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Kunstrasenplatz und neue Pläne für Hamburgs ältestes Stadion

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Jan Haarmeyer
Fußballchef Ronald Lotz (l.) und Geschäftsstellenleiter timm Kartheuser im Victoria-Stadtion an der Hoheluft

Fußballchef Ronald Lotz (l.) und Geschäftsstellenleiter timm Kartheuser im Victoria-Stadtion an der Hoheluft

Foto: Roland Magunia

SC Victoria strebt Neubau mit Kita an. Neuer Rasen, um häufiger spielen zu können. Wie jeder für 50 Euro „Platz-Pate“ werden kann.

Hamburg.  Hamburgs ältestes Fußballstadion bekommt einen Kunstrasenplatz. Mit der Umwandlung der historischen Spielstätte des SC Victoria an der Hoheluft, die vor 110 Jahren im September 1907 eingeweiht worden ist, reagiert der Traditionsverein auf die enormen Anforderungen einer wachsenden Stadt mit einer rasant zu­nehmenden Verdichtung in den Stadtteilen.

Hamburg kann noch dichter bebaut werden

„Wir haben eine sehr große Fläche mitten in der Stadt, auf der mit unserer Oberliga-Elf nur eine Mannschaft aus unserem Verein spielt“, sagt Victorias Präsident Helmuth Korte. Und sobald es etwas stärker regnet, fallen die Spiele auf dem aufgeweichten grünen Rasen aus, wie die Partie am Freitag vor einer Woche gegen den FC Türkiye.

Während rund um das Stadion durch das ehrgeizige Wohnungsbauprogramm des Senats viele Neubauprojekte entstehen, wird das 20.000 Quadratmeter große Stadion an der Ecke Lokstedter Steindamm/Martinistraße viel zu selten genutzt. Im vergangenen Jahr hat die Stadt 12.471 Wohnungen genehmigt. „Das belegt die intensive Arbeit der Bezirke“, sagt Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD).

Hamburg könne noch einiges mehr an Dichte vertragen, denn während in München mehr als 40 Einwohner pro Hektar lebten, seien es in Hamburg nur 23 Menschen. In den städtischen Planungen würden dabei die wichtigen Themen wie Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, die nötigen Schulen und Kitas bis hin zur Nahversorgung bedacht.

Und der Sport? Bereits 2016 ist der Grandplatz an der Gärtnerstraße in einen Kunstrasenplatz umgewandelt worden, um den jungen Kickern mehr Spiel- und Trainingsmöglichkeiten zu bieten. Aber nach nur einem Jahr sind die Kapazitäten des Clubs, der eine weitere Anlage mit drei modernen Kunstrasenplätzen (einer für die Hockeyabteilung) am Lokstedter Steindamm betreibt, schon wieder erschöpft.

300 Kinder auf der Warteliste

Zahlen belegen den Boom eindrucksvoll: Die Fußballabteilung ist seit 2006 von 400 auf 1300 Mitglieder angewachsen. Victoria hat derzeit 2850 Mitglieder, davon sind 70 Prozent Jugend­liche (52 Prozent Jungen und 18 Prozent Mädchen). „Die Jugend ist unsere Zukunft“, sagt Korte.

Und der Zugang ist ungebremst. „Wir haben schon wieder 200 bis 300 Kinder und Jugendliche auf der Warteliste“, sagt Geschäftsstellenleiter Timm Kartheuser, der zusammen mit Victorias Sportchef Ronald Lotz und Helmuth Korte das Kunstrasenprojekt vorantreibt. Dass in den vergangenen Jahren sehr viele junge Familien in die Nachbarschaft gezogen sind, belegen weitere Zahlen: Der Fußball-Kindergarten für die Drei- bis Sechsjährigen vergrößerte sich in zwei Jahren von 40 auf 170 Kinder. Das Vicky-Camp, beliebtes Fußball-Ferienprogramm, startete im Sommer 2013 mit 60 Kindern – und hatte 2016 schon 770 junge Teilnehmer.

