Hamburg

Alles schon reserviert

Eine Glosse von Matthias Schmoock

Lasset die Kinder zu mir kommen, steht schon in der Bibel. Gerade in der Vorweihnachtszeit würden das viele gerne tun – und möglichst einen netten Platz ergattern. Doch selbst wenn man frühzeitig erscheint, haben vor allem in Hamburgs kleinen Gotteshäusern irgendwelche Schlaumeier oft schon zig Plätze reserviert. Ganze Bankreihen sind mit ausgebreiteten Schals, Handschuhen, Handtaschen und Jacken gegen den Zugriff anderer gesichert – was übrigens, das nur am Rande bemerkt, unglaublich dämlich aussieht. Und der ganze Aufwand nur, damit Tante Trude aus Buxtehude (Achtung, Namen geändert!) samt Anhang dabei sein kann, wenn Stiefgroßnichte Lili-Carlotta Auszüge aus der Weihnachtsgeschichte runterleiert. Zur Sicherheit wird dann oft auch noch ein betagtes Familienmitglied am Rand platziert, das alle Interessenten verscheuchen muss – wer kann schon einer Omi böse sein.

Zwei Minuten vor Beginn taucht der ganze Verein dann mit großem Brimborium auf – wo waren die bloß die ganze Zeit? Vermutlich würden sich solche Leute am liebsten auch Supermarkt-Parkplätze, Einkaufswagen oder U-Bahn-Bänke reservieren lassen.

Mein Vorschlag angesichts des Fests der Liebe: Rückt doch einfach alle ein bisschen zusammen, dann wird es nicht nur in den Herzen warm.