Hamburg

Abschied vom Tütchen

Liebe Eltern,
der Geburtstag Ihres Achtjährigen naht, und es ist ja schon schlimm genug, 600 Euro für Geschenke sowie Eintritt und Verpflegung in der professionellen Kinderbespaßungsanstalt ausgeben zu müssen, weil man sich mit selbst gebackenem Kuchen und Topfschlagen einfach nicht mehr sehen lassen kann. Noch schlimmer ist, dass der in diesem Fall wirklich böse Kapitalismus auch noch das „Mitfreu-Geschenk“ für Geschwister etabliert hat (was akzeptabel wäre, wenn es auch Mitfreu-Gehaltserhöhungen und Mitfreu-Punkte nach verlorenen Fußballspielen gäbe). Am allerschlimmsten ist aber, dass der teuflische Kommerz es auch noch geschafft hat, der Geburtstagsgast-Rasselbande zum Abschied ein Abschieds-Tütchen mit Geschenkchen in die Hand drücken zu müssen.

Hier nun aber sind alle roten Linien und auch der Rubicon überschritten. Es ist sogar an der Zeit, sich zu wehren. Da alle pädagogischen Vorgehensweisen hier völlig sinnlos sind, bleibt nur die psychologische Kriegsführung – in diesem Fall gegen die anderen Eltern.

Deswegen empfehle ich Ihnen an dieser Stelle ein paar Geschenke für die nächsten Mitnehmtütchen, die ihre abschreckende Wirkung (auf die anderen Eltern) nicht verfehlen werden: zum Beispiel ein schönes Panzer- oder Schlachtschiff-Quartett (gibt’s günstig bei Ebay), ersatzweise kleine Wehrmachtsfiguren oder Messerschmitt-109-Bausätze – gut aufgehoben in den Händen von Achtjährigen. Wichtig ist der Lärm- und Nervaspekt – eine blinkende Trillerpfeife erfüllt diesen Zweck garantiert. Und schön an den Gesundheitsfaktor denken: In jedes Gäste-Tütchen gehören deshalb milchzahnsofortzersetzende Süßigkeiten von undefinierbarer Konsistenz in giftgrünen Farben. Am besten mit Natriumhy­drogencarbonat, Natriumcyclamat, Acesulfan-K und Saccharin-Natrium, Beta-apo-8’-Carotinal und kupferhaltigen Komplexen. Danach die Abteilung Schmutz nicht vergessen: Verlässlich unabwaschbar ist Glitzerkleber. Mit der Schleimschnecke, einem Glibberviech, das an der Decke kleben bleibt, sofort färbt und sich ohne Neuanstrich nicht entfernen lässt, wird ein ähnlicher Effekt erreicht.

Diese Methode hat auf jeden Fall Erfolg. Entweder die anderen Eltern verstehen den zarten Hinweis, und das Abschiedstütchen wird abgeschafft – oder sie verbieten ihren Kindern, bei Ihnen je wieder eines anzunehmen.