Prozess

Haftstrafen für Ex-Chefs des früheren HSV-Sponsors Imtech

Die früheren Chefs des insolventen Unternehmens Imtech mit ihren Anwälten im Landgericht

Die früheren Chefs des insolventen Unternehmens Imtech mit ihren Anwälten im Landgericht

Foto: Axel Heimken / dpa

Die beiden Top-Manager haben Millionen veruntreut. Einer der beiden ehemaligen Imtech-Chefs auch in Flughafen-Skandal verwickelt.

Hamburg. Der Gebäudeausrüster Imtech war jahrelang Namensgeber und Sponsor des Volksparkstadions des Hamburger SV. Nun wurden zwei frühere Chefs des inzwischen insolventen Unternehmens wegen Veruntreuung von mehr als 2,8 Millionen Euro zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Das Hamburger Landgericht sah es als erwiesen an, dass ein 72-Jähriger Anstiftung in 46 Fällen begangen hat. Dafür muss er für drei Jahre ins Gefängnis, wie der Vorsitzende der Strafkammer am Mittwoch sagte.

Sein zehn Jahre jüngerer Nachfolger in der Geschäftsführung erhielt wegen besonders schwerer Untreue eine Strafe von drei Jahren und elf Monaten. Darin bezog das Gericht aber eine frühere Verurteilung wegen Bestechung mit ein.

Das Gericht blieb mit seinem Urteil unter den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Der Verteidiger des 62-Jährigen kündigte Revision an, die Anwältin des 72-Jährigen sagte, sie erwäge diesen Schritt ebenfalls.

Die beiden Angeklagten hatten zum Prozessauftakt ein umfassendes Geständnis abgelegt und ihre Taten bereut. Laut Anklage überwies der 62-Jährige zwischen 2009 und 2012 gut zwei Millionen Euro in 17 Einzelzahlungen an seinen Vorgänger. Weitere 850.000 Euro des Imtech-Vermögens seien über Umwege in 29 Tranchen an den 72-Jährigen geflossen.

"Finanzielle Schieflage" durch falsche Investitionen

Das Gericht hielt dem Jüngeren auch zugute, uneigennützig gehandelt und nicht in die eigene Tasche gewirtschaftet zu haben. Er habe seinem langjährigen Freund aus einer misslichen Lage helfen wollen. Strafverschärfend habe sich vor allem die hohe Schadenssumme ausgewirkt. „Da steht diese wahnsinnig hohe Zahl im Raum“, sagte der Richter.

Der 72-Jährige hatte vor Gericht erklärt, Investitionen in Wohnimmobilien hätten ihn in eine „totale finanzielle Schieflage“ gebracht. Er habe dem 62-Jährigen zugesichert, das Geld zeitnah zurückzuzahlen – angesichts von Immobilienprojekten etwa in Dubai und Tunesien sei er zuversichtlich gewesen, das zu schaffen.

Berliner Flughafen BER: Schmiergeld gezahlt

Der 62-Jährige war bereits im Oktober 2016 in einem Prozess in Cottbus zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und elf Monaten wegen Bestechung verurteilt worden. Damals war er nach Feststellung des Gerichts an einer Schmiergeldzahlung in Höhe von 150.000 Euro beim Bau des Berliner Flughafens BER beteiligt.

Imtech Deutschland hatte am pannengeplagten Flughafen wichtige Aufträge, beispielsweise arbeitete die Firma an der Brandschutzanlage mit. 2015 meldete das Unternehmen Insolvenz an. Das Kerngeschäft wurde von einer Firma der Bremer Gustav Zech Stiftung weitergeführt.