NS-Zeit

Nazi-Vorwürfe gegen Hamburger Ehrenbürger Kurt A. Körber

Kurt A. Körber wurde 1991 zum Hamburger Ehrenbürger ernannt

Kurt A. Körber wurde 1991 zum Hamburger Ehrenbürger ernannt

Foto: Körber Stiftung

Expertenkommission empfiehlt Umbenennung der Körber-Chaussee. Moralische Mitverantwortung bei Einsatz von KZ-Häftlingen?

Hamburg. Kurt A. Körber war ein international anerkannter Unternehmer, Stifter und Mäzen. Der Hamburger, 1992 gestorben, erwarb sich herausragende Verdienste beim Wiederaufbau der Hansestadt nach dem Zweiten Weltkrieg und wurde deshalb 1991 zum Ehrenbürger ernannt. Jetzt kommt eine von der Bergedorfer Bezirksversammlung einberufene historische Expertenkommission nach der ethischen Bewertung seines Lebenslaufes zu einem Ergebnis, das kein positives Licht auf ihn wirft: Während des Zweiten Weltkrieges soll Körber als Prokurist des Dresdner Universelle-Werkes den Einsatz von KZ-Häftlingen am Standort "moralisch mitverantwortet" haben.

Körber-Stiftung weist Forderung zurück

Körber, der NSDAP-Mitglied war, müsse als leitender Mitarbeiter des Rüstungsbetriebes den Einsatz von KZ-Häftlingen "zumindest billigend in Kauf genommen haben", zitiert die Bergedorfer Zeitung in ihrer Dienstagausgabe ein Mitglied der Expertenkommission. Deshalb empfehle das Gremium der Bezirksversammlung die Umbenennung der Bergedorfer Körber-Chaussee.

Die Körber-Stiftung weist die Forderung nach einer Umbenennung unterdessen zurück. "Als wirtschaftliche Führungskraft in der NS-Zeit hat Körber sich auch opportunistisch verhalten", heißt es von Seiten der Stiftung. "Zum Täter wurde er jedoch nicht. Martin Meister, Sprecher der Körber-Stiftung, betont, die Stiftung habe sich bereits 2002 und 2009 mit mehreren Publikationen sehr offen mit der Geschichte des Stifters auseinandergesetzt und neue Quellen veröffentlicht.

Zudem sei eine Arbeit mit dem Titel "Gewöhnlicher unternehmerischer Opportunismus? Zum Werdegang Kurt A. Körbers im Nationalsozialismus“ 2011 von der Hamburger Forschungsstelle für Zeitgeschichte veröffentlicht worden. "Die Ergebnisse sind seit Jahren auf der Website der Stiftung einsehbar", so Meister. "Den nun von der Bergedorfer Fachkommission vorgelegten Bericht werden wir genau lesen und auswerten. Beim ersten Blick können wir keine neuen Fakten erkennen oder gar Quellen, die unseren Stifter direkt belasten."

"Bergedorfer Gesprächskreis"

Internationale Anerkennung genießt der von Körber 1961 ins Leben gerufene „Bergedorfer Gesprächskreis“, der weltweit an wechselnden Orten Tagungen zur Völkerverständigung durchführt. In diesem Jahr wird es St. Petersburg sein.

Bereits bei der Verleihung des Ehrenbürgerrechts war Körber vorgeworfen worden, in illegitime Rüstungsgeschäfte verwickelt gewesen zu sein. Die Vorwürfe waren aber so nicht haltbar. Kritisch werde allerdings inzwischen sein teilweise opportunistisches Verhalten als leitender Angestellter der Dresdner „Universelle“ in der Zeit des Nationalsozialismus gesehen, heißt es in der Hamburger Senatskanzlei.