Bauen auf der grünen Wiese

Neuer Stadtteil am S-Bahnhof Allermöhe

Online-Beteiligungsverfahren für Oberbillwerder gestartet. Dort sollen bis zu 15.000 Menschen wohnen

Allermöhe.  Jahrzehntelang setzte Hamburg im Wohnungsbau vor allem auf Baulücken oder ehemalige Hafenflächen – jetzt geht es auch wieder auf die grüne Wiese: „Mehr Stadt an neuen Orten“ – so lautet dazu die Losung von Hamburgs Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD). Auftakt wird in Neugraben-Fischbek sein, wo schon von 2018 an eine Art „Gartenstadt“ mit rund 2200 Wohnungen gebaut werden soll. Noch größer aber wird das Projekt „Oberbillwerder“ unmittelbar am S-Bahnhof Allermöhe im Bezirk Bergedorf.

Die städtische Entwicklungsgesellschaft IBA soll dort einen ganzen Stadtteil mit etwa 5000 bis 7000 Wohneinheiten auf dem Weg bringen. Einfamilienhäuser, Doppelhäuser, Häuser für Baugemeinschaft und auch Mietwohnungsbau – eine vielfältige Mischung soll es dort geben, heißt es. Die Zahl der Wohneinheiten wie auch Details von Geschosshöhen und Bau­linien liegen allerdings noch nicht fest und sollen sich im laufenden Planverfahren ergeben: In etwa eineinhalb Jahren soll als Basis der Masterplan fertig sein. Am Donnerstag ist dazu nun von der IBA eine Online-Befragung gestartet worden. Bis zum 22. Januar 2017 könnten Bürger für das gut 120 Hektar große Gebiet Planungsvorschläge machen.

Die ersten Hinweise deuten dann aber schon auf die Problemlagen hin: Die Planer bezeichnen den neuen Stadtteil – der auch Gewerbeflächen erhalten soll – als Oberbillwerder. Man könnte aber auch „Allermöhe 3“ sagen. Denn die dafür angepeilte Wiesenlandschaft liegt im direkten Anschluss an das in den 90er-Jahren gebaut­ Neuallermöhe-West, ein weitläufiges Areal aus Reihen- und Geschosswohnbauten, das lange den Ruf hatte, bevorzugtes Zuzugsziel von Zuwanderern aus Osteuropa zu sein. Tatsächlich dürfte der Stadtteil mit seinen vielen Wasserläufen ähnlich wie das benachbarte Neuallermöhe-Ost vor allem ein idealer Familienstadtteil sein. Auffällig sind aber die relativ strengen Gestaltungsvorschriften der Stadt, die man den Gebäuden ansieht.

„Die gewisse Gesichtslosig- und Eintönigkeit sollte hier nicht wiederholt werden“, schreibt einer der ersten Teilnehmer der Online-Befragung. Ein anderer macht sich Sorgen um die Verkehrsführung und verweist auf den Autobahnanschluss Allermöhe. Die Gefahr sei nun, dass der gesamte Verkehr durch die vorhandenen Wohngebiete fließen werde, so die Befürchtung.

Noch aber ist Zeit für die Planer, solche Hinweise zu bedenken und sie in die Entwürfe einfließen zu lassen. Workshops, Infoveranstaltungen und eine Ideenwerkstatt (vom 2. bis zum 4. März 2017) sollen dem Masterplan noch vorgeschaltet werden.

Insgesamt soll der IBA zufolge der Planungszeitraum bis zu den ersten Spatenstichen rund zehn bis 15 Jahre dauern. „Mit dem Beginn des Planungsprozesses in Bergedorf schlagen wir ein neues Kapitel in Hamburgs Stadtentwicklung auf“, sagt die Hamburger Stadtentwicklungssenatorin Stapelfeldt.

Die Internet-Adresse www.iba-hamburg.de