchen, Toiletten, Fahrwerk und Triebwerke.

Viel mehr Platz für alle

Thomas Barke führt durch die renovierten und neuen Räume. Es gibt jetzt viel mehr Platz für alle. Die Gebäude­fläche wächst von 2630 auf rund 3600 Quadratmeter. Weil die Mitarbeiter, die rund um die Uhr im Einsatz sind, längere Bereitschaftszeiten haben, stehen ihnen zudem ein Sportraum und eine eigene Tischlerei zur Verfügung. Heiß ersehnt, aber noch nicht fertig: die neue Feuerwehrleitstelle. Die Befehlsstelle soll Ende 2017 in den Erweiterungsbau umziehen. Alle Baumaßnahmen zusammen kosten rund 9,5 Millionen Euro.

Auch beim Fuhrpark schöpft die Flughafenfeuerwehr aus den Vollen: Im Notfall stehen 16 Fahrzeuge bereit, darunter Hilfslöschfahrzeuge, Rettungswagen und Löschtransportwagen. Stolz ist man ganz besonders auf die vier Flugfeldlöschfahrzeuge vom Typ Z8, die bereits in der Fahrzeughalle des Erweiterungsbaus stehen. Die zwölf Meter langen und 43 Tonnen schweren Fahrzeuge können bis zu 12.000 Liter Wasser laden und 5000 Liter pro Minute verschießen. Außerdem sind die 1000 PS starken Autos fast 150 Kilometer pro Stunde schnell.

Schnelligkeit das oberste Gebot

Und Schnelligkeit ist bei der Flughafenfeuerwehr das oberste Gebot: Innerhalb von drei Minuten müssen die Einsatzfahrzeuge an jedem Punkt des Start- und Landebahnsystems sein. Einen Seitenhieb auf die Kollegen von der Berufsfeuerwehr, die bei größeren Lagen mitalarmiert wird, kann sich Barke da nicht verkneifen: „Wir mögen der kleine Bruder der Berufsfeuerwehr sein – aber wir haben die größeren Autos.“