Scribble Speaker

Wenn aus öden Konferenzen lustige Cartoons werden

Stefan Wirkus wirkt mit schnellen Stift: Der Hamburger Grafikdesigner hält als "Scribble Speaker" Veranstaltungen als Cartoon fest.

Hamburg. Die Luft ist stickig, der Kaffee längst ausgetrunken. Die Vertriebs-Tagung zieht sich, die Teilnehmer haben zunehmend Mühe zu folgen. Wie all die Folien verstehen, die Inhalte strukturiert im Kopf behalten? Da betritt Stefan Wirkus die Bühne. Er hat die Themen der Konferenz zeichnerisch protokolliert und präsentiert die Cartoons in einem Abschlussvortrag. Es können schon mal 80 Bilder sein, aber die bleiben in Erinnerung. Und die Botschaft der Tagung bleibt besser hängen. Denn Stefan Wirkus macht häufig mehr Eindruck als seine Vorredner.

"Scribble Speaker" oder "Graphic Recorder" nennt sich der 42-Jährige. "Meine Methode lebt das Motto 'Bilder sagen mehr als tausend Zahlen'", erklärt Wirkus. Und sein Nachname bietet sich an für Wortspiele: "Wirkus wirkt nach."

Vorbild Oskar, der Schnellzeichner aus "Dalli Dalli"

Schon als Kind in einem kleinen Ort nahe Bielefeld hat er gern gezeichnet. "Auch die heimischen Tapeten wurden nicht verschont." Sein großes Idol war Oskar, der Schnellzeichner aus der Fensehshow "Dalli Dalli" mit Hans Rosenthal. Nach der Schule machte Stefan Wirkus eine Ausbildung bei der Sparkasse in Halle/Westfalen. "Das hilft mir heute, komplexe wirtschaftliche Themen zu verstehen."

Anschließend studierte der Westfale Grafik-Design in Düsseldorf und Hamburg. Und blieb in der Hansestadt hängen, etablierte sich als moderierender Zeichner mit dem schnellen Kopf und dem flinken Stift. 80 bis 100 Veranstaltungen pro Jahr und deutschlandweit begleitet Wirkus mit Bildern und Worten, führt detaillierte Vorgespräche mit den Organisatoren, um genau zu wissen, was er grafisch und sprachlich umsetzen soll. "Meistens geht es um Vetriebsthemen oder Produktvorstellungen."

Norddeutscher Schnack in Skizzen

Außerdem zeichnet er Comics, wurde 2012 bei der Frankfurter Buchmesse mit dem Deutschen Cartoonpreis geehrt. Gerade sind viele seiner Werke auf rund 65.000 Plakaten zwischen Flensburg und Garmisch zu sehen: Stefan Wirkus hat die Kampagne "Liebesleben" für „Gib Aids keine Chance“ gezeichnet.

Und schließlich begleitet er die Gespräche bei Ohnsorgs Frühschoppen mit seinen Bildern. Am 12. Februar 2017, 11 Uhr, klönen Yared Dibaba und Werner Momsen wieder mit Gästen auf der Bühne, und das Publikum kann verfolgen, wie der norddeutsche Schnack in Skizzen umgesetzt wird. Der Name des Künstlers ist eben Programm.

www.wirkus-wirkt.de