Hamburg

Hamburg ist das schönere Berlin

Heiligabend, 20.15 Uhr. Der Braten ist verdrückt, für ein paar Plätzchen ist noch Platz, und der ARD-Weihnachtsfilm „Stille Nächte“ ist zum Lachen und Weinen. Herz, was willst du mehr? Wäre da nicht dieser kleine Schönheitsfehler.

Die kesse Berliner Friseurin Rita, gespielt von der brillanten Katharina Schüttler, setzt sich betrunken ans Steuer, was schon schlimm genug ist, von wegen Vorbildfunktion und so. Erst sieht man sie die Friedrichstraße in Berlin-Mitte herunterfahren, während sie grölt: „Berlin! Berlin! Wir fahren durch Berlin!“ Dann blinken plötzlich Blaulichter in der Dunkelheit. Polizeikontrolle!

Und was sieht der Zuschauer? Ein U-Bahn-Viadukt, wie man es auch in Berlin gefunden hätte. Oder wie der Hamburger Ex-Kanzlerkandidat in Berlin, Peer Steinbrück, sagen würde: „Hätte, hätte – Fahrradkette ...“ Tatsächlich sehen die Zuschauer das U-3-Viadukt zwischen Rödingsmarkt und Rathaus in der Hamburger Altstadt, davor stehen ein Streifenwagen mit Berliner Kennzeichen und Katharina Schüttler, die beherzt ins Röhrchen pustet (Rita: „Sie meinen blasen?“ Polizist: „Genau.“).

Und dann rattert auch noch ein alter, silberroter Hamburger U-Bahn-Zug durch die Szene, die wohlgemerkt in der Hauptstadt spielt, wo alle U-Bahn-Züge gelb sind. Da erkennt selbst der dümmste Zuschauer, dass Hamburg offenbar das schönere Berlin ist.

Na gut: In dem Familiendrama geht es hauptsächlich um Lebenslügen, da macht die kleine U-Bahn-Drehort-Lüge den Weihnachtsbraten auch nicht mehr fett. Schließlich diente die Hamburger U-Bahn schon vor rund 50 Jahren als Kulisse für Jerry-Cotton-Filme, die ausschließlich in New York spielten. Fragt sich nur, warum immer noch die gleiche alte Baureihe DT3 durch Hamburg ruckelt wie vor einem halben Jahrhundert.