Wetter

Orkanartiger Sturm: Flugzeuge landen schwankend

Baum stürzt auf Gleise der S3. Sylt Shuttle stellt Betrieb ein. Haus muss evakuiert werden. Überschwemmungen in der HafenCity?

Hamburg. Stürmischer Abschluss der Weihnachtstage: Der Deutsche Wetterdienst hat am Montag für Schleswig-Holstein und Hamburg eine Sturmwarnung herausgegeben. Am Abend und in der Nacht werde Tief „Barbara“ mit orkanartigen Böen und Geschwindigkeiten von bis zu 115 km/h über den Norden hinwegziehen.

Auch Graupelgewitter ziehen in der Nacht über Hamburg und den Norden. Auf der A7 haben daher einige Autos mit Glätte zu kämpfen, entgegen anderslautenden Meldungen kam es aber nicht zu Blitzeis. Wegen umgestürzter Bäume mussten Polizei und Feuerwehr diverse Male ausrücken. Personen seien nicht zu Schaden gekommen. In Langenhorn musste ein Haus evakuiert werden, weil ein Baugerüst auf das Gebäude zu stürzen drohte. Im Nahverkehr ist seit 20.45 Uhr die S-Bahn-Strecke der Linie S3 zwischen den Haltestellen Stade und Neugraben wegen eines auf die Gleise gestürzten Baumes gesperrt. Die Deutsche Bahn hat einen Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet.

Das vom Fraunhofer Institut betriebene Katastrophenfrühwarnsystem Katwarn schickte am Montagabend um 20.47 Uhr eine amtliche Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes für Hamburg und das Umland auf alle registrierten Smartphones. Betroffene des Unwetters wurden gebeten, Fenster und Türen geschlossen zu halten sowie Gegenstände im Freien zu sichern. Nach etwa einer halben Stunde wurde die Unwetterwarnung aufgehoben.

Flugzeuge schwanken in Fuhlsbüttel

Dennoch sei der Sturm längst nicht über Hamburg hinweggezogen. "Wir müssen weiterhin mit starken Sturmböen rechnen", warnte Alexander Hübener vom Institut für Wetter- und Klimakommunikation (IWK). Die stärkste Sturmböe sei mit 104 km/h in Fuhlsbüttel am Flughafen gemessen worden. "Es handelte sich dabei um eine orkanartige Böe der Windsträke 11", erklärte der Wetterexperte dem Abendblatt. Einige Flugzeuge sollen sogar bei der Landung beziehungsweise dem Start geschwankt haben. "Das war mit Sicherheit der Fall", bestätigte Hübener.

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Zwischen 1 und 3 Uhr sei eine Sturmflut in der Hansestadt und an den Küstenregionen der Nordsee zu erwarten. Auch wenn das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) davon ausgeht, dass die Wasserstände in der Nacht eineinhalb bis zwei Meter über dem mittleren Hochwasser liegen, rechnet das IWK sogar 2,50 Meter. Dadurch sei von einer schweren Sturmflut die Rede. "Es gibt neue Modellberechnungen und die haben sich in der Vergangenheit als präzise erwiesen", sagte Hübener, der sich auf die aktuelle Wasserstandskurve beruft. "Der Fischmarkt wird etwa 1,10 Meter unter Wasser stehen." Möglicherweise können auch Teile der HafenCity von den Überschwemmungen betroffen sein. Autofahrer werden gebeten, ihre Fahrzeuge in Sicherheit zu bringen.

Um 0.26 Uhr schickte auch Katwarn die Warnung einer schweren Sturmflut entlang der Elbe an alle registrierten Handys. Zwischen 2 und voraussichtlich 4 Uhr werden demnach einige Straßen am Uferbereich des Hafengebiets gesperrt. Das bestätigte auch der polizeiliche Lagedienst.

In den frühen Morgenstunden werde der Sturm weiter Richtung Osten ziehen. "Im Laufe des Vormittags wird sich die Wetterlage in Hamburg beruhigen", so Hübener. Bereits am Montagnachmittag hatte es Überschwemmungen in tiefliegenden Gebieten, etwa am Ufer der Elbe in Wittenbergen, gegeben.

Sylt Shuttle stellt Betrieb ein

Wegen des Sturms war am Montag auf Sylt das „32. Weihnachtsbaden“ abgesagt worden. Nachdem der Sylt Shuttle zunächst nur noch eingeschränkt fahren konnte, stellte der Autozug den Betrieb am frühen Abend ganz ein. Der Hindenburgdamm sei nicht mehr befahrbar gewesen, teilte die Deutsche Bahn auf Anfrage mit. "Es herrscht dort Windstärke 12. Weil die Fahrzeuge auf dem Sylt Shuttle teilweise sehr windanfällig sind, mussten wir zu dieser nicht ungewöhnlichen Maßnahme greifen", sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn. Der Betrieb könne wohl erst am Dienstagmorgen wieder aufgenommen werden.