Kriminalität

Wo in Hamburg die meisten Fahrräder gestohlen werden

Ein zurückgelassenes Hinterrad von einem Fahrrad steht nach einem Fahrraddiebstahl an einem Fahrradständer

Ein zurückgelassenes Hinterrad von einem Fahrrad steht nach einem Fahrraddiebstahl an einem Fahrradständer

Foto: Martin Gerten / dpa

Mehr als ein Drittel aller Taten konzentriert sich auf nur zehn Stadtteile. Zahl der festgenommenen Diebe auf Zehnjahreshoch.

Hamburg.  Es sind vorwiegend Stadtteile mit vielen Schulen und Hochschulen sowie die Zentren der Bezirke, in denen am meisten Fahrräder gestohlen werden. Auch dort, wo es viele kleine Läden und nur wenige Parkplätze gibt, und dort, wo an zen­tralen Haltestellen von U- und S-Bahn besonders viele Fahrräder stehen, schlagen Diebe am häufigsten zu.

Etwa jeder dritte Fahrraddiebstahl (34,5 Prozent der Taten) wird in zehn Stadtteilen begangen, die besonders belastet sind: Eimsbüttel, Winterhude, Ottensen, St. Pauli, Eppendorf, Altona-Altstadt, Barmbek-Nord und Barmbek-Süd, Bergedorf sowie St. Georg.

6034 Fahrräder wurden dort 2016 gestohlen. Aber auch ein Stadtteil wie Hamm ist stark belastet: Acht Schulen und sechs berufliche Bildungseinrichtungen sind vermutlich einer der Gründe, warum dieser Stadtteil innerhalb des Bezirks Mitte an dritter Stelle steht – Gelegenheit macht offenbar Fahrrad-Diebe.

Fahrrad ist zum hippen Lifestyle-Produkt geworden

Die Zahl der Fälle hat in den vergangenen zehn Jahren um etwa 50 Prozent (von 11.746 auf 17.485 Taten) zugenommen. Der nahezu kontinuierliche Verlauf konnte auch im vergangenen Jahr nicht gestoppt werden. Seitdem Fahrräder nicht nur Fortbewegungsmittel, sondern hippes Lifestyle-Produkt geworden sind, haben auch immer mehr Diebesbanden sie für sich entdeckt. Häufig verbergen sich professionelle Strukturen hinter den Taten. Die Räder werden dann entweder ins Ausland gebracht, vornehmlich nach Südosteuropa, wo sie in großer Zahl hin verschoben werden, oder Hehler verkaufen sie im Internet, beispielsweise in Ebay-Kleinanzeigen. „Dort“, so weiß ein Polizist, „bleiben die Anbieter weitgehend anonym.“

Was die Sache für diese zusätzlich attraktiv macht: Fahrräder sind von der Polizei bei Überprüfungen oft nicht als gestohlen zu identifizieren. Kaum ein Käufer kennt die Individualnummer, die Rahmennummer seines Fahrrads. Ist das Rad gestohlen, ist die Nummer noch schwer herauszufinden. Auf der Rechnung ist diese Nummer hierzulande nicht, wie in einigen anderen Ländern, standardmäßig vermerkt. So landen nur wenige der gestohlenen Räder in der sogenannten Sachfahndung, der abrufbaren Liste der Polizei, in der noch gesuchte Beute aus Straftaten aufgelistet ist.

Dennoch konnten im vergangenen Jahr 751 Tatverdächtige – das ist die höchste Zahl der vergangenen zehn Jahre – festgenommen werden. Die meisten von ihnen – 401 – sind Erwachsene. Seit 2013, dem Jahr, in dem in Hamburg erstmals in den vergangenen zehn Jahren mehr als 15.000 Fahrräder gestohlen wurden, liegt die Zahl der deutschen und ausländischen Tatverdächtigen nahezu gleichauf. Dazu ist der Anteil der über 21-Jährigen bei den mutmaßlichen Fahrraddieben aus dem Ausland deutlich höher als bei den Tatverdächtigen mit deutschem Pass. Knapp 74 Prozent aller tatverdächtigen Ausländer sind Erwachsene. Bei den deutschen Tatverdächtigen sind es rund 42 Prozent.

Im Januar und Februar ging die Zahl um 30 Prozent zurück

Schlagen Fahrraddiebe in Hamburg zu, sind sie meistens erfolgreich: Nur bei 2,5 Prozent der Taten bleibt es beim Versuch. Das sind gerade mal 442 der 17.485 Taten. „Das alles spricht für einen professionell durchorganisiertes Kriminalitätsfeld, bei dem man es zu einem nicht unerheblichen Teil mit gut organisierten, international vernetzten Täter zu tun hat“, sagt Dennis Gladiator, Innenpolitischer Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion. „Der Senat wäre gut beraten die vierköpfige Ermittlungsgruppe zu verstärken.“

Diese Gruppe arbeitet seit Mai 2016 mit dem Ziel, professionelle Täter zu ermitteln. Einen Lichtblick gibt es: Seit einem Hoch im September 2016 sind die Zahlen beim Fahrraddiebstahl wieder rückläufig. In den ersten beiden Monaten dieses Jahres sollen sie laut Polizei fast 30 Prozent unter denen des gleichen Vorjahreszeitraums liegen.