Altona

Die nächste Idee: Eine Fahrradbrücke

Architekt macht neuen Vorschlag für den Radweg in Övelgönne. SPD und Grüne sind angetan – und offen für weitere Anregungen

Altona.  Ist das die Kompromiss­lösung? Nach dem Beschluss des Altonaer Verkehrsausschusses zur weiteren Planung eines sechs Meter breiten Rad- und Gehweges mitten auf dem Strand in Övelgönne gehen die Wogen wieder hoch zwischen Befürwortern und Gegnern dieses seit Jahren umstrittenen Projekts.

In diese Stimmung hinein hat nun der Hamburger Architekt Christian Hajda einen Kompromissvorschlag vorgelegt. Der 38-Jährige bezeichnet sich selbst als „häufigen Besucher“ des Elbufers und der dortigen Gastronomie. Die Pläne für einen Radweg mitten auf dem Strand halte er daher auch für „völlig daneben“. So etwas passe dort nicht hin und werde nur zu Konflikten und einem Ende der Idylle führen, fürchtet er und hat sich deshalb hingesetzt und nach Alternativen gesucht.

Dabei stieß er auf eine Art Radwegbrücke, die sich bereits in Kopenhagen bewährt habe. Ähnliches, nur kleiner, könnte auch die Lösung für den Elbstrand sein, schlägt er nun vor und erntet überraschend viel Zustimmung in der Altonaer Bezirkspolitik.

Seine Idee: Der geplante Radweg würde über eine Art Rampe mit transparentem Geländer einfach über das Gebäude der von der Stadt verpachteten Strandperle hinweg gebaut – ohne allerdings höher zu verlaufen als der schmale Gehweg dahinter. Die Kosten von etwa drei Millionen Euro wären zwar größer als bei der jetzigen Version, die mittlerweile auch schon mit rund zwei Millionen Euro Kosten geschätzt wird. Hajda: „Dafür kann eine solche Brücke nicht bei Flut unterspült werden, was Wartungskosten spart.“

Gerade vor den beiden viel besuchten, flachen Gastro-Gebäuden am Strand würde die derzeit geplante Radwegtrasse indes den schmalen Strandstreifen zerschneiden und auch dicht am Wasser verlaufen. Kinder, Hunde laufen dort, Besucher schlendern vom Kiosk Richtung Elbe – mitten durch dieses Gewusel würde dann ein Radweg verlaufen. So jedenfalls sieht es der derzeitige Planungsstand vor, der von einer rot-grünen Mehrheit in der Bezirksversammlung von Altona noch immer favorisiert wird. Einen Antrag der CDU, wonach die Pläne für einen Strandweg komplett auf Eis gelegt werden sollten, lehnten SPD und Grüne jedenfalls ab. Jetzt soll das Bezirksamt weiterplanen und Detailfragen klären.

Hintergrund: Der Westen der Stadt ist für den Radverkehr nur schlecht angeschlossen. Bisher gibt es im Bereich Övelgönne nur einen schmalen Gehweg oberhalb des Strands, wo Radfahrer auf einem Abschnitt von gut einem Kilometer schieben müssen.

Immer wieder angekündigte Radfahrstreifen auf der Elbchaussee sind indes in absehbarer Zeit nicht möglich, weil dort umfangreiche Tiefbauarbeiten am Siel- und Trinkwassernetz anstehen.

Verbleibt aus Sicht der Radweg-Befürworter eben nur der Strand. Doch auch innerhalb der SPD-Fraktion ist dieser Radweg umstritten. Fraktionschef Thomas Adrian begrüßt daher neue Ideen, die den Streit wieder beruhigen könnten, wie er sagt. „Wir sind total offen für solche Vorschläge, die zu einer Lösung des Problems führen können.“ Ähnlich äußert sich die Verkehrsexpertin der Grünen, Eva Botzenhart, die von einer „sehr witzigen Idee“ spricht. Eine „bessere Lösung“ sei hier willkommen, wenn sie denn umsetzbar sei, so die Grünen-Politikerin.

Eine solche Brücke würde drei Millionen Euro kosten

Kritischer beurteilt indes der CDU-Politiker Tim Schmuckall eine solche Brückenlösung. Für den engen Abschnitt vor der Strandperle könnte so etwas eine Lösung sein. „Aber es löst nicht das Gesamtproblem“, so der CDU-Politiker. Denn im weiteren Verlauf würde ein Radweg doch über den Strand verlaufen müssen, weil sich alle anderen Flächen dort in Privatbesitz befänden. Schmuckall: „Der Strand ist aber einzigartig für Hamburg – einen Radweg lehnen wir daher grundsätzlich ab.“ Eher skeptisch zeigt sich auch Anwohner und Strandperlen-Pächter Christian Toetzke. Jegliche bauliche Maßnahme am Strand würde das Erscheinungsbild zerstören, sagt er. Gleichwohl sehe er auch die Probleme für Radfahrer dort. „Mein Sohn selbst fährt mit dem Rad zur Schule und muss erst 800 Meter schieben, das ist ihm kaum zu vermitteln.“ Sein Vorschlag: Das Radfahrverbot auf dem Gehweg müsse morgens und abends einfach aufgehoben werden, wenn dort Pendler und Schüler unterwegs sind Toetzke: „Eigentlich hat der ganze Ärger mit Radwegen am Strand erst mit diesem Verbot angefangen.“