Schifffahrt

Millionen-Auftrag für Hamburger Sietas Werft

Die Sietas Werft an der EsteMündung
im Jahr 2010 vor ihrer Insolvenz. Danach war sie eigentlich nur noch Reparaturbetrieb. Jetzt werden hier wieder neue Schiffe gebaut

Die Sietas Werft an der EsteMündung im Jahr 2010 vor ihrer Insolvenz. Danach war sie eigentlich nur noch Reparaturbetrieb. Jetzt werden hier wieder neue Schiffe gebaut

Foto: Roland Magunia / HA

Meilenstein nach Einstieg von Russen: Der Bund ordert in Neuenfelde ein Baggerschiff für 95 Millionen Euro.

Hamburg.  Tradition setzt sich offenbar durch. Hamburgs älteste Werft Sietas, die seit der Übernahme durch ein russisches Unternehmen Pella Sietas heißt, baut wieder eigene Schiffe. Das Unternehmen hat von der Generaldirektion Wasserstraßen- und Schifffahrt (GDWS) des Bundes den Auftrag erhalten, einen neuen Laderaumsaugbagger zu fertigen. Das 132 Meter lange und 23,4 Meter breite Baggerschiff soll künftig hauptsächlich auf der Tideelbe eingesetzt werden, um die Fahrrinne für Schiffe mit großem Tiefgang frei zu halten. Das Volumen des Auftrags liegt bei insgesamt 95 Millionen Euro.

Für Pella Sietas ist es eine „große Sache“, wie Werftchefin Natallia Dean sagt. Nach dem Neubau einer Hafenfähre für die Hadag, deren Auslieferung im Frühjahr 2017 erfolgt, ist die Order des Bundes erst der zweite Neubauauftrag seit der Insolvenz der Sietas Werft vor fünf Jahren. Nur zwei Schiffe hat das Unternehmen seitdem abgeliefert: eine Fähre für Dänemark und ein Errichterschiff für die Installation von Windkraftanlagen. Beide Aufträge stammten aus der Zeit vor der Insolvenz 2011.

Zahl der Mitarbeiter soll wachsen

„Die Beauftragung durch den Bund eröffnet eine neue Dimension für die Werft. Wir bauen ein technisch sehr komplexes Schiff für den Heimatmarkt. Es wird höchste Qualität und Präzision erwartet“, sagt Dean dem Abendblatt.

Die Zahl der Mitarbeiter werde nun wachsen. „Das Projekt ist sehr komplex. Wir werden zusätzliches Personal in Engineering und in der Produktion einstellen“, sagt Dean, möchte aber noch keine Zahlen nennen. Das werde gerade durchgerechnet. Der Personalaufbau werde aber zweistellig ausfallen, ergänzt der Leiter des operativen Geschäfts, Björn Pape. Derzeit arbeiten bei Pella Sietas rund 200 Beschäftigte.

Eigentlich sollten es schon doppelt so viele sein. Denn als die Pella Shipyard mit Sitz in Sankt Petersburg 2014 die Werft an der Este-Mündung übernahm, hatte sie drei Neubauaufträge aus Russland in Aussicht gestellt, darunter einen Eisbrecher. Doch daraus wurde bisher nichts: Die Handelsbeschränkungen, miserable Wechselkurse aufgrund des schwachen Rubels und die allgemeine Rezession, in der Russland sich befindet, haben russische Aufträge bisher verhindert. Immerhin hat Pella Sietas bereits die Genehmigung des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkon­trolle (BAFA) zum Bau eines Tonnen­legerschiffs für Russland. „Wir hoffen auf die baldige Beauftragung, können aber noch keinen Zeithorizont konkretisieren“, sagt Dean.

Auftrag kommt zur rechten Zeit

Für sie kommt der Auftrag zur rechten Zeit: Denn der ursprüngliche Plan von Pella Sietas, von den verschärften Grenzwerten zur Luftreinhaltung auf Nord- und Ostsee durch den Einbau von Abgaswaschanlagen in Schiffen zu profitieren, haben sich nicht erfüllt. Rasch konnte die Werft hier vier Aufträge an Land ziehen. Weitere folgten aber nicht. Viele Reedereien scheuen die Investition in die teuren Abgaswäscher und fahren lieber mit Kraftstoff, der einen geringeren Schwefelgehalt hat.

Über Wasser hielt sich die Werft bisher auch mit Teil- und Umbauaufträgen. Bis 2020 liefert Pella Sietas Bausektionen für Kreuzfahrtschiffe an die Papenburger Meyer Werft. Zudem profitierte der Neuenfelder Schiffbauer von der Überholung der Flotte der Hamburger Hafenfähren. Dies war aber alles nicht nachhaltig. „Den Strategiewechsel haben wir jetzt mit dem neuen Auftrag vollzogen“, sagt Pape. Denn bei Errichter- und Baggerschiffen sieht er große Chancen. „Diese Schiffe und Fähren werden die beiden Segmente, auf die wir uns konzentrieren.“

Laut Dean profitiert nicht nur die Werft von dem Auftrag: Das Baggergeschäft sei im Wesentlichen in den Händen niederländischer und belgischer Unternehmen. „Wenn wir dort in Deutschland Kompetenzen aufbauen, ist das gut für den ganzen Standort“, sagt die Werftchefin. Pella-Eigentümer Garegin Tsaturov sieht sich jedenfalls bestätigt: „Unsere Entscheidung vor drei Jahren, die Werft zu kaufen, hat sich als absolut richtig erwiesen“, so der Russe zum Abendblatt. Der Auftrag sei auf die hohe Kompetenz des Teams zurückzuführen.

Auch Wirtschaftssenator Frank Horch, der die Sietas Werft durch Staatsbürgschaften mit am Leben erhalten hat, ist der Meinung, dass Pella Sietas sich eine hohe Expertise beim Spezialschiffbau erworben habe. „Der neue Auftrag ist ein Schritt auf dem Weg zu einem international wettbewerbsfähigen Industrieunternehmen für die modernen maritimen Märkte.“ Der Bagger soll im Dezember 2018 in Betrieb gehen und kann bis zu einer Tiefe von 25 Metern Schlick aus der Elbe holen.