Arbeitskampf

Straßenkampf in Hamburg für mehr Geld und Anerkennung

3500 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes beteiligten sich am Warnstreik . Einschränkungen gab es aber nur in den Kundenzentren.

Hamburg.  Der Teufel hat zumindest Humor. „Willkommen in der Sparhölle“ steht auf dem kleinen Plakat, das ein Demonstrant mit Hörnern, fieser Grinse-Maske und langer roter Nase vor dem Bauch trägt. Hölle Hamburg?

Das ist, angesichts von Tarifsteigerungen um jeweils zwei bis drei Prozent in den vergangenen Jahren und in Anbetracht eines stetig wachsenden Personalkörpers der Stadt auf den ersten Blick eine erstaunlich teuflische Sichtweise. Doch sie spiegelt die Gefühlslage der gut 3500 Beschäftigten aus Behörden, Schulen und Landesbetrieben, die sich im Rahmen eines Warnstreiks an diesem Morgen auf dem Domplatz in der Innenstadt versammelt haben: Sie fühlen sich im Vergleich zur freien Wirtschaft unterbezahlt und nicht genug wertgeschätzt.

Die Arbeit wird mehr

Denn auch das gehört zur Wahrheit: Hamburgs Einwohnerzahl wächst jedes Jahr um 10.000 Menschen, und „nebenbei“ müssen sich die Mitarbeiter der Stadt seit 2014 auch noch um die Unterbringung und Integration von mittlerweile rund 50.000 Flüchtlingen kümmern. Mit anderen Worten: Die Arbeit wird mehr. Auf den Plakaten wird daher vielfach schlicht um Anerkennung gebettelt: „Ohne uns läuft keine Schule“ steht da, oder es wird gefordert „Aufwertung/Entlastung jetzt“.

„Hamburg ist teuer und die Lebenshaltungskosten steigen immer mehr an“, sagt Sieglinde Frieß, Fachbereichsleiterin Bund, Länder und Gemeinden bei Ver.di Hamburg. „Eure Arbeitsbedingungen sind unglaublich und kräftezehrend“, ruft sie den Teilnehmern des Warnstreiks zu. „Und wenn das alles so ist, dann ist es nur gerecht und billig, dass Ihr das bekommt, was Ihr auch verdient: nämlich mehr.“

Auffallend viele Schulbeschäftigte streiken

Außer sechs Prozent mehr Gehalt fordern die Gewerkschaften auch die Abschaffung sachgrundloser Befristungen sowie für Auszubildende 90 Euro mehr im Monat und eine verbindliche Übernahmeregelung. Die Arbeitgeber haben diese Forderungen bislang zurückgewiesen und kein eigenes Angebot vorgelegt. Die Tarifverhandlungen finden zentral für alle Bundesländer in Potsdam statt und werden vom 16. bis 18. Februar fortgesetzt. Für Dienstag, 14. Februar, haben die Gewerkschaften weitere Warnstreiks angekündigt.

Unter den Streikenden sind auch auffallend viele Schulbeschäftigte. Was sie auf die Straße treibe? „Mehr Kohle“, sagt eine Mitarbeitern der Schule Bekkamp in Jenfeld, die im Gegensatz zu verbeamteten Lehrern an dem Streik teilnehmen durfte. Außerdem wehren sie und ihre Kolleginnen, die vor allem mit geistig behinderten Kindern arbeiten, sich dagegen, dass Pädagogen, Therapeuten, Erzieher und andere Berufsgruppen künftig alle in einen Topf mit der Aufschrift „PTF – Pädagogisch-therapeutisches Fachpersonal“ geworfen und entsprechend flexibel eingesetzt werden sollen. „Man lässt ja auch keinen Maurer elektrische Leitungen verlegen“, schimpft ein Mitarbeiter. Und seine Kollegin ergänzt: „Es gibt kein Angebot für mehr Geld, und dann will man auch noch unsere Arbeitsbedingungen verschlechtern.“

Keine größeren Einschränkungen im Unterricht

Nach Angaben der Schulbehörde gab es aber keine größeren Einschränkungen im Unterricht oder in der Ganztagsbetreuung: „Die Schulen haben streikbedingte Personalausfälle durch verbeamtetes Personal ausgeglichen“, sagte Sprecher Peter Albrecht. Auch Bettina Lentz, Leiterin des Personalamts der Stadt, sagte, es seien „keine größeren gesamtstädtischen Auswirkungen gemeldet worden“. In einzelnen Kundenzentren habe es allerdings Einschränkungen gegeben.

So war das Kundenzentrum St. Pauli komplett geschlossen, das Kundenzentrum Wilhelmsburg bediente nur Bürger mit Termin, in Neugraben mussten einige Termine abgesagt werden, und das Bezirksamt Nord meldete, dass der Zulauf von Kunden aus anderen, stärker bestreikten Behörden zu längeren Wartezeiten geführt habe. Alle Terminkunden seien aber bedient worden.

Es gehe ja nicht darum, die Stadt lahmzulegen, sagt Thomas Auth-Wittke, Personalratsvorsitzender im Bezirksamt Bergedorf, bei der Abschlusskundgebung am Besenbinderhof. „Wir wollten unsere Forderungen sichtbar auf die Straße tragen, das ist uns gelungen.“ Er hoffe, dass die Arbeitgeber nun endlich reagieren und es kommende Woche ein Ergebnis gibt.