Rockerclub

Ex-Präsident der Mongols steht vor Gericht

Der Mann soll zwei Frauen zur Prostitution gezwungen haben und die Erlöse vereinnahmt haben, obwohl er Hartz IV bezog.

Hamburg. Nur wenige Hundert Euro soll Kevin Sch., ehemaliger Präsident der inzwischen aufgelösten Hamburger Rocker-Gang Mongols, den Prostituierten S. und D. überlassen haben – den Rest der Einnahmen behielt er für sich. Und kassierte noch 19.000 Euro Hartz IV-Leistungen dazu. Seit Donnerstag steht der Mann vor Gericht. Der Vorwurf: Menschenhandel und Zuhälterei.

Der Prozess gegen den 28-Jährigen, der den geschassten Mongols-Präsidenten Erkan U. beerbt hatte und im Sommer festgenommen worden war, begann turbulent. Wegen eines Befangenheitsantrags gegen die Vorsitzende Richterin konnte die Anklage erst nach einer längeren Pause verlesen werden. Demnach soll Kevin Sch. in der Zeit von Juli bis September 2015 zwei Frauen dazu gezwungen haben, sich für ihn zu prostituieren. Er schickte eine der Frauen auf den Straßenstrich in der Süderstraße und stellte der anderen eine Privatwohnung bereit. Die Erlöse soll er selbst vereinnahmt und den Frauen lediglich 70 bis 150 Euro wöchentlich für deren Lebensunterhalt überlassen haben.

Der Mongol soll seine Ex mit einer Waffe bedroht haben

Der Angeklagte soll diese Einnahmen allerdings verschwiegen haben, als er im September und Dezember 2015 und im Mai dieses Jahres beim Jobcenter Alstertal/Rahstedt jeweils Hartz IV beantragte. Insgesamt 19.000 Euro soll der Mann so erschwindelt haben. Dann kam ihm die Ex-Lebensgefährtin auf die Schliche und brachte sich selbst in große Gefahr. Sollte sie ihn verraten, werde er sie umbringen, drohte der Angeklagte demnach und hielt seiner Ex einen geladenen Revolver an die Schläfe.

Der Verteidiger des Angeklagten, der in der U-Haft sichtlich an Muskelmasse verloren hat, stellte nach Ablehnung des ersten Befangenheitsantrages und Verlesung der Anklageschrift einen zweiten Befangenheitsantrag – diesmal gegen die zwei Beisitzerinnen. Die Entscheidung darüber will die Kammer beim nächsten Prozesstag am kommenden Dienstag verkünden.