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Andres Lehmann ist der Legomann aus Lokstedt

Andres Lehmann liebt und lebt Lego. Auf acht Quadratmetern hat er sich seine eigene Welt erschaffen

Andres Lehmann liebt und lebt Lego. Auf acht Quadratmetern hat er sich seine eigene Welt erschaffen

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Der gelernte Stadtplaner baut leidenschaftlich gern mit den bunten Plastiksteinchen. Er kann als Blogger sogar davon leben.

Hamburg.  Groß ist hier nur er selbst. Wie ein Riese wirkt Andres Lehmann mit seinen 1,97 Metern in seiner Mini-Welt mit den Plastikmännchen und ihren eckigen Gesichtern. Andres Lehmann ist der Legomann aus Lokstedt. Er baut Legowelten aus Leidenschaft und verdient mit den bunten Steinen auch sein Geld.

Lego überall, verteilt auf acht Quadratmetern. Das ist der Platz, dem ihm seine Freundin und seine zwei Töchter in der Wohnung zugestanden haben. Aber hey: Er hat sein eigenes Legoreich. Andere Väter haben ihren Hobbykeller, Andres Lehmann hat ein Spielzimmer, das er Arbeitszimmer nennt. Die Steine – lange, kurze, graue, bunte, mit und ohne Noppen – sind in 60 Plastikkisten sortiert. Ordnung muss sein. „Ohne Sortierungssystem ginge das gar nicht“, sagt der Mann, der in seinem früheren Leben Bankkaufmann und Stadtplaner war. Städte und Szenerien plant er immer noch, nur viel kleiner.

Einige Steine stammen noch aus seiner Kindheit

Dort eine Reihe von Figuren auf dem Regalbrett, gegenüber ein Wohnturm, in dem Chewbacca aus Star Wars hinter einer Plastikfensterscheibe steht, und Londons Wahrzeichen Big Ben gibt es gleich dreifach in unterschiedlichen Größen, daneben die Tower Bridge und Houses of Parliament, an anderer Stelle steht das London Eye – in der Realität ist das Millennium Wheel 135 Meter hoch, aus Lego rund 15 Zentimeter.

„Es handelt sich um ein Set der LEGO-Architecture-Reihe, Zielgruppe ausgewachsene Erdenbürger“, sagt der Fachmann. Nach einem London-Trip hatte sich der 37-Jährige das passende Set gekauft und aufgebaut. „London hatte mich gepackt.“ Natürlich kommt Lehmann immer mal wieder raus aus seinem Acht-Quadratmeter-Lego-Imperium. Dann verreist er und entdeckt zu Fuß europäische Metropolen.

Herzstück in seinem Plastikreich ist die Kasseler Königstraße. Nicht detailgetreu, aber detailverliebt. Die Haupteinkaufsstraße in der hessischen Stadt war Vorbild, als Andres Lehmann die Häuser gebaut, die Bahnschienen verlegt und die Straßenbahn hingestellt hat. Die Züge fahren mit 9-Volt-Antrieb aus der Steckdose und nicht per Batterie wie die modernen Modelle. Die Gleise und Züge stammen noch aus seinem Kinderzimmer, früher in Fritzlar.

Ein Hausbau dauert bis zu zehn Stunden

Denn die Legoleidenschaft hatte er schon als kleiner Junge und sie ist geblieben. Trotz Ausbildung, Studium, Freundin, Umzug nach Hamburg und eigenem Nachwuchs: Lego war immer da. Lego City, die Eisenbahn und Lego Piraten waren sein Thema als Kind. Heute kauft er sich Häusersets für 150 Euro und baut sie abends zusammen.

Bei 4002 Teilen kann das Zusammenbauen bis zu zehn Stunden dauern. Lego als Entschleunigung: „Das ist eine Entspannungsform, mal losgelöst von der digitalen Welt“, sagt Lehmann. Dieses Haptische, dieses Greifen in die kantigen Steine, bis die Finger wund werden. „Es ist immer wieder neu und überraschend, was entsteht. Ich kann bauen, was ich im Sinn habe, es gibt keinerlei Hürden“, sagt Andres Lehmann.

Wie für einen Sammler typisch, hat Lehmann natürlich niemals etwas weggeschmissen und so stecken in den schätzungsweise 75.000 verbauten Steinen in diesem Zimmer sicherlich auch Steine oder Legofenster aus Kindertagen.

„Ukonio City“ heißt seine Fantasiewelt. Es ist fast eine Parallelwelt, so viel Zeit verbringt Lehmann in seinem Legozimmer. Hier baut er nicht nur neue Häuser, von dem Zimmer aus betreibt er auch seit zwei Jahren seine Internetseite www.zusammengebaut.com – seine Arbeit mit den Steinchen ist nicht nur Hobby, sondern auch Hauptberuf. Lehmann schreibt unter anderem als Blogger über Legomessen und -ausstellungen, interviewt Größen aus der Legowelt, testet neue Bausets und schreibt Bewertungen. „Aber es fühlt sich trotzdem wie ein Hobby an“, sagt er.

Lego ist nicht nur etwas für Kinder

Lego – das ist nicht nur etwas für Kinder, sondern auch etwas für AFOLs, was in der Fachwelt „adult fan of lego“ heißt. Für Erwachsene werde viel entwickelt, das sei ein großer Markt, sagt Lehmann und wirft gleich noch ein paar Fachausdrücke in den Raum. Legobauer stecken die Teile entweder nach der MOD-Methode zusammen, das bedeutet „modified“. Dabei werden Sets ergänzt. Bei der MOC-Methode („my own creation“) bauen die Hobby-Architekten etwas nach eigenen Vorstellungen. Setzt sich eine Erfindung durch, kann sie sogar in Serie gehen. Die fünfjährige Tochter von Andres Lehmann übrigens geht das Ganze nach der Freestyle-Methode an. Sie spielt einfach damit.

www.zusammengebaut.com