Hamburg

Handelskammer schickt Team ins Silicon Valley

Handelskammer-Präses Fritz Horst Melsheimer

Handelskammer-Präses Fritz Horst Melsheimer

Foto: Klaus Bodig / HA / Klaus Bodig

Hamburger Unternehmer sollen von den USA lernen – bei Finanzen und Immobilien. Präses rechnet mit hoher Wahlbeteiligung.

Hamburg. Die Hamburger Handelskammer wird in diesem Jahr einen Schwerpunkt auf die Gesundheits-, Finanz- und Immobilienwirtschaft setzen. Dazu sollen hiesige Unternehmen außerdem von den Erfahrungen der High-tech-Firmen im amerikanischen Silicon Valley profitieren. Dort sind Unternehmen wie Google, Apple oder Facebook angesiedelt, in ihrem Umfeld außerdem kleinere Start-ups. Wie die Kammer am Dienstag mitteilte, gebe es dazu im Herbst dieses Jahres eine "Unternehmerreise" nach Kalifornien.

Man wolle die Handelskammer-Mitglieder bei der Digitalisierung der Geschäftsmodelle "intensiv begleiten", sagte Vizepräses Christian Jagdmann. Im Jahr 2016 habe es über 5000 Besuche von Kammermitarbeitern bei Mitgliedsunternehmen gegeben. Eine neue Facebook-Seite sei zu einer der drei reichweitenstärksten der deutschen Industrie- und Handelskammern geworden.

Unterdessen beklagten Unternehmen laut Online-Umfrage der Handelskammer nach wie vor Investitionshemmnisse in Hamburg (47 Prozent). Zur Bürokratie wurden auch die „Höhe der Steuern und Abgaben“ (69,7 Prozent) gezählt, eine "unzureichende finanzielle Unterstützung durch den Staat“ (57,6 Prozent) sowie eine langsame Verwaltung (53,9 Prozent). Die Handelskammer wolle durch Interviews besonders bürokratische Hamburger Regelungen ausmachen.

Präses rechnet mit hoher Wahlbeteiligung

Hamburgs scheidender Handelskammer-Präses Fritz Horst Melsheimer rechnet derweil mit einer hohen Beteiligung bei der Wahl zum Plenum des Interessenverbands der Wirtschaft. „Wenn ich die Resonanz sehe, dann müsste die Beteiligung deutlich gestiegen sein“, sagte Melsheimer am Dienstag bei der Vorlage des Jahresberichts 2017. Zahlen konnte er nicht nennen. Das sei erst möglich, wenn die Ergebnisse der seit Mitte Januar laufenden Wahl am Wochenende vorlägen, sagte Melsheimer. Bei der jüngsten Kammerwahl lag die Beteiligung bei unter zehn Prozent.

Zur Wahl aufgerufen sind alle rund 160 000 Mitgliedsunternehmen der Handelskammer. Um die 58 Sitze bewerben sich 133 Männer und Frauen. Die Kammerwahl, die in der Regel ohne großes öffentliches Interesse bleibt, ist in diesem Jahr von besonderer Brisanz, weil drei verschiedene Bündnisse gegeneinander antreten und aktiv Wahlkampf betreiben. Neben den sogenannten „Kammerrebellen“ der Gruppierung „Die Kammer sind WIR“ kandidieren auch die Reformer der Gruppe „Unternehmer für Hamburg“ sowie die der aktuellen Kammerführung nahestehende Initiative „Vorfahrt für Hamburg. Starke Kammer“.

Wenn das Wahlergebnis feststeht, werde das neue Plenum erstmals im April zusammenkommen und im Mai das neue Präsidium samt Präses wählen, sagte Melsheimer. Sorgen um die Zukunft der Handelskammer mache er sich dabei nicht. „Das Haus ist 352 Jahre alt, hat acht Staatsformen erlebt, zehn Währungen und war immer zukunftsgewandt.“ Zuletzt war die Handelskammer mehrfach in Turbulenzen geraten. Dabei ging es um politische Äußerungen von Präses Melsheimer, um das Gehalt des Geschäftsführers Hans-Jörg Schmidt-Trenz, um großzügige Rentenzahlungen und um überhöhte Beiträge für die Unternehmen.