Touren

Mit Eseln durch Hamburg und den Sachsenwald wandern

Eselwandern mit dem Ehepaar Kirsch aus Bergedorf

Eselwandern mit dem Ehepaar Kirsch aus Bergedorf

Foto: Klaus Bodig

Ehepaar Kirsch bietet stressgeplagten Großstädtern Touren – die bieten Naturerlebnis, Entschleunigung und Gemeinschaftsgefühl in einem.

Hamburg.  Angefangen hat alles bei den Ebay-Kleinanzeigen. Zwischen Babyklamotten und Autoersatzteilen wurde Andreas Kirsch fündig. „Das Angebot klang seriös“, sagt er. Und obwohl dringend davon abgeraten wurde, Tiere bei Ebay zu kaufen, setzte er sich mit seiner Frau Karin ins Auto, um das „seriöse Angebot“ auf einem Hof nahe Stuttgart in Augenschein zu nehmen. Und da stand es. Gut gewachsen, wohlerzogen, kerngesund: Paula und Pinu’u, Stute und Wallach – zwei Hausesel wie aus dem Bilderbuch. „Genau das, was wir gesucht haben“, sagt Kirsch. Im Mai 2016 konnte das Abenteuer „Eselei“ in Bergedorf beginnen.

Im Februar 2017, drei Eselseminare und einen Sachkundenachweis später, führt der Bergedorfer sein Eselpärchen schon sehr selbstverständlich die steilen Treppen des Geesthangs hinauf. Auf dem Weg rupfen die guten Kletterer hier Blätter von den Büschen, staunen da über zwei Hunde. Es geht gemächlich voran. Zwischendurch bockt Wallach Pinu’u, dabei sei sonst Paula die mit den Allüren, erzählt der 58-Jährige. Nach etwas Überzeugungsarbeit geht es weiter. „Esel lassen sich nichts befehlen, die muss man bitten“, weiß Kirsch. Ziel der Reisegruppe: die Sternwarte ganz oben.

Kindergeburtstage und Eselbesuche in Schulen

„Wandern mit Eseln“ heißt das neue touristische Angebot, das Andreas Kirsch in Hamburg unterbreitet. Dafür hat der ehemalige Blohm+Voss-Manager noch vor seiner Rente den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Mit seiner „Eselei“ biete er nun stressgeplagten Großstädtern Naturerlebnis, Entschleunigung und Gemeinschaftsgefühl in einem.

Ob bei Tageswanderungen, Kindergeburtstagen oder Eselbesuchen in Schulen. Die Wanderungen mit dem stoischen Huftier würden das Tourismusangebot im Osten der Stadt um eine Facette reicher machen. Kein Wunder, dass Kirsch auch bei der Messe „Reisen Hamburg“ dabei ist.

Sein erstes Kuscheltier sei zwar ein Esel gewesen, sagt Andreas Kirsch. Aber gut 50 Jahre sei er auch ganz gut ohne Equus asinus asinur ausgekommen. „Wir waren jedenfalls nicht sonderlich eselaffin.“ Da sei nur immer diese „Schnapsidee“ gewesen: „Wir wollten uns in den Bergen zur Ruhe setzen und haben immer gescherzt, dass wir dann, alt und klapprig, wohl einen Packesel bräuchten.“

Am Ende sei aus den Bergen nichts geworden, aus den Eseln schon. „Es sind Tiere mit Charakter. Die haben ihre eigene Persönlichkeit und ihren eigenen Willen, man muss sie überzeugen. Das gefällt mir.“ Und ganz vielen anderen Menschen gefallen die Tiere auch. Der Esel ist nicht nur Lasten-, sondern Sympathieträger, und zwar bei Jungen und Mädchen gleichermaßen.

Durch den Sachsenwald oder an der Bille entlang

Und da stehen sie nun, frisch gestriegelt auf einer großen Koppel hinter dem Haus: Pinu’u, sechs Jahre alt, und Paula, acht. Ihre Leibspeise, abgekaute Weidenäste, um sie verteilt. Fünfmal am Tag wird gefüttert. „Ein bisschen wie bei kleinen Kindern“, sagt Karin Kirsch. „Eseldienst“ heißt das innerfamiliär. Und wehe, das Futter ist nicht um 7 Uhr auf der Koppel. „Dann wird lautstark gewiehert.“ Im Sinn von: I-A! Die Tiere hätten definitiv eine eingebaute Uhr.

Tatsächlich ist das betreute Wandern mit Eseln besonders. Da wird geschnaubt, gestoppt und geschmatzt. Ein Auge ist immer auf die Befindlichkeit der tierischen Begleitung gerichtet. Das schafft neue Reize, der Weg ist hier tatsächlich mal das Ziel. Schon in ihrer baden-württembergischen Heimat wurden die Tiere als Wanderesel eingesetzt. Das heißt: auf ihnen wird nicht geritten, mit ihnen wird spaziert. „Bei den Ausflügen tragen sie das Gepäck und das Picknick“, sagt Andreas Kirsch. „Nicht die Leute.“ Das Führen, der Umgang und das Gehen mit den Tieren schaffe die wahre Entspannung. „Kinder vergessen dabei oft, dass sie eigentlich gar keine Lust auf weite Strecken haben.“

Die Touren führen über den Geesthang, durch den Sachsenwald, die Boberger Dünen oder an der Bille entlang. Aber auch ans Elbufer. „Das war für die Esel ganz neu. Die mussten sich erst mal an das Tuckern der Binnenschiffe gewöhnen“, sagt Karin Kirsch. Alles Unbekannte werde von den vorsichtigen Tieren genau inspiziert, das führe zu manch willkommener Zwangspause. Stichwort: Entschleunigung. Leitmotiv der Esel beim Wandern sei ohnehin: neue Fressgründe erschließen. Sie hätten zwar nicht immer Hunger, aber permanent Appetit. Mit Eseln wandern hieße auch immer: Neues entdecken.

„Die Eselei“ im Internet: www.klangohren.de