Stellingen

Besonderes G20-Treffen im Volksparkstadion

HSV und Schulbehörde starten internationales Projekt „Schools4tomorrow“

Stellingen. Sophie Schirmer (18) und Amrita Patwalia (17) sind zusammen mit ihrer Lehrerin Martina Beckert in den großen Presseraum des HSV gekommen. „Ich wünsche mir, dass dieses Projekt zu mehr politischem Engagement bei vielen Jugendlichen führt“, sagt Sophie. „Es bietet uns nämlich die Chance, die Demokratie zu stärken, für die viele Menschen seit Jahrhunderten gekämpft haben und die nicht selbstverständlich ist, wie wir aktuell immer wieder sehen müssen.“

Sophie und Amrita aus der 12. Klasse der Lessing-Stadtteilschule in Harburg sprechen über das Projekt „Schools4tomorrow“. Eine Woche vor dem Zusammentreffen der 20 bedeutendsten Wirtschaftsnationen beim G20-Gipfel in Hamburg werden am 29. und 30. Juni rund 450 Hamburger Schüler aus 20 Klassen im Volksparkstadion in die Rolle der Verhandlungsführer dieser Nationen schlüpfen. Sie werden ein eigenes Kommuniqué für eine Vision erarbeiten, wie die Welt im Jahr 2030 aussehen soll. Ihre Welt. Bis dahin ist es noch ein langer Weg.

Genauer gesagt, sind es noch rund vier Monate, in denen eine Menge Arbeit auf die Schüler und ihre Lehrer zukommt. Jede Klasse bekommt nämlich ein Partnerland samt ausländischer Partnerklasse zugewiesen, um sich in dessen Thematik einzuarbeiten und die Positionen dieses Landes zu übernehmen. „In den nächsten Wochen sollen diese Klassen in einen Austausch treten und Verständnis für den jeweiligen Blickwinkel bekommen“, sagt Sven Neuhaus, Projektleiter des Hamburger Wegs, der HSV-Stiftung für Hamburgs Nachwuchs.

Dafür wird es eine digitale Plattform geben, auf der Dokumente hochgeladen, Mails gesendet und die Schüler sich über Skype direkt miteinander austauschen können.

„Dieser Austausch eröffnet die große Chance für eine dauerhafte Kooperation zwischen den beteiligten Schulen“, sagt Schulsenator Ties Rabe (SPD), der auch deshalb gerne die Schirmherrschaft des Projekts übernommen hat, weil er Hamburgs Schülern die Chance bietet, „sich intensiv mit einem der G20-Staaten zu befassen, über aktuelle politische Fragen zu diskutieren und eine Vision für die Welt im Jahr 2030 zu entwickeln“. Initiator des Bündnisses ist Klaus Milke, Vorstand der Stiftung Zukunftsfähigkeit: „Die Zukunft kann nur in Kooperation und im Miteinander liegen. Es ist deshalb sehr zu begrüßen, dass die HSV-Stiftung mit einem großartigen Projekt zum G20-Gipfel dabei ist.“

Diesen Ball nahm Heribert Bruchhagen gerne auf. „Man kann mit politischer Bildung gar nicht früh genug anfangen“, sagte der Vorstandsvorsitzende des HSV, der parallel zu seiner Fußballerkarriere in Gütersloh einst als Lehrer für Sport und Geografie am Kreisgymnasium in Halle (Westfalen) tätig gewesen ist. „Gerade in Zeiten, in denen vielerorts immer mehr nationale Interessen in den Vordergrund geraten, ist es wichtig, mit Projekten wie diesen bei jungen Menschen Verständnis für andere Positionen und Lebensweisen, Religionen und Kulturen zu wecken.“

Bruchhagen hat auch selbst durch persönliche Briefe an ausländische Botschaften geholfen, dass aus jedem G20-Land eine Partnerklasse zur Verfügung steht. Genau wie das Goethe-Institut. „Wir schätzen die internationale Dimension, die das Projekt ermöglicht, und den Austausch Jugendlicher über gesellschaftsrelevante Themen“, sagt Kathrin Lauber vom Goethe-Institut in London.

Anton Kröger (17) und Luis Junge (16) aus der 11. Klasse des Marion Dönhoff Gymnasiums in Blankenese haben Italien als Partnerland und die Deutsche Schule in Rom als Partnerklasse bekommen. „Es ist gut, dass wir uns mit unseren Ideen bei diesem Gipfel einbringen können“, sagen sie. Schließlich sollen am Ende des Projekts die eigenen Positionen mit den Interessen der anderen Länder abgeglichen werden. Zu den drei Kernthemen des Gipfels – Stabilität sichern, Zukunftsfähigkeit verbessern, Verantwortung übernehmen – werden zwei Schüler pro Klasse die Position der „Sherpas“, also des Verhandlungsführers, übernehmen und dann jeweils drei Positionen pro Thema entwickeln. Eine zehnte Botschaft wird schließlich in einer Sitzung mit allen Schülern abgestimmt.

Noch stehen nicht alle Partnerklassen für die 20 Hamburger Schulen fest. Auch Sophie und Amrita müssen sich noch etwas gedulden. „Wir haben als Partnerland Saudi-Arabien bekommen“, sagt ihre Lehrerin Martina Beckert. Das dürfte spannend werden bei diesem ganz besonderen Gipfeltreffen im Volksparkstadion. Und kulturell eine echte Herausforderung.