Textilhandel

Tchibo setzt sich für Fabrikarbeiter ein

Frauen nähen in einer Textilfabrik in Bangladesch für deutsche Händler

Frauen nähen in einer Textilfabrik in Bangladesch für deutsche Händler

Foto: dpa Picture-Alliance / Doreen Fiedler / picture alliance / dpa

Bangladesch hatte Gewerkschafter verhaftet und Fabriken geschlossen. Hamburger sagten Teilnahme am „Textilgipfel“ ab.

Hamburg/Dhaka.  Bangladesch hat zuletzt viele Fortschritte bei der Sicherheit seiner Textilarbeiter gemacht. Auf einem Gipfel sollten sie diskutiert werden. Doch ein monatelanger Streit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern überschattet das Treffen. Erst in letzter Sekunde lenkte die Regierung in Dhaka ein und entließ die letzten von mindestens 34 inhaftierten Arbeitern und Gewerkschaftlern, die teilweise wochenlang im Gefängnis gesessen hatten.

Fünf große Marken sagten Teilnahme ab

Zuvor hatten Gewerkschaften, Handelsverbände und Regierungen aus rund 20 Ländern öffentlich das Verhalten von Arbeitgebern und Regierung infrage gestellt. Ein Einlenken gab es aber erst, als wenige Tage vor dem Gipfel fünf große Marken ihre Teilnahme absagten – darunter der Hamburger Konsumgüterkonzern Tchibo, C&A und Inditex (Zara). Die Festnahmen waren international kritisiert worden – unter anderem vom Deutschen Gewerkschaftsbund. Auch das Auswärtige Amt in Berlin meldete Bedenken an, ob die Inhaftierten fair behandelt wurden.

1600 Arbeiter entlassen

Seit Dezember tragen Arbeitgeber und Arbeitnehmer der Textilindustrie in Bangladesch einen offenen Konflikt aus. Die Arbeiter forderten eine Erhöhung ihres Mindestlohns auf rund 180 Euro im Monat – fast dreimal so viel wie bisher. Als Reaktion wurden mehr als 50 Fabriken zeitweise geschlossen. Laut Gewerkschaftsangaben wurden zudem mindestens 1600 Arbeiter entlassen und 34 Aktivisten festgenommen.

Sicherheit Thema auf Textilgipfel

Auf dem Textilgipfel, ausgerichtet vom Verband der bangladeschischen Textilexporteure BGMEA, sollten Fortschritte bei der Arbeitssicherheit diskutiert und ein Ausblick auf die Zukunft des zweitgrößten Textilexporteurs der Welt geworfen werden. Dass es beim Arbeitsschutz Fortschritte gab, wird kaum bestritten. Nach einem großen Fabrikunfall im April 2013, bei dem mehr als 1100 Menschen gestorben waren, engagierten sich auch ausländische Käufer in Initiativen, um die Sicherheit zu verbessern. Andererseits ist es immer noch sehr schwierig, in Bangladesch eine Gewerkschaft zu gründen oder für Arbeiterrechte zu kämpfen. In der Textilindustrie ist nur jeder 20. der mehr als vier Millionen Arbeiter gewerkschaftlich organisiert.