Hamburg

Pfefferspray ist günstiger und besser nutzbar

Hamburg. Fortsetzung von Seite 1


Der Ansturm auf erlaubnisfreie Waffen begann gleich nach den Silvesterübergriffen. 1381 der insgesamt 2513 im vergangenen Jahr in Hamburg gestellten Anträge auf den kleinen Waffenschein erfolgten im ersten Quartal. Damals waren Gaspistolen und Pfefferspray oft ausverkauft. „Das war ein nicht vorhersehbares Ereignis“, sagt Hartmann. „Kein Hersteller war darauf eingestellt.“

Im zweiten Quartal wurden 251, im dritten Quartal 519 und im vierten Quartal vergangenen Jahres 362 beantragt. „Man muss zur Kenntnis nehmen, dass man sich damit immer dauerhaft auf einem sehr hohen Niveau befindet“, sagt Lenders. Gaspistolen und Gasrevolver würden allerdings hauptsächlich „heiße Luft“ verschießen. Die Vorgaben in Deutschland lassen, im Gegensatz zu vielen anderen EU-Ländern, nur zwei Prozent Wirkstoff zu. Pfefferspray sei für ihn daher die erste Wahl. Der Wirkstoff sei zur Abwehr verlässlicher. Er wirke auf die Schleimhäute und nicht, wie CS-Gas, auf die Nerven.

Für Hartmann ist ein anderer Punkt ausschlaggebend: Die rechtliche Einordnung ist eine andere. „Pfefferspray wird als Tierabwehrspray angeboten. Damit ist es rechtlich keine Waffe. Setzt man es ein, ist das so, als wenn man jemanden mit einem Badelatschen schlägt“, sagt der Experte.

Dazu komme ein eklatanter Preisunterschied. Für eine passable Gaspistole müsse man um die 200 Euro bezahlen. Dazu komme Ausrüstung, etwa ein Holster. „Es klingt zwar ein bisschen verrückt, aber ich muss mich um die Waffe herum anziehen, damit ich sie so habe, dass ich sie auch nutzen kann“, sagt Hartmann. Pfefferspray sei da handlicher und im Preis (um die 25 Euro) deutlich günstiger. „Das ist auch der Grund, warum die meisten Kunden aus diesem Segment Pfefferspray nehmen“, sagt der Waffenhändler.

Beantragt werden kann der Kleine Waffenschein bei der Dienststelle der Innenbehörde an der Straße Grüner Deich 1 in Hammerbrook. Man muss einen gültigen Personalausweis oder Reisepass dabeihaben und den ausgefüllten Antrag abgeben. Die Behörde überprüft den Antragsteller über die Datenbanken von Polizei, Bundeszentralregister, Staatsanwaltschaft, Einwohner- meldeamt sowie Gesundheitsbehörde und bei jüngeren Antragstellern auch über das Erziehungsregister. Begnügt man sich damit, sie in den eigenen vier Wänden zu behalten, ist keine Erlaubnis notwendig. Personen, die einschlägig vorbestraft sind, haben in der Regel keine Aussicht auf Ausstellung eines Kleinen Waffenscheins.