Stellingen

Anrufer belästigt die Feuerwehr mit Falschmeldungen

Ein Hamburger Löschfahrzeug auf dem Weg zum Einsatz. In Stellingen rücken die Beamten vermehrt grundlos aus (Symbolbild)

Ein Hamburger Löschfahrzeug auf dem Weg zum Einsatz. In Stellingen rücken die Beamten vermehrt grundlos aus (Symbolbild)

Foto: dpa Picture-Alliance / Angelika Warmuth

Rettungswache in Stellingen wird vermehrt zum selben Einsatzort in Niendorf gerufen. Anrufe von Mann ergeben vor Ort immer: Fehlalarm.

Hamburg. Mehrfach wählt er die Notrufnummer 112. Jedes Mal meldet er der Rettungsleitstelle einen Notfall in Niendorf. Und jedes Mal muss die zuständige Feuerwache in Stellingen ausrücken, um die Meldungen vor Ort zu überprüfen. Doch offenkundig kommen die Notrufe immer wieder vom selben Anrufer. Denn am Einsatzort am Wagrierweg stellen die Retter fest: Mal wieder Fehlalarm.

"Ja, es gab am Wagrierweg in Niendorf eine Häufung von Unfug-Meldungen", sagt Feuerwehr-Sprecher Jan Ole Unger. "Die Polizei ermittelt", sagt er und bestätigt damit einen Bericht der "Mopo". Demnach belästigt der unbekannte Anrufer seit einiger Zeit die Leitstelle mit Falschmeldungen am Wagrierweg. Zum Auftrag der Feuerwehr gehöre es dabei, jeden Anruf ernst zu nehmen und die Kollegen in Stellingen tatsächlich zum Einsatzort zu schicken, sagt Unger. Auch wenn am Ende wieder ein sinnloser Einsatz notiert werden müsse.

Von 2000 täglichen Anrufen führen etwa 800 zu Einsätzen

Die Ermittlungen der Polizei gestalten sich in diesem Fall schwierig. Der Anrufer benutze unregistrierte Prepaid-Karten für das Handy oder rufe aus Telefonzellen an. Über die Gründe kann nur gemutmaßt werden, sagt Unger. Der Missbrauch des Notrufes sei in jedem Fall strafbar, könne mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr geahndet werden. Die Kosten für einen Fehlalarm betragen laut Feuerwehr etwa 450 Euro.

Dabei sind sinnlose Telefonate in der Leitstelle durchaus an der Tagesordnung, wie Jan Ole Unger sagt. Mal hat sich jemand verwählt, mal ist jemand auf die Notruftaste des Handys gekommen, mal ist ein Anruf eher ein Fall für den Hausarzt. "Durchschnittlich gehen 2000 Anrufe pro Tag in der Leitstelle ein", sagt Unger. "Davon führen aber nur etwa 800 zu Einsätzen." Den meisten Falschanrufen liege kein Vorsatz zugrunde, anders als beim Fake-Melder aus Niendorf.

Das Verhalten des "Fake-Anrufers" sei "zutiefst abzulehen"

Die Anrufe seien nicht nur ein "zutiefts abzulehnendes Verhalten", sondern auch eine "Missachtung der Arbeit unserer Einsatzkräfte", sagt der Feuerwehr-Sprecher. Im Zweifel würden die sinnlos ausgerückten Kollegen bei wirklichen Notfällen fehlen. Dann müssten Kollegen aus einer der übrigen 16 Rettungswachen Hamburg einspringen – mit einem weiteren Anfahrtsweg.

Erst am Dienstag wurde öffentlich, dass die Beamten im vergangenen Jahr ohnehin nur bei 69,6 Prozent der Einsätze das sogenannte Schutzziel der Feuerwehr erreicht hatten, in acht Minuten am Ort des Geschehens zu sein. Fünf der 17 Feuer- und Rettungswachen schafften es dabei nicht einmal bei der Hälfte aller Einsätze. Die Stellinger Wache blieb mit 65,9 Prozent ebenfalls unter dem Durchschnitt.