Hamburg

Verbraucherschützer raten Kunden zur Klage gegen Parship

Eine Smartphone mit dem Logo der Online-Partnervermittlung Parship

Eine Smartphone mit dem Logo der Online-Partnervermittlung Parship

Foto: dpa

Wer bei der Online-Partnervermittlung seinen Vertrag widerruft, zahlt nach Meinung der Hamburger Verbraucherschützer zu viel.

Hamburg. Partnersuche kann teuer werden: Bei Kunden, die ihren Vertrag bei der Online-Partnervermittlung Parship innerhalb von zwei Wochen widerrufen, berechnet das Portal hohe Summen als sogenannten Wertersatz. Schnell kommen dann 200 Euro zusammen – und das für zwei Wochen, beklagen Verbraucherschützer.

"Wir haben bereits mehrere Hundert Anfragen von Kunden bekommen, die sich über diese Praxis von Parship beklagen", sagt Julia Rehberg von der Verbraucherzentrale Hamburg auf Abendblatt-Anfrage. Die Verbraucherschützer fordern, dass ehemalige Kunden nur einen laufzeitabhängigen Mitgliedsbeitrag zahlen sollten. Das wären bei einer Mindestvertragslaufzeit von sechs Monaten und einem monatlichen Beitrag von 45 Euro also 1,50 Euro pro Tag und bei einem Widerruf am Ende der 14-tägigen Frist höchstens 21 Euro.

Klage gegen Internetportal

Wegen dieser unterschiedlichen Auffassungen hatte die Verbraucherzentrale Hamburg das ebenfalls in der Hansestadt ansässige Internetportal verklagt und in erster Instanz Recht bekommen. Das Hanseatische Oberlandesgericht (OLG Hamburg) hob nun die verbraucherfreundliche Entscheidung des Landgerichts Hamburg auf, weil es in der Methode der Berechnung des Wertersatzes durch Parship keine wettbewerbswidrige Irreführung sah.

Allerdings hält das Gericht die von Parship vorgenommene Berechnung für unzulänglich (Urteil vom 2. März 2017, Az. 3 U 122/14). "Natürlich hätten wir uns einen anderen Ausgang des Verfahrens gewünscht, doch die Begründung der Richter bestärkt uns in der Annahme, dass der Wertersatz, so wie er von Parship verlangt wird, nicht verlangt werden kann", meint Julia Rehberg von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Streit schwelt seit 2013

Sie rät Verbrauchern daher, sich gegen die Forderungen von Parship zur Wehr zu setzen – notfalls auch vor Gericht. Das Amtsgericht Hamburg habe Parship in den vergangenen Monaten bereits mit zahlreichen Versäumnisurteilen verpflichtet, Geld an ehemalige Kunden zurückzuzahlen.

Seit 2013 streiten sich die Verbraucherzentrale Hamburg und Parship über die Rechtmäßigkeit der Wertersatzforderungen. Weitere Informationen zu den "Parship"-Fällen sind zu finden auf der Internetseite www.vzhh.de.

Maßnahme gegen Missbrauch

Zum Hintergrund: Parship verlangt von seinen Kunden bei einer Kündigung innerhalb der Widerrufsfrist von zwei Wochen einen Wertersatz für Kontakte, die bis dahin aufgenommen wurden, sowie für einen Persönlichkeitstest.

Das Portal will nach eigenen Angaben mit der Berechnungspraxis vermeiden, dass sich Kunden innerhalb der Widerrufsfrist um eine Vielzahl von Kontakten bemühen und Serienmails versenden, um dann kostengünstig aus dem Vertrag wieder auszusteigen. Es handele sich um eine vorbeugende Maßnahme gegen Missbrauch.