Hamburg

Beim CCH rollen die Abrissbagger an: Straße gesperrt

Visualisierung zum Neubau  des CCH

Visualisierung zum Neubau des CCH

Foto: Kludasch, André

Congress Center wird nach Sanierung im Herbst 2019 neu eröffnet. Internationale Tagungen als Zielgruppe. Marseiller Straße gesperrt.

Hamburg.  Es ist aktuell das wohl größte Sanierungsprojekt der Stadt. 194 Millionen Euro sind dafür veranschlagt, die Wiedereröffnung ist für Herbst 2019 geplant. Die Rede ist von der Revitalisierung des Congress Center Hamburg (CCH) an der Marseiller Straße. Der Anfang der 1970er-Jahre eröffnete Gebäudekomplex wurde zum Jahresanfang geschlossen, die Baumaßnahmen haben begonnen.

Der Ostteil der in die Jahre gekommenen Immobilie wird abgerissen und neu gebaut, der Eingangsbereich völlig neu gestaltet inklusive eines Foyers, das sich über vier Etagen erstreckt. Den Wettbewerb für die Gestaltung der Außenfassade hatte bereits 2015 die Architektengemeinschaft agn/Leusmann/Tim Hupe für sich entschieden (wir berichteten).

Marseiller Straße seit Anfang Januar gesperrt

Im Zuge der Bauarbeiten ist die Marseiller Straße seit Anfang Januar gesperrt. Später wird die Straße zugeschüttet, hier soll eine rund einen Hektar große Grünfläche entstehen, die als Erweiterung für Planten un Blomen genutzt wird. Der Bahnhof Dammtor soll nach dem Umbau über eine barrierefreie Rampe mit dem CCH verbunden sein. Der Dag-Hammarskjöld-Platz – so heißt der Bahnhofsvorplatz – soll neu gestaltet werden und einen direkten Zugang zum Park erhalten.

Die Frischzellenkur für das 1973 eröffnete Kongresszentrum ist dringend notwendig: „Das CCH soll zu einem der modernsten Kongresszentren Europas werden. Das ist ein Megaprojekt für die ganze Metropolregion Hamburg“, sagte Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) dem Abendblatt.

Von der CCH-Revitalisierung sollen die Hamburger ebenso wie Gäste aus dem In- und Ausland profitieren: „Viele Veranstaltungen sind ein Schaufenster für auswärtige Teilnehmer, in dem Hamburg seine Kompetenz und Attraktivität demonstrieren kann“, so Horch. Die Zielgruppe seien vor allem auch internationale Tagungen. Von den Ausgaben der Teilnehmer würden auch der Tourismus und der Einzelhandel profitieren, so Horch weiter.

Hamburg auf dem Weg zur Internationalisierung

Die Vorteile sieht auch Michael Otremba, Geschäftsführer des Hamburg Convention Bureaus (HCB): „Mit dem neuen CCH eröffnen sich für den Standort neue und vielversprechende Möglichkeiten, denn Hamburg wird nach der Revitalisierung deutlich angebotsfähiger in Bezug auf Großkongresse als bislang sein.“ Nach der Elbphilharmonie sei das neue CCH ein weiterer wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Internationalisierung der Stadt.

Die FDP sieht dringenden Handlungsbedarf: „Der Ausbau des CCH ist lange überfällig. Hamburg braucht endlich ein Messe- und Kongresszentrum, das internationale Standards erfüllt“, sagt FDP-Wirtschaftsexperte Michael Kruse. Dazu gehöre auch, dass der Senat nun endlich weitere Messen und Kongresse nach Hamburg hole.

Im vergangenen Jahr hatte das CCH rund 305.000 Besucher

Die Erwartungshaltung ist groß, die Stadt geht nach dem Abschluss der Bauarbeiten im Herbst 2019 von einer Steigerung der Auslastung von etwa 55 auf 75 Prozent aus. Im vergangenen Jahr hatte das CCH rund 305.000 Besucher und 228 Veranstaltungen, zuletzt tagte hier der Chaos Computer Club. Bis zur Wiedereröffnung des CCH müssen die Kunden nun auf Alternativstandorte zurückgreifen. Eine Ausweichmöglichkeit sind die Messehallen.

Die Revitalisierung ist eine Herausforderung für die städtische Sprinkenhof GmbH, die als Realisierungsträger plant und baut: In diesen Tagen wird mit dem „weichen Abbruch“ begonnen. Das heißt, die Einbauten im Gebäude werden entfernt und dann die darunter liegenden Schadstoffe beseitigt. Dabei handelt es sich wie bei vielen Gebäuden aus den 70er-Jahren um Asbest und PCB. Nach Abendblatt-Informationen sind allein dafür rund sieben Millionen Euro im Budget eingeplant.

Erst nach der Schadstoffbeseitigung soll im Februar mit dem Abbruch des Vorfahrtbauwerks und im Mai mit dem Abbruch des Ostteils des Altbaus begonnen werden. Die Zufahrt zur Tiefgarage erfolgt nicht mehr über die Marseiller Straße, sondern über die Tiergartenstraße.

Die wesentlichen Aufträge für die Maßnahmen seien bereits vergeben, letzte Ausschreibungen sollen im ersten Halbjahr dieses Jahres abgeschlossen werden, sagte Projektleiter Hellmut Körner dem Abendblatt.

Nach der Sanierung sollen etwa 12.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche, 12.000 Quadratmeter Foyerfläche und 12.000 Sitzplätze in bis zu 50 Sälen zur Verfügung stehen.

Ein Saal für bis zu 950 Teilnehmer

Im Ostteil, der abgerissen und neu errichtet wird, sind unter anderen ein Saal für bis zu 950 Teilnehmer und mehrere flexible Tagungsräume auf zwei Ebenen vorgesehen. Das neue CCH solle vor allem einladender und großzügiger sein, zudem könnten mehrere Veranstaltungen parallel durchgeführt werden, was der Auslastung zugute komme, so Körner.

Der Westflügel, ein 2007 eröffneter Anbau, soll nicht neu gestaltet werden. Das CCH wurde bislang betrieben von der städtischen Hamburg Messe und Congress GmbH (HMC). Ab 2019 muss eine Miete von 2,7 Millionen Euro pro Jahr – zunächst fünf Jahre lang – an die Stadt bezahlt werden.

Die Pläne, ein weiteres Hotel in der Nähe des CCH zu errichten, wurden verworfen. Eine Option war, ein Gebäude in Höhe der St. Petersburger Straße/Ecke Marseiller Straße zu bauen, am Rande der neuen Grünfläche, die als Erweiterung von Planten un Blomen entsteht. Allerdings unterstützt die Stadt die Pläne der benachbarten Bucerius Law School, an der Marseiller Straße einen Erweiterungsbau zu errichten.