Bezirke unterstützen den Verein

„Es geht jetzt darum, den Nutzungsgrad unseres Stadions zu erhöhen, um den Andrang zu bewältigen“, sagt Lotz. Schließlich habe der SC Victoria auch eine soziale Verantwortung im Stadtteil. Im Sommer 2015 hat Victoria erstmals 20 Plätze im Fußball-Camp an Kinder aus Flüchtlingsfamilien vergeben. Inzwischen nutzen rund 300 junge Fußballer aus den Unterkünften bei den Blau-Gelben die kostenlosen Trainingsmöglichkeiten.

Auch deswegen hat der Verein bei seinen ehrgeizigen Plänen die Unterstützung der Politik. „Kunstrasenplätze ermöglichen eine wesentlich intensivere Nutzung als Naturrasenplätze“, sagt Michael Werner-Boelz, Grünen-Fraktionschef im Bezirk Nord. „Der SC Victoria platzt aus allen Nähten. Fußballkindergarten und Vicky-Camp werden begeistert aufgenommen. Mit einem Projekt zur Integration von Geflüchteten leistet Victoria seit 14 Monaten wertvolle Arbeit für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“

All das habe dazu geführt, dass die Plätze ausgelastet sind. In der kommenden Sitzung der Bezirksversammlung werden SPD und Grüne einen Antrag einbringen, den Kunstrasenplatz mit 150.000 Euro aus bezirklichen Mitteln zu unterstützen. Da Victorias Anlagen zum Teil im Bezirk Eimsbüttel liegen, laufen auch mit diesem Bezirk Gespräche über eine Unterstützung in gleicher Höhe.

Bei Regen fallen Spiele aus

Auch mit dem Hamburger Fußballverband (HFV) und dem Hamburger Sportbund (HSB) wird gesprochen, um das Projekt, dessen Kosten auf rund 750.000 Euro geschätzt werden, zu realisieren. „Wir unterstützen das Vorhaben nachhaltig“, sagt HFV-Präsident Dirk Fischer, „denn wir brauchen dieses für die Regionalliga taugliche Stadion dringend. Und eine höhere Nutzungs­intensität wäre an dieser Stelle für alle von größter Bedeutung.“

Schon jetzt spielt die Zweite Mannschaft des FC St. Pauli in der Regionalliga an der Hoheluft und leidet ebenfalls unter witterungsbedingten Spielausfällen – schon vier Partien wurden 2017 abgesagt.

Eine Kita auf Stelzen

Gleichzeitig sind auch die Mitglieder gefragt. Der Verein hat sich die Aktion „Werde Platzpate!“ ausgedacht, bei der jeder ein Stück Kunstrasen spenden kann. Einen halben Quadratmeter gibt es für 50 Euro. „Ohne unsere Mitglieder können wir dieses Großprojekt nicht schaffen“, sagen die Verantwortlichen – und planen bereits das nächste große Vorhaben für den wachsenden Stadtteil: Eine Kita auf Stelzen für 130 Kinder über dem Parkplatz der Sportanlage am Lokstedter Steindamm. Die Architekten-Entwürfe für das futuristische Gebäude liegen bereits vor. „Sobald die Finanzierung des Kunstrasens steht, werden wir zeitnah den Bauvorbescheid für die Kita einreichen“, sagt Lotz.

Mit der Umwandlung des Naturrasens an der Hoheluft soll bereits im Mai nach dem letzten Punktspiel begonnen werden, die Fertigstellung ist für Ende August/Anfang September geplant. Mit dem Kita-Bau will der Verein 2018 starten. Die Einweihung ist zum 125-jährigen Bestehen der Blau-Gelben im Jahr 2020 geplant. „Das eine Projekt ist ohne das andere nicht vorstellbar“, sagen Timm Kartheuser und Ronald Lotz.

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