Hamburg

Schweinchen gehabt

Jens Meyer-Odewald

Wenn man im Alter noch mal so richtig auf Trab kommt, bringt das Lebensfreude. So geschah es jetzt Nikolas, dem Meerschweinchen-Senior bei uns zu Hause. In Menschenjahre umgerechnet, ist der rüstige Nager fast 80 Jahre alt. Nachdem vor einem Jahr sein Weibchen von ihm (und uns) ging, stieg nun auch die betagte Tochter in den Himmel auf. Wer Kinder hat, weiß, mit wie vielen Tränen das verbunden ist.

Von einem auf den anderen Tag war Nikolas ganz allein in seinem Gehege. Strotzte er zuvor gut gelaunt vor Kraft, mümmelte er jetzt lustlos vor sich hin oder dämmerte traurig in einem seiner Holzhäuschen. Sogar die Lieblingskost, Dill und Basilikum, ließ er links liegen. Wie gut, dass Nachbarin Gwendolin, eine Tierärztin mit Herz, Rat wusste: „Es gibt nur eine Lösung. Ihr braucht ein Leih-Schweinchen.“

Was ist das denn?

Eine engagierte Frau der Meerschweinchen-Nothilfe erklärte das Prinzip. Tierfreunde nehmen bedrohte oder nicht mehr „gebrauchte“ (traurig, aber leider wahr) Nager bei sich auf, kümmern sich um diese und geben sie in kontrolliert gute Hände ab. Leihweise. Scheidet das ältere Partnertier eines Tages dahin, wird der Gast zurückgenommen. Bei einem im Zoogeschäft erworbenen Cavia porcellus ginge das Pro­blem sonst endlos weiter. Jedes Tier wird nur einmal verliehen. „Weil es keine Wanderpokale sind“, hieß es. Gut so.

Fazit: Seit vorgestern rockt Crispie das Gehege im Zimmer unserer Tochter. Die Dame ist vier Monate alt und höchst agil. Senior Nikolas behandelt die neue Mitbewohnerin rücksichtsvoll. Er lebt auf – und balzt wie in jungen Jahren. Eine famose Idee das Ganze.