Naturschutz

Kahlschlag: Hamburg verliert mehr als 2500 Bäume

Die Motorsäge ist anscheinend Hamburgs Freund: Wieder wurden während der Fällsaison mehr als 2500 Bäume abgesägt.  Foto: Bernd Wüstneck dpa

Die Motorsäge ist anscheinend Hamburgs Freund: Wieder wurden während der Fällsaison mehr als 2500 Bäume abgesägt. Foto: Bernd Wüstneck dpa

Foto: Bernd Wüstneck / picture alliance / ZB

Nabu nennt die Fällstatistik besorgniserregend. Die Umweltbehörde dementiert und will Straßenbaumschwund bremsen.

Hamburg. Ob Altona oder Wandsbek – der Baumbestand in Hamburg nimmt permanent ab. Das geht aus der aktuellen Auswertung der Fälllisten durch den Naturschutzbund (Nabu) Hamburg hervor. Demnach hat die Stadt allein in dieser Saison mehr als 2500 Straßen- und Parkbäume auf öffentlichen Flächen verloren, ohne dass in gleicher Anzahl nachgepflanzt wurde.

Die Baumfällstatistik zeige laut Naturschutzbund, dass nur für knapp 30 Prozent der gefällten Bäume bisher Nachpflanzungen geplant seien. „Das bereitet uns große Sorge“, sagte Nabu-Vorstand Alexander Porschke. Neben dem Verlust an Grünflächen durch den Bauboom in Hamburg komme nun noch der Verlust von Tausenden von Bäumen dazu. „Wir fordern ein dringendes Umdenken bei der Stadtentwicklung, die gerade darauf zusteuert, unsere Stadtnatur aus dem Auge zu verlieren“, so Porschke.

Altona fällt am meisten, Nord einziger Bezirk im Plus

In der diesjährigen Fällsaison von Oktober bis Februar wurde der Kahlschlag vor allem aufgrund von Neubau, Infrastrukturbaumaßnahmen, oder Anfahrschäden vorangetrieben. 22 Prozent, also 231 Straßenbäume, wurden aus diesen Gründen gefällt. 14 Prozent der Fällungen gehen auf das Konto von Schrägstand oder Wuchs, der die Verkehrssicherheit beeinträchtigt. Der meist genannte Grund in den Statistiken ist Krankheit mit 58 Prozent.

Wenig erfreulich schätzt Katharina Schmidt, Referentin für StadtNatur beim Nabu Hamburg, die Entwicklung der Stadtbäume ein: „Der Verlust der Bäume wird das Stadtbild verändern: Große Häuser, weniger und kleinere Bäume." Man müsse sich fragen, welche Wohnqualität bleibt, wenn immer mehr Wohnungen entstehen, aber kaum noch Bäume an den Straßen zu sehen sind.

Wie in der vergangenen Saison wurden im Bezirk Altona die meisten Bäume gefällt. 202 Straßenbäume und 546 Bäume in Parkanlagen fielen dort den Kettensägen zum Opfer. Obwohl Altona im Bezirksvergleich nur auf Platz 6 mit seinem Bestand an Straßenbäumen liege (23.991), werden dort die meisten Bäume gefällt. Zu den Nachpflanzungen macht der Bezirk generell keine Angaben.

Doch außer dem Bezirk Nord weisen auch die anderen Bezirke ein Baumdefizit auf. So wurden im Bezirk Bergedorf 430 Bäume gefällt und 113 gepflanzt. In Eimsbüttel waren es 78 Bäume bei 29 Nachpflanzungen, in Harburg fielen 185 Gehölze, 58 wurden neu gesetzt. In Mitte gab es 331 Fällungen bei 187 Nachpflanzungen und in Wandsbek 509 Fällungen und 81 Pflanzungen. Der Bezirk Nord fällte 254 Bäume und pflanzte 263. Fazit des Nabu Hamburg: 2.535 Bäume seien verloren gegangen, nur 731 nachgepflanzt worden.

Umweltbehörde will Schwund an Straßenbäumen bremsen

Die Umweltbehörde räumt ein, dass tatsächlich Jahr für Jahr Straßenbäume verloren gehen, von 2009 bis 2015 nahm ihr Bestand um 7000 ab, aktuell gebe es rund 229.000. Die Zahlen des Nabu nennt ein Sprecher aber "verfrüht", denn die Pflanzsaison beginne erst im März. Bis alle Nachpflanzungen in die Statistik eingegangen seien, ließe sich kein Urteil ableiten.

Eine abschließende Bilanz der Fäll- und Pflanzsaison werde erst im im Sommer vorliegen, weil bis in den April hinein neue Bäume gepflanzt werden. Nachpflanzungen von Unternehmen oder der Hochbahn seien in den vorläufigen Statistiken auch noch nicht erfasst.

Behörde: Nabu vergleicht Äpfel mit Birnen

Zudem würden vom Nabu "Äpfel mit Birnen" verglichen, so die Behörde. "Über die Bäume an Hamburgs Straßen haben wir ein genaues Bild, weil diese im Online-Baumkataster erfasst sind." Für die Parks und Wälder wird keine Statistik geführt, dies ist kaum leistbar. Der Nabu vermische aber beide Baumstandorte in seiner Statistik.

Die Stadt sei zudem auf einem verbesserten Weg: "Wir haben im vergangenen Jahr mehr Straßenbäume in die Erde gebracht als im Vorjahr", so der Sprecher weiter. Ziel sei, den Straßenbaumschwund der Stadt abzubremsen. Deshalb sei im vergangenen Jahr aus das Geld für Nachpflanzungen verdreifacht worden – von 500.000 auf 1,5 Millionen Euro pro Jahr.

In den Vorjahren wurden sogar noch mehr Bäume gefällt

Verglichen mit den beiden Vorjahren hat die Zahl der gefällten Bäume in der Saison auch abgenommen. 2015 und 2016 wurden jeweils mehr als 2700 Bäume in den sieben Bezirken gefällt. Überdies kommt ein kleiner Trost aus der Umweltbehörde: Hamburg habe immer noch elfmal mehr Straßenbäume als Kopenhagen.