Hamburg

Niemand will Obdachlosem mit Wohncontainer helfen

Die Übernachtungscontainer des Hamburger Winternotprogramms für Obdachlose. Dieses kommt für Klaus nicht in Frage, da er auch tagsüber auf seine Unterkunft angewiesen ist

Die Übernachtungscontainer des Hamburger Winternotprogramms für Obdachlose. Dieses kommt für Klaus nicht in Frage, da er auch tagsüber auf seine Unterkunft angewiesen ist

Foto: Markus Scholz / dpa

Seit zwei Monaten sucht Max Bryan vergeblich einen Wohncontainer-Stellplatz für seinen Freund Klaus. In Hamburg findet er keine Hilfe.

Hamburg. Unter dem Motto «Ein Herz für Klaus» sammelte der ehemalige Hamburger Obdachlose und Blogger Max Bryan (41) mehr als 5.500 Euro. Mit dem Geld wollte er einen Wohncontainer für einen alten Kumpel und Weggefährten namens Klaus (61) besorgen, der dringend eine Bleibe für den Winter braucht. Der Stromanschluss sollte für sechs Monate vorfinanziert werden, die Sanitärprobleme würde ein beheiztes Dixi-Klo regeln. Das einzige, was fehlte, war ein Stellplatz.

Das war im November 2016 – und der Stellplatz fehlt noch immer. Seit nunmehr über zwei Monaten sucht Max Bryan zunehmend verzweifelter nach irgendeiner Lösung. "Es ist ein zermürbender Prozess und eine ständige Bittstellerei für ein bisschen Hilfe", sagt er. Seinen kranken Freund Klaus hat er mittlerweile in einem Zimmer untergebracht, dessen Miete aber die Spendensumme langsam aufzehrt. Und auch der Container wurde schon vorfinanziert, weil er sich nicht vorstellen konnte, wie schwierig es werden würde.

Appelle an 250 Stellen

Appelle um Unterstützung gingen an 250 Kirchengemeinden und Pastoren, an Sport- und Parkplatzbetreiber, Hafenbehörde, Deutsche Bahn und Hochbahn, Hochschulen und Hamburg-Messe – doch es kamen immer nur Absagen, auf über 700 Seiten akribisch protokolliert in seinem Internet-Blog. "Viele würden gerne helfen, dürfen aber nicht", sagt Bryan. Manche Kirchengemeinden haben bereits Wohncontainer bei sich stehen, und die sind belegt. Oder ihre Gemeindeflächen gehören der Stadt – und die Bezirksämter würden keine Genehmigung erteilen.

"Das normale Winternotprogramm kommt für Klaus nicht in Frage", sagt Bryan. Er sei "nicht gut zu Fuß" und daher auch tagsüber auf seine Unterkunft angewiesen. Unmöglich sei es aber auch, seinen Container neben die offiziellen Unterkünfte der Stadt zu stellen, erfuhr Bryan. Dies würde einen ungewollten "Präzedenzfall" schaffen, weil alle anderen Klienten die öffentlichen Einrichtungen jeweils morgens um 9 Uhr verlassen müssten – ein Umstand, gegen den die Obdachlosenzeitung "Hinz&Kunzt" und das Diakonische Werk seit Jahren vergeblich protestieren.

Im Hafen und auf Bahnanlagen dürfe man nicht wohnen, beschied man Bryan. Ähnlich sei es in Parks, öffentlichen Grünanlagen und Parkplätzen. Auch die Stellflächen am Hafenrand in der Nähe zum Fischmarkt, wo im Sommer Wohnmobile stehen, wurden ihm verwehrt. Nach dem Hamburger Wohnwagengesetz sei das Wohnen auf öffentlichem Grund ausdrücklich untersagt, hieß es. Die Formulierungen der Absagen gleichen sich alle: "... bedauern Ihnen mitteilen zu müssen, ... leider nicht möglich, ... aber mit Dank für Ihren ehrenwerten Einsatz..."

Kirchengemeinden antworteten nicht

Noch weit vor Weihnachten gründete Bryan die facebook-Initiative "Hilfe für Hamburger Obdachlose", um seiner Stellplatzsuche mehr Öffentlichkeit und Nachdruck zu verleihen – aber auch das verhalf seinem Freund Klaus zu keinem Raum für die Herberge. Die meisten der angeschriebenen Kirchengemeinden antworteten gar nicht erst.

Einziger Hoffnungsschimmer ist für Bryan jetzt noch der FC St. Pauli: Dessen Trainingsgelände an der Kollaustraße im Bezirk Eimsbüttel liegt in der "Verantwortung des Vereins" – und der Verein will offenbar helfen. Einzige Voraussetzung sei ein zustimmender Bescheid der Bauprüfabteilung des Bezirks. Geprüft werden muss, ob die "vorgesehene Wohnnutzung im Widerspruch zu der planungsrechtlichen Ausweisung" steht.

Bryan ist trotz aller Rückschläge und Absagen noch zuversichtlich, dass das klappt. Es gehe schlicht "um wenige Quadratmeter Platz für einen Obdachlosen im Winter". Für alles andere sei gesorgt, über Monate im Voraus finanziert. "Gefragt ist ein bisschen Menschlichkeit", sagt Bryan. Und das Argument mit dem "Präzedenzfall" kann er überhaupt nicht verstehen: "Was soll schon schlimm daran sein, wenn möglicherweise ein, zwei andere kommen, die auf ähnliche Weise helfen wollen?" Er will einfach die Hoffnung nicht aufgeben.