Hamburg

Ehefrau mit heißem Öl überschüttet: Neuer Prozess

Prozess um einen lebensgefährlichen Angriff auf eine Frau im Landgericht

Prozess um einen lebensgefährlichen Angriff auf eine Frau im Landgericht

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Vor dem Hamburger Landgericht hofft der Angeklagte auf eine mildere Strafe. Bundesgerichtshof hatte Urteil aufgehoben.

Hamburg. Er begoss seine Ehefrau mit siedendem Öl, tagelang schwebte das schwer verletzte Opfer in Lebensgefahr. Wegen dieser Tat hatte das Schwurgericht einen 50 Jahre alten Afghanen im April vergangenen Jahres zu zehn Jahren Haft wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung verurteilt.

In einer Neuauflage des Prozesses, der am Mittwoch begann, hofft der Angeklagte auf eine mildere Strafe. Der Bundesgerichtshof hatte das ursprüngliche Urteil teilweise aufgehoben, den Schuldspruch gegen den geständigen Angeklagten sowie das Mordmerkmal der Heimtücke aber bestätigt. Nun wird die Sache vor einer anderen Schwurgerichtskammer erneut verhandelt. In dem Prozess wird es unter anderem darum gehen, ob der 50-Jährige aus sexueller Frustration gehandelt hat und damit bei der Tat auch niedrige Beweggründe eine Rolle spielten.

Bei der Polizei sagte er: "Frau totgemacht"

Den Kopf tief zwischen die Schultern gezogen saß der Angeklagte zum Prozessauftakt da. Am liebsten möchte er, dass die Öffentlichkeit nichts von dem Verfahren mitbekommt, unter anderem seine Aussage zur Sache erfolgt unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Laut dem früheren Urteil hat der Angeklagte am 8. September 2015 zunächst mit seiner Frau schlafen wollen, dies klappte jedoch nicht, weil er nicht dazu in der Lage war. Anschließend habe er sich entschlossen, seine Frau mit siedendem Öl zu übergießen. Der 50-Jährige trat mit einem Topf der heißen Flüssigkeit ins Bad, wo sie gerade unter der Dusche stand, und sagte: „Schau mal her“. Dann schleuderte er das Öl auf sie, wobei er ihren Tod billigend in Kauf genommen habe, so die Richter damals. Obwohl die Frau vor Schmerzen schrie, half er ihr nicht, sondern ging zu einer nahe gelegenen Polizeiwache, wo er einem Beamten sagte, er habe „Frau totgemacht“.

Wollte die Frau sich von ihm trennen?

Das siedende Öl verbrannte 44 Prozent der Haut des Opfers, es bestand akute Lebensgefahr. Wochenland musste die Frau im Krankenhaus behandelt werden. Im damaligen Prozess hatte der Angeklagte gesagt, er habe befürchtet, dass seine Frau sich von ihm trennen wolle.

Er habe sie jedoch nicht töten wollen, hatte er betont. Das Gericht hatte in seiner Urteilsbegründung gesagt, die Tat erscheine „mittelalterlich“ . Der Angeklagte habe seine Frau „wie eine Sache behandelt“.