Hamburg

Hassbrief an das Miniatur Wunderland sorgt für Aufregung

Frederik (r.) und Gerrit Braun, Gründer und Geschäftsführer des Miniatur Wunderlands, vor dem Modell des Kolosseums

Frederik (r.) und Gerrit Braun, Gründer und Geschäftsführer des Miniatur Wunderlands, vor dem Modell des Kolosseums

Foto: Daniel Reinhardt / dpa

Weil Flüchtlinge kostenlos Zutritt erhielten, beschimpft ein Besucher die Betreiber der Anlage. Die drehen den Spieß um.

Hamburg.  Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit Hassbriefen umzugehen. Man kann sie einfach zerknüllen und in den Papierkorb werfen. Oder man kann eine Antwort schreiben, was in der Regel sinnlos ist, weil Hass nun einmal keine Stimmungslage ist, die sich durch Argumente in Wohlgefallen auflösen ließe. Die Macher des Miniatur Wunderlandes wählten einen dritten Weg: Sie veröffentlichten das Schreiben im Internet – und regten so eine lebhafte Debatte an.

Der Verfasser, ein Heinz-Günter, schrieb unter dem Betreff „Syrier (sic!) im Wunderland“: „Wir tragen auf keinen Fall die Politik von Merkel, diese Wirtschaftsflüchtlinge in unser Land zu lassen. Auch müssen wir den Eintritt für diese Wirtschaftsflüchtlinge durch unsere Arbeit bezahlen. Die Wirtschaftsflüchtlinge werden kostenlos oder mit unserem Geld eingelassen.“

25 Prozent der Gratis-Besucher waren Flüchtlinge

Er und die Freunde aus seinem Modelleisenbahnclub, auf die sich Heinz-Günter offenbar beruft, würden die Einrichtung daher künftig meiden. Als „Beleg“ sind Zeitungsfotos von ausländischen Besuchern des Hamburger Touristenmagnets angehängt. Statt einer Grußformel wünscht er dann noch „eine bombenlose Zeit“.

Der Brief nimmt offenbar Bezug auf die Aktion „Kann ich mir nicht leisten“ des Miniatur Wunderlands im Januar. 17 Tage lang erhielten bedürftige Menschen kostenlos Zugang zu der weltgrößten Modelleisenbahn-Anlage. Etwa 18.000 Menschen machten davon Gebrauch, unter ihnen waren laut Wunderland-Angaben etwa 25 Prozent Flüchtlinge.

„Die Aktion basierte auf Vertrauen und war wunderbar. Man spürte pures Glück und Freude bei den Menschen! Leider bekamen wir neben massenhaft Danksagungen auch einige solcher Schreiben und Mails“, schreiben die Wunderland-Betreiber Frederik und Gerrit Braun sowie Stephan Hertz in einer gemeinsamen Erklärung, die sie auf Facebook veröffentlicht haben. Und weiter: „Wo steuern wir hin, wenn eine Aktion wie unsere bei einigen von Angst gesteuerten Menschen dazu führt, virtuell und per Post solche Hassbotschaften zu verbreiten? Das Problem unseres heutigen, virtuellen Zeitalters ist die Tatsache, dass negative Botschaften schnell und leicht ‘rausgehauen’ werden und zu wenig positives Antworten entgegengesetzt werden. Dadurch entsteht ein völlig falsches Meinungsbild!“

Hier geht's zum Facebook-Eintrag

Beitrag in den ersten 17 Stunden von mehr als 15.000 Facebook-Freunden geteilt

Um der Stimme der „liebevollen und wunderbaren Menschen in Deutschland“ mehr Gewicht zu geben, solle der Beitrag auf Facebook geteilt werden. Die Resonanz war überwältigend: Innerhalb der ersten 17 Stunden folgten mehr als 15.000 Facebook-Freunde dem Aufruf. Dazu wurden mehr als 4000 Kommentare hinterlassen, wobei die Betreiber überwiegend Zuspruch erhielten. Die Brauns und Hertz hatten übrigens tatsächlich Kontakt zu Heinz-Günter aufgenommen. Es wurde „leider ein ebenfalls unangenehmes Telefonat“.

Erst Ende Januar hatte das Miniatur Wunderland mit einer Mauer um das Modell der Glücksspielstadt Las Vegas für Aufsehen gesorgt. Die Anspielung auf die Politik des neuen US-Präsidenten Las Vegas stieß in den sozialen Netzwerken auf ein geteiltes Echo.