Altenwerder

Kokainschmuggler von 1995 wird nach Hamburg überstellt

Beteiligte bei der Sicherstellung von etwa 150 Kilo Kokain, das außen an einem Frachter angebracht war

Beteiligte bei der Sicherstellung von etwa 150 Kilo Kokain, das außen an einem Frachter angebracht war

Foto: Andre Zand-Vakili

Festnahme nach so genannter Schleierfahndung. Der 46-Jährige soll damals zu den Froschmännern gehört haben.

Hamburg.  Es war einer der spektakulärsten Drogenfunde im Hamburger Hafen. Am 20. November 1995 entdeckten Polizeitaucher 150 Kilo Kokain als sogenannte „Torpedos“ verpackt am Rumpf des kolumbianischen Massengutfrachters „Indomitable“. Jetzt, 21 Jahre später, ist einer der an dem Drogenschmuggel beteiligten Männer verhaftet worden. Beim Grenzübertritt von Tschechien nach Bayern nahmen ihn Polizisten fest. Der Mann soll zu den Froschmännern gehören, die im Auftrag der Kokainschmuggler das Rauschgift an Land holen sollten.

Schleierfahndung im Grenzbereich

Es war eine sogenannte Schleierfahndung im Grenzbereich nahe der Stadt Furth im Wald, bei der der heute 46 Jahre alte Mann am 28. Dezember festgenommen wurde. Die Polizei hatte eine kleine Kontrollstelle eingerichtet. Routine. Dann tauchte ein Auto mit griechischem Nummernschild auf, in dem zwei Männer und eine Frau saßen. Der 46-Jährige hatte die Tat offenbar völlig verdrängt. Als ihm eröffnet wurde, dass gegen ihn ein Haftbefehl besteht, soll er ungläubig geguckt haben.

Der ursprüngliche Haftbefehl stammt vom 20. Oktober 1999. Damals waren von der gemeinsamen Ermittlungsgruppe aus Zoll und Polizei beim Landeskriminalamtes Hamburg zumindest die Handlanger identifiziert worden, die im Taucheranzug am Sandauhafen von Arbeitern überrascht worden waren. 2015 war der Haftbefehl, der alle drei Jahre überprüft wurde, neu aufgelegt worden.

Für den 46-jährigen Griechen, der mit seinen Bekannten eine Europatour machen wollte und nach einem Besuch von Prag in Richtung München unterwegs war, um dort den Jahreswechsel zu feiern, war die Reise damit beendet. Er wird nach Hamburg überstellt werden. Hier wird gegen ihn wegen der vor 21 Jahren begangenen Tat verhandelt.

Bewährungsstrafe ist denkbar

Dass ihn die volle Härte des Gesetzes trifft, ist eher unwahrscheinlich. „Der Zeitablauf seit einer Tat wird bei der Strafzumessung berücksichtigt. Vor allem, wenn die betreffende Person seitdem in Deutschland nicht mehr straffällig geworden ist“, sagt Nana Frombach, Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Auch bei einer Menge von 150 Kilo Kokain sei so eine Bewährungsstrafe durchaus drin. Kokain wurde damals oft mit solchen Schiffen von Südamerika nach Hamburg geschmuggelt. Das Rauschgift selbst war von höchstem Reinheitsgrad. Für den Straßenverkauf wäre es um das Vielfache gestreckt worden.

Den größten Kokainfund machte die Hamburger Polizei 2010, als 1,3 Tonnen Kokain sichergestellt werden konnten. Das Rauschgift war in einer Ladung Holzbriketts aus Paraguay versteckt gewesen. Taxiert wurde der Wert des Kokains damals mit um die 40 Millionen Euro. Vor knapp einem Jahr waren es 116 Kilo Kokain, die Zöllner bei zwei Kontrollen auf einem brasilianischen Frachter entdeckten. Dass Kokain wie 1995 von Schmugglern außenbords an Schiffen angebracht wird, wird kaum noch festgestellt. Heute werden Drogen in der Ladung geschmuggelt